Stigma überwinden: Mehr queere Geflüchtete suchen Beratung

Die meisten Anfragen bei Queer Base stammen von Menschen aus Syrien

LGBTIQ Geflüchtete (Foto: Ra Dragon/Unsplash)
Symbolbild

Auch wenn in Österreich die Asylantragszahlen sinken, bleiben die Anfragen von queeren Geflüchteten hoch.

Es gibt in Österreich wohl keine andere Organisation, die sich so viel für queere Geflüchtete einsetzt, wie Queer Base. Der Verein wurde 2015 gegründet und hat den Sitz in Wien. Angeboten werden Rechtsberatungen, Sozial- und Coming-out-Beratungen, Vernetzungen mit der Community sowie Unterstützungen in medizinischen und psychologischen Belangen. Alleine im Vorjahr haben 87 queere Geflüchtete mit Hilfe von Queer Base in Österreich einen positiven Asylbescheid erhalten, wie die Organisation jetzt mitteilte. Es ist das erste Mal, dass sie solche Zahlen veröffentlicht. «Der Kampf lohnt sich, but the struggle is real», heisst es dazu bei Queer Base.

Auch wenn in Österreich die Zahl aller Asylanträge sinkt, bleiben die Anfragen bei Queer Base hoch. Im Vorjahr verzeichnete die Organisation 227 Erstkontakte von queeren Geflüchteten. Die Zahl ist damit höher als in den Jahren 2024, 2022 und 2021. Die vielen Anfragen zeigen, dass Queer Base immer bekannter wird. «Unsere Community wächst und Unterstützung wird immer wichtiger», betonen die Mitarbeiter*innen von Queer Base. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer von queeren Geflüchteten hoch bleibt. Queer Base möchte daher so viel Awareness schaffen wie möglich.

Die meisten Anfragen bei Queer Base stammten 2025 von Menschen aus Syrien (23,1 Prozent). Auf Platz zwei unter den Herkunftsländern der Klient*innen von Queer Base liegen die Türkei (13,1 Prozent) und Irak (13,1 Prozent), gefolgt von Iran (12,5 Prozent). Auch viele Menschen aus Russland (9,8 Prozent) und aus Bangladesh (8,6 Prozent) suchen Hilfe bei Queer Base. Bei den afrikanischen Ländern liegt Kamerun auf Platz eins. Sechs Prozent der Klient*innen von Queer Base stammen von dort, gefolgt von Menschen aus Nigeria (4,6 Prozent), Uganda (4,6 Prozent) und Ägypten (4,6 Prozent).

Die vielen Anfragen aus Syrien hängen damit zusammen, dass viele syrische Geflüchtete ihre Queerness im ersten Verfahren aus Angst noch nicht angegeben haben. Doch jetzt haben die österreichischen Behörden vermehrt Aberkennungsverfahren gegen Geflüchtete aus Syrien eingeleitet, weil Teile Syriens aus Sicht der österreichischen Behörden als sicher gelten. «Wir arbeiten genau dagegen. Wir unterstützen beim Coming-out im Asylprozess», betonen die Mitarbeiter*innen von Queer Base. «Sich selbst annehmen, die eigene Identität leben und Stigma überwinden. Das ist auch ein zentraler Teil unserer Arbeit.»

Im Vorjahr ging es bei 41,1 Prozent der Beratungen von Queer Base um die physische und psychische Gesundheit, gefolgt von Coming-out-Beratungen (32,4 Prozent). Die weiteren Beratungsinhalte waren eine Perspektivenabklärung (14,3 Prozent) und Rechtsfragen (12,3 Prozent).

Queer Base bietet Peer-Beratungen an. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter*innen von Queer Base LGBTIQ sind und aus der queeren Community stammen. Wie wichtig die Arbeit von Queer Base ist, zeigt die Tatsache, dass in Wien 65 Prozent der Klient*innen in der ersten Instanz einen positiven Asylbescheid bekommen haben. In anderen österreichischen Bundesländern liegt die Quote nur bei 50 Prozent. Denn ausserhalb Wiens fehlt oft die queere Community. Queere Geflüchtete fühlen sich dann oft alleine und sind ohne Unterstützung.

Da das Thema der Übersetzung bei Fragen zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität besonders sensibel ist, arbeitet Queer Base mehrheitlich mit Übersetzer*innen, die selbst LGBTIQ sind. Gemeinsam mit den Organisationen Diakonie Lares und Tralalobe organisieren die Mitarbeiter*innen von Queer Base Wohnraum für LGBTIQ-Personen, die sich im Asylverfahren befinden und leiten anerkannte Asylsuchende beim Thema Wohnungssuche an kompetente Stellen weiter. Queer Base bietet auch Schulungen und Fortbildungen für Organisationen an, die im Asylbereich tätig sind.

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