«No men, no problem» - Tausende demonstrieren zum Frauentag
In Berlin gab es mehrere Festnahmen
Mehrere Tausend Menschen ziehen zum Internationalen Frauentag durch die Strassen u.a. von Hamburg und Berlin. Mit Parolen, Fahnen und Pyrotechnik geben sie sich kämpferisch.
Unter dem Motto «Internationale feministische Kämpfe vereinen» haben sich in Hamburg mehrere Tausend Menschen zu einer Demonstration versammelt. Die mehrheitlich weiblichen Teilnehmer zogen von den St.-Pauli-Landungsbrücken in Richtung Altona-Altstadt. Die Polizei konnte zunächst keine Teilnehmerzahl nennen.
Auf Transparenten hiess es: «Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet», «Sperrt die Männer weg!» oder «No men, no problem». Über dem Demonstrationszug waren auch Fahnen linker und kommunistischer Gruppen zu sehen. Einige Teilnehmerinnen zündeten Feuerwerkskörper mit farbigem Rauch an.
«Wissen, dass wir uns nur gemeinsam befreien können» In ihrem Aufruf schrieben die Veranstalter, die sich als Teil der «Arbeiter*innenbewegung» bezeichneten: «Wir lassen uns nicht spalten, denn wir wissen, dass wir uns nur gemeinsam befreien können. Wie unzählige Frauen und LINTA* in aller Welt, sind auch wir laut gegen Antifeminismus, Ausbeutung und den steigenden Rechtsruck.» Die Abkürzung «LINTA» steht für Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen.
Mehrere zehntausend Menschen haben auch in Berlin demonstriert. Laut Angaben der Berliner Polizei beteiligten sich insgesamt 40'000 Menschen an den diversen Veranstaltungen. Zu der grössten von zahlreichen Kundgebungen und Demonstrationen kamen rund 27'000 Teilnehmer*innen. Die Veranstaltenden sprachen von 30'000 Menschen - in jedem Fall kamen deutlich mehr als die 10'000 Menschen, die zunächst erwartet worden waren.
Die Demonstrationen verliefen der Polizei zufolge weitgehend friedlich. Bei einem Demonstrationszug von Kreuzberg nach Neukölln am Nachmittag wurden insgesamt 16 Menschen festgenommen. Es kam zu einem Angriff auf einen Journalisten, zudem wurden diverse verbotenen Parolen gerufen, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Ein Polizist erlitt bei einer Festnahme leichte Verletzungen, konnte seinen Dienst aber fortsetzen. Bei einer Veranstaltung am Abend in Kreuzberg wurde Pyrotechnik abgebrannt.
Zu der grössten Demo für Frauenrechte hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften wie Verdi und GEW sowie verschiedenen Verbänden und Initiativen aufgerufen. Frauenzentren hatten sich ebenso angeschlossen wie die «Omas for Future».
Bereits am späten Vormittag wurde es eng bei der Auftaktkundgebung unter dem Motto «feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich» auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg.
Proteste gegen Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen «Gleichberechtigung ist keine Raketenwissenschaft», war auf einem Plakat zu lesen, «Mann tötet nicht aus Liebe» auf einem anderen. Rednerinnen kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland zum Alltag gehöre, wandten sich gegen Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz und gegen eine mögliche Wehrpflicht für Frauen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in Nahost war auf Plakaten auch die Forderung «Solidarität mit dem Widerstand im Iran» zu lesen, auf anderen das Motto der Frauenproteste im Iran 2022 «Frau, Leben, Freiheit». Eine Künstlerin sang auf der Bühne ein Lied für die politischen Gefangenen im Iran.
Die Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin-Brandenburg, Katja Karger, warf der Bundesregierung einen Angriff auf den Sozialstaat vor. Sie forderte, Frauen besser vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz zu schützen, das Recht auf Teilzeit nicht einzuschränken und am 8-Stunden-Tag festzuhalten. Wer dessen Abschaffung wolle, habe keine Ahnung von der Arbeitswelt, sagte sie. Solche Überlegungen seien «totaler Irrsinn».
Nach der Kundgebung am Oranienplatz zogen die Teilnehmer*innen zum Roten Rathaus, dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters. Dort endete die Demonstration am Nachmittag. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen, sagte eine Polizeisprecherin.
Parallel dazu gab es den sogenannten Purple Ride, die traditionelle feministische Fahrraddemo linker und lesbischer Frauengruppen - mit 7'500 Teilnehmer*innen, wie die Polizei schätzte.
Von der gleichen Teilnehmerinnenzahl gingen die Einsatzkräfte für die Demonstration unter dem Titel «Feminism Unlimited» aus, die zum Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte führte. In beiden Fällen gab es den Angaben zufolge keine Zwischenfälle.
Der Demonstrationszug mit dem Motto «8. März International» setzte sich von Kreuzberg aus in Bewegung und kam am späten Nachmittag in Neukölln an. Zur Teilnahme hatten auch linksradikale Gruppen aufgerufen, die Freiheit für Palästina forderten. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 6'500 Menschen daran teil.
Aktionen und Demonstrationen sind auch für diesen Montag (9. März) angekündigt, insbesondere unter dem Motto «Frauenstreiktag». Einen Flashmob soll es der Organisation «Enough» zufolge ab 10.00 Uhr am Alexanderplatz geben. Treffpunkt ist die Weltzeituhr.
Mit 5.000 angemeldeten Teilnehmerinnen ist die grösste Veranstaltung mit dem Titel «Globaler Frauen*streik» um 12.00 Uhr vor dem Brandenburger Tor geplant. Der Name der Organisation ist Programm und reagiert auf zunehmende Angriffe auf Gleichstellungspolitik und Frauenrechte - die Botschaft lautet: «Genug. Enough. Uns reicht es.»
Bekannt aus «Will & Grace»: Der Schauspieler Corey Parker ist tot (MANNSCHAFT berichtete)