OB-Wahl in München: Schwuler Physiker wird Hoffnungsträger
Dominik Krause fordert Dieter Reiter heraus
Vor der Wahl um das Münchner Rathaus haben dem Grünen-Bewerber Dominik Krause viele nur wenige Chancen eingeräumt. Nun zeigt sich, dass er nicht nur bei den Google-Trends viele überraschte.
Diesen Abend wird Dominik Krause wohl so schnell nicht vergessen. Als sich der 35-Jährige von seinen Parteifreund*innen in München feiern lässt, kennt der Jubel keine Grenzen. Während Krause für die Grünen in der Landeshaupt der Gewinner des Abends ist, rätseln in Deutschland viele Menschen über seine Person. Wer ist der junge Mann, der nun in der Stichwahl SPD-Urgestein Dieter Reiter im Kampf um das Münchner Rathaus herausfordert? Bei den Google-Trends ist er in jedem Fall am Abend weit vorn bei den angesagtesten Suchbegriffen.
Krause nennt Oktoberfest «weltweit grösste offene Drogenszene» Bundesweite Aufmerksamkeit hat Krause vor der Kommunalwahl wohl bisher nur einmal erlangt: Kurz nach seinem Amtsantritt als Zweiter Münchner Bürgermeister 2023 bezeichnete er das Oktoberfest als «weltweit grösste offene Drogenszene». Ansonsten hat sich studierte Physiker keinerlei Provokationen erlaubt.
2024 hatte er seinem Lebensgefährten Sebastian Müller das Ja-Wort gegeben – nachdem die beiden bereits seit 16 Jahren ein Paar waren. «Jetzt fühlen wir uns so gesettelt, dass wir es amtlich und offiziell machen wollen», sagte Krause, der im Oktober 2023 als erster offen schwul lebender Mann in München Zweiter Bürgermeister geworden war (MANNSCHAFT berichtete).
Kritiker*innen, die meinen, er sei noch zu jung für das Amt des Oberbürgermeisters, tritt Krause selbstbewusst entgegen und verweist gerne auf Hans-Jochen Vogel. Der SPD-Politiker war 34, als er 1960 auf den Chefsessel im Münchner Rathaus gewählt wurde. Als Reiter im vergangenen Jahr nach einer Operation zwei Monate ausfiel, übernahm Krause dessen Amtsgeschäfte - geräuschlos und ohne Pannen.
Scheut auch keine Konflikte mit seiner eigenen Partei Krause scheut auch keine Konflikte mit seinen eigenen Parteifreunden - als er sich im August 2024 öffentlich für eine Olympia-Bewerbung von München aussprach, stiess er vielen Grünen vor den Kopf. Zugleich setzte er im Wahlkampf auch auf Unterstützung durch seinen Parteifreund Robert Habeck – auch damit ging Krause in Bayern ein gewisses Risiko ein, denn die CSU macht seit Jahren lautstark gegen Habeck mobil.
Nach dem Aus für Brunos in Berlin: «Es braucht keinen schwulen Laden mehr.» Geschäftsführer Franz Landgraf-Happach nimmt Stellung (MANNSCHAFT berichtete).