«Er war das deutsche Stonewall» – Abschied von Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim sitzt 2022 beim Fototermin vor der Premiere des Musicals «Die Bettwurst» auf der Bühne.
(Bild: Monika Skolimowska/dpa)

Deutschland trauert um den Filmemacher Rosa von Praunheim, der mit 83 Jahren gestorben ist. Der Bundespräsident schreibt seinem Ehemann - erst vor wenigen Tagen hatte das Paar geheiratet.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den verstorbenen Filmemacher Rosa von Praunheim als einen der «bekanntesten, wirkungsvollsten und engagiertesten Künstler» des Landes gewürdigt. «Die Nachricht vom plötzlichen Tode Rosa von Praunheims hat mich sehr traurig gemacht», schrieb Steinmeier nach Angaben des Bundespräsidialamtes.

Erst vor wenigen Tagen hatte von Praunheim seinen langjährigen Partner geheiratet (MANNSCHAFT berichtete). Steinmeier kondolierte nun dem Ehemann. «Ich spreche Ihnen und allen Freunden und Angehörigen mein tief empfundenes Beileid aus.»

«Ohne sein Werk wäre die Geschichte homosexueller Emanzipation in Deutschland anders verlaufen», schrieb Steinmeier. Viele Menschen hätten Rosa von Praunheim viel zu verdanken, auch wenn sie sein Werk vielleicht nicht einmal kennen. «Rosa von Praunheim war unvergleichlich.» Der Filmemacher war im Alter von 83 Jahren gestorben (MANNSCHAFT berichtete). Sein autobiografischer Film «Satanische Sau» hatte im Februar 2025 auf der Berlinale Premiere gefeiert.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte von Praunheim als «Pionier der queeren Filmgeschichte und einen maßgeblichen Wegbereiter der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung» im Land. «Sein umfangreiches filmisches Werk wirkt über seinen Tod hinaus und erinnert daran, wie wichtig eine offene und vielfältige Gesellschaft ist.»

Der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann, schrieb, sein Herz sei voller Trauer und Dankbarkeit. Noch vor wenigen Tagen habe er bei der Hochzeit dabei sein dürfen, einem «Fest der Liebe». Von Praunheims Film «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt» von 1971 habe nicht weniger als die deutsche Homosexuellen-Bürgerrechtsbewegung in Gang gesetzt. «Der Film stiftete Unruhe in einer Zeit von Strafgesetzen und Sittenpolizei und gab den Anstoß für öffentliche Aktionen und die ersten CSDs», so Lehmann.

Auch die lesbische Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann hat die Ikone der Schwulenbewegung und ihre Errungenschaften für die queere Community gewürdigt. «Unsere Gesellschaft verdankt dir einen Teil der Liberalität, die sie heute hat. Noch. Du hast Grosses bewirkt», schrieb Kroymann bei Facebook. Man müsse dafür sorgen, dass es kein Dahinter-Zurück gebe.

Rosa von Praunheim sei jahrzehntelang «verlässlich unübersehbar» gewesen, so Kroymann. «Durch deine Filme, deinen Aktivismus, deine enorme Produktivität, deine klare Stellungnahme fürs Sich-Zeigen.» Sie betonte: «DANKE Rosa.»

Die Schauspielerin Maren Kroymann
Maren Kroymann (Bild: Christoph Soeder/dpa)

Kroymann: Umstrittene Outing-Aktion hatte etwas Positives Kroymann nahm auch Bezug auf den umstrittenen Auftritt von Praunheim, als er 1991 den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling im Fernsehen outete. «Dass dieses Outing falsch war, hast du bald begriffen. Aber dieses Falsche hat im Endeffekt auch etwas Positives ausgelöst: nämlich die Erkenntnis, dass wir uns selbst outen müssen.» Kroymann selbst hat ihre Homosexualität bereits vor Jahrzehnten öffentlich gemacht.

Katy Karrenbauer, die in einigen seiner Filme mitwirkte, würdigte von Praunheim als «tiefsinnigen Freund».

«Er war das deutsche Stonewall. Danke Rosa!», schrieb der Aktivist und Bühnenautor Johannes Kram. Die Stonewall-Unruhen, eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen LGBTIQ und der Polizei in New York City, begründeten im Jahr 1969 die queere Emanzipationsbewegung.

Entertainer Riccardo Simonetti postete bei Instagram ein Video von sich und von Praunheim und schrieb dazu: «Ich werde unsere gemeinsamen Begegnungen und Unterhaltungen für immer wertschätzen».

Das Deutsche Theater in Berlin würdigte von Praunheim als «Tausendsassa». «Rosas Wohnung war ein lebendes Atelier; er arbeitete immer und an vielem gleichzeitig. Er war ein unruhiger Geist, der unsere Gegenwart mit Polemik und Neugier, Schärfe und Witz analysierte, dauerbedichtete und dauerbesang», hiess es in einem Nachruf. «Du bist der Beste! Viel Spaß bei Deiner Beerdigung».

Die CSDs im Osten Deutschlands wurden zuletzt immer wieder von rechten Protesten und Übergriffen gestört. Ändert das die Pride-Kultur? «Viele haben Angst», sagen Verantwortliche (MANNSCHAFT berichtete).

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