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«Mit Karacho ins Chaos»: Letzter Brunos-Laden in Berlin geschlossen
Brunos war über Jahre das Geschäft für die schwule Community. Mit Verweis auf den Onlinehandel und die veränderten Innenstädte wurden vergangenes Jahr drei der vier Läden in Deuschland geschlossen. Nach München, Köln und Hamburg ist nun auch der Berliner Shop Geschichte.
Es war am 7. Januar: Bei einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung wurde den Brunos-Mitarbeitern mitgeteilt, dass die Brunos GmbH in der Insolvenz in Eigenverantwortung «wieder zahlungsunfähig» worden sei. Deshalb bleibe der Laden bis auf weiteres geschlossen. Alle Mitarbeiter würden mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Ein Shop-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in diesem Artikel lesen möchte, sagte gegenüber MANNSCHAFT. «Morgens um 10 Uhr wurde uns eröffnet, dass das Unternehmen pleite wäre und wir ab 11 Uhr den Laden schliessen würden und wir alle dann fristlos entlassen sind. Ohne Vorwarnung, ohne Zeugnisse». Auch das letzte Monatsgehalt stehe noch aus.
Alle seien geschockt gewesen. Wirklich überrascht sei der Brunos-Mitarbeiter, ein gelernter Buchhändler, aber nicht von der Schliessung gewesen. «Schon länger wurden wir im Unklaren und im Vagen gelassen.» Sein Urteil nach der Schliessung: «Brunos wurde mit Karacho ins Chaos gesteuert.»
Es sei immer weniger Qualitätsware in den Regalen gelandet, dafür aber zu hohen Preisen. Zuletzt seien noch Unmengen an Dekomaterial und Regalen aus den anderen, bereits geschlossenen Shops nach Berlin gebracht worden, mit denen nun der Laden in Berlin vollgestellt wurde. Zudem habe der Bezahldienst Paypal zuletzt die Zusammenarbeit verweigert.
MANNSCHAFT hat mehrfach versucht, Franz Landgraf-Happach zu dem Aus des Berliner Ladens zu befragen, doch ohne Erfolg. Der Geschäftsführer reagiert nicht.
Die offizielle Seite brunos.de ist offiziell im «Wartungsmodus», auf den Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Instagram wird die Schliessung mit keinem Wort kommuniziert.
Im vergangenen Sommer wurden schon die Standorte München, Köln und Hamburg aufgegeben. Man wollte das Unternehmen zukunftsorientiert aufstellen, hiess es damals. Einzig der Berliner Store im Regenbogenkiez am Winterfeldtplatz sollte bleiben, unweit vom Café Berio, das schon länger geschlossen ist (MANNSCHAFT berichtete).
Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr «Insolvenz in Eigenverwaltung» angemeldet. Doch retten konnte man den Berliner Shop nicht.
Franz Landgraf-Happach hatte das Unternehmen im Jahr 2017 mit zwei weiteren Gesellschaftern übernommen und zunächst noch erfolgreich durch die Pandemie geführt. «Aber unsere Kundschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert», sagte er im vergangenen Jahr gegenüber MANNSCHAFT. Erstaunlicherweise mache man noch immer Umsatz mit Porno-DVDs und Gleitgel. «Aber der Absatz mit Büchern, Magazinen, Reiseführern, Spielfilm-DVDs ist zurückgegangen.»
Es war einst das grösste schwule Unternehmen in Deutschland, die Bruno Gmünder GmbH: Nach 2014 hatte es 2017 ein zweites Insolvenzverfahren gegeben «wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung». Der damalige Geschäftsführer Michael Taubenheim hatte eine «Restrukturierung» des Verlags angekündigt, man wolle, "das Unternehmen als Ganzes erhalten und mit neuen Investoren auf eine stabile Basis stellen». Das ist nicht gelungen. Schon Anfang 2017 hatte der Verlag das Printmagazin Männer nach 30 Jahren eingestellt.
Immerhin, die Einzelhandelsparte wurde vorübergehend durch neue Betreiber gesichert. Aber auch damit ist es nun, knapp neun Jahre später, auch vorbei.