«Liebt doch, wen ihr wollt. Liebe ist nicht kriminell!»
In Norddeutschland wurde am Holocaust-Gedenktag auch an das Schicksal queerer Menschen erinnert
Hamburg setzt am Holocaust-Gedenktag ein leuchtendes Zeichen gegen das Vergessen. Anlass: der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945.
Zahlreiche Menschen haben am Holocaust-Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Stiftung Bornplatzsynagoge hatte zu einer Gedenkveranstaltung auf den Joseph-Carlebach-Platz im Grindelviertel geladen. Dort, wo früher die grösste Synagoge Norddeutschlands stand, bildeten Hamburger*innen einen leuchtenden Davidstern aus Kerzen. Die Aktion ist Teil des Kunstprojekts «Seite an Seite» der Künstlerin Valérie Wagner zur Sichtbarmachung jüdischen Lebens im öffentlichen Raum und ein Zeichen der Solidarität mit Jüd*innen in Hamburg.
Der Menschenstern sollte von oben mit einer Drohne fotografiert werden, hiess es. Die Aufnahme ist die letzte von insgesamt sechs Aktionen, die seit April an bekannten Orten in Hamburg stattgefunden haben, wie dem Bunker auf St. Pauli oder der Kunsthalle. Die Ergebnisse sollen im Juni 2026 zur Triennale der Photographie in Hamburg ausgestellt werden. Nach der Foto-Aktion sprach der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky das Gebet El male rachamin zum Gedenken an die Opfer der Shoa.
Die Hamburgische Bürgerschaft hatte zur szenischen Lesung in den Grossen Festsaal des Hamburger Rathauses geladen. In dem Dokumentarstück «Das Lila Lied» von Michael Batz erinnerten die Protagonisten anhand von Dokumenten und Zeitzeugenberichten an die nationalsozialistische Verfolgung von Homosexuellen in Hamburg. «Die Ungerechtigkeit, die den Opfern der Nazis widerfuhr, weil sie nicht ,Hitlers Norm' entsprachen, ist unerträglich», sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit. «Auch heute ist es wichtig, sich deutlich gegen jede Form der Diskriminierung zu wehren: Liebt doch, wen ihr wollt, denn Liebe ist nicht kriminell!»
Landtagspräsidentin Kristina Herbst hat bei der zentralen Gedenkfeier des Schleswig-Holsteinischen Landtages in Itzehoe an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Im Mittelpunkt des Gedenkens standen die Millionen Opfer - insbesondere die sechs Millionen ermordeten Jüd*innen sowie die zahlreichen weiteren Verfolgten, darunter Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politische Gegner*innen sowie Homosexuelle. «Erinnerung ist keine freiwillige Geste, sondern eine dauerhafte Verpflichtung der demokratischen Gesellschaft», betonte Herbst.
Herbst zeigte sich auch besorgt über zunehmenden Antisemitismus auch in Schleswig-Holstein - etwa durch Vandalismus an Gedenkorten, wie jüngst am Mahnmal der Kieler Synagoge, und antisemitische Vorfälle im öffentlichen Raum. Solche Taten seien Angriffe auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und dürften nicht hingenommen werden.
Am 16. Spieltag der Fussball-Bundesliga hielten im Weserstadion die Spieler von Werder Bremen vor dem Spiel ein Transparent mit der Aufschrift "'WeRemember" aus Anlass des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auch der Hamburger SV erklärte, man sehe ich sich "verpflichtet, Haltung zu zeigen, jeder Form von Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und unsere demokratischen Werte zu schützen.“