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Nach dem Aus für Brunos in Berlin: «Es braucht keinen schwulen Laden mehr»

Geschäftsführer Franz Landgraf-Happach nimmt Stellung

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Brunos in Berlin ist geschlossen (Foto: Andrej Romanenko)

Mit Verweis auf den Onlinehandel und die veränderten Innenstädte wurden vergangenes Jahr drei der vier Brunos-Läden in Deuschland geschlossen. Nun ist auch der Berliner Shop Geschichte. Drei Wochen nach der Schliessung äussert sich nun der Geschäftsführer.

Im vergangenen Sommer wurden schon die Standorte München, Köln und Hamburg aufgegeben. Man wollte das Unternehmen zukunftsorientiert aufstellen, hiess es damals. Einzig der Berliner Store im Regenbogenkiez am Winterfeldtplatz sollte bleiben, unweit vom Café Berio, das schon länger geschlossen ist (MANNSCHAFT berichtete). Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr «Insolvenz in Eigenverwaltung» angemeldet. Doch retten konnte man den Berliner Shop nicht.

Am 7. Januar wurde den Mitarbeitern bei einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung mitgeteilt, dass die Bruno's GmbH in der Insolvenz in Eigenverantwortung «wieder zahlungsunfähig» worden sei. Deshalb bleibe der Laden bis auf weiteres geschlossen. Alle Mitarbeiter wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt.

«Trotz intensiver Bemühungen während der Insolvenz in Eigenverwaltung, war der Standort Berlin mit dem E-Commerce wirtschaftlich nicht mehr tragfähig», erklärt nun Franz Landgraf-Happach, Geschäftsführer der Bruno´s GmbH, in einer Presseerklärung. «Im laufenden Verfahren ist es zur Masseunzulänglichkeit gekommen, was bedeutet, dass die verfügbaren Mittel nicht mehr ausreichen, um alle laufenden Verpflichtungen zu erfüllen. Unter diesen Umständen war die Schliessung leider unausweichlich.»

Masseunzulänglichkeit bedeute, «dass selbst nach Eröffnung des Verfahrens nicht mehr genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, um alle Verbindlichkeiten zu decken. Ab diesem Punkt sind wir rechtlich verpflichtet, bestimmte Schritte einzuleiten – dazu gehört leider auch die Beendigung des Geschäftsbetriebs.»

Ohne laufenden Betrieb gebe es keine Möglichkeit mehr, Arbeitsplätze aufrechtzuerhalten. «Das war einer der schwersten Aspekte dieser Situation, weil uns bewusst ist, welche persönlichen Folgen das für die Betroffenen hat.»

Landgraf-Happach erklärt zudem: «Ich möchte mich auch zutiefst bei unseren Kunden entschuldigen, die bislang noch keine Ware erhalten haben.»

Landgraf-Happach sagte am Dienstag gegenüber MANNSCHAFT zu den Gründen, die zu der Schliessung geführt hätten: Für den Versand von Waren an die Kund*innen habe man ein Logistikzentrum beauftragt, doch dort sei nichts ausgeliefert worden. Dadurch sei man «in eine Schieflage» gekommen, bei Paypal wurde man schliesslich gesperrt.

Auf die Frage nach eigenen Fehlern sagte Landgraf-Happach: «Ich denke, man kann immer alles so ein bisschen vergleichen mit einer Beziehung. Wenn alles gut läuft, hat jeder alles richtig gemacht, und wenn alles nicht so gut läuft, ist nicht immer nur einer schuld. Und weiter: «Ich denke auch, dass wir da ein grosses Mass an Unglück in unserer Zeit hier gerade haben.» Er verweist u.a. auf steigende Kosten, etwa bei der Einfuhr aus Ware aus den USA.

Man habe in der Geschäftsführung auch einige falsche Entscheidungen getroffen. «Aber davon lebt natürlich manchmal auch ein Unternehmen, dass es richtige und falsche Entscheidungen trifft.» Wichtig sei jetzt für mich als Geschäftsführer der Brunus GmbH Verantwortung zu übernehmen, und «den Prozess sauber abzuschliessen».

Seine Bilanz: «Es braucht keinen schwulen Laden mehr. Du kannst überall deine Pride-Artikel kaufen, von Amazon über Etsy bis hin zu Shein und Temu.»

Ein Shop-Mitarbeiter hatte zuvor gegenüber MANNSCHAFT gesagt: «Brunos wurde mit Vollgas an die Wand gefahren.» Es sei immer weniger Qualitätsware in den Regalen gelandet, dafür aber zu hohen Preisen. Zuletzt seien noch Unmengen an Ware und Regalen aus den anderen, bereits geschlossenen Shops nach Berlin gebracht worden, mit denen dann der Laden in Berlin vollgestellt wurde.

Von offizieller Seite wurde bisher nichts gegenüber der Kundschaft kommuniziert. Die Website brunos.de ist offiziell im «Wartungsmodus», auf den Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Instagram wird bisher die Schliessung mit keinem Wort erwähnt.

Darauf angesprochen erklärte Landgraf-Happach, man müsse das «erst rechtlich abklären» mit dem Sachwalter und «natürlich auch mit den Menschen, die den Laden künftig übernehmen» wollten. Man wolle jetzt rechtlich keinen Fehler machen.

Landgraf-Happach hatte das Unternehmen im Jahr 2017 mit zwei weiteren Gesellschaftern übernommen und zunächst noch erfolgreich durch die Pandemie geführt. «Aber unsere Kundschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert», sagte er im vergangenen Jahr gegenüber MANNSCHAFT. Erstaunlicherweise mache man noch immer Umsatz mit Porno-DVDs und Gleitgel. «Aber der Absatz mit Büchern, Magazinen, Reiseführern, Spielfilm-DVDs ist zurückgegangen.»

Es war einst das grösste schwule Unternehmen in Deutschland, die Bruno Gmünder GmbH: Nach 2014 hatte es 2017 ein zweites Insolvenzverfahren gegeben «wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung». Der damalige Geschäftsführer Michael Taubenheim hatte eine «Restrukturierung» des Verlags angekündigt, man wolle, "das Unternehmen als Ganzes erhalten und mit neuen Investoren auf eine stabile Basis stellen». Das ist nicht gelungen. Schon Anfang 2017 hatte der Verlag das Printmagazin Männer nach 30 Jahren eingestellt.

Immerhin, die Einzelhandelsparte wurde vorübergehend durch neue Betreiber gesichert. Aber auch damit ist es nun, knapp neun Jahre später, auch vorbei.

«Liebt doch, wen ihr wollt. Liebe ist nicht kriminell!» In Norddeutschland wurde am Holocaust-Gedenktag auch an das Schicksal queerer Menschen erinnert (MANNSCHAFT berichtete).

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