Zwei Frauen in Uganda wegen Kuss in der Öffentlichkeit verhaftet – Lebenslange Haft?

Nachbar*innen alarmieren die Polizei und klagten über «praktiziete» Homosexualität

Szene aus Uganda
Symbolfoto aus Uganda (Bild: Ninno Jackjr/Unsplash)

Der jüngste Fall aus der nordugandischen Stadt Arua illustriert die weitreichenden Folgen des Anti-Homosexuality Act: Zwei Frauen in ihren Zwanzigern sehen sich nach einem angeblichen Kuss in der Öffentlichkeit mit einer möglichen lebenslangen Haftstrafe konfrontiert.

Das LGBTIQ-Nachrichtenportal Edge Media Network berichtet, nahm die Polizei die beiden Frauen am 18. Februar 2026 fest, nachdem Nachbar*innen Anzeige erstattet hatten.

Die Sprecherin der West-Nile-Polizei, Josephine Angucia, wird mit den Worten zitiert, die beiden Frauen hätten zusammen in einem Einzelzimmer gelebt und seien gemäss Abschnitt 2 des Anti-Homosexuality Act 2023 beschuldigt worden, Homosexualität «zu praktizieren».

Angucia erläuterte die Vorwürfe: «Aus der Gemeinschaft gingen Informationen ein, wonach die Verdächtigen in queere und ungewöhnliche Handlungen verwickelt seien, die sexueller Natur sein sollen, und zudem angeblich am helllichten Tag öffentlich gesehen wurden, wie sie sich küssten.» Weiter sagte sie: «Es wird zudem behauptet, dass entsprechende Fotos aufgenommen wurden und sich üblicherweise viele Frauen am Wohnort der Verdächtigen versammeln. Aufgrund dieser Informationen schritt die Polizei ein und nahm die beiden unter dem Vorwurf der Ausübung von Homosexualität gemäss Abschnitt 2 des Anti-Homosexuality Act 2023 fest.»

Die Frauen befinden sich weiterhin in Haft; in den verfügbaren Berichten ist keine Rede von einer Freilassung gegen Kaution, so Edge Media Network.

Ugandische Medien veröffentlichten demnach die Namen der beiden Frauen, was Besorgnis über ihre Sicherheit und mögliche weitere Schikanen oder Gewalt auslöst. Einige auf LGBTIQ-Themen spezialisierte Publikationen verzichteten hingegen auf die Nennung der Identitäten, um die Betroffenen zu schützen. Sollten sie wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen verurteilt werden, droht ihnen gemäss dem Gesetz eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Zur Erinnerung: Der Anti-Homosexuality Act, der im Mai 2023 in Kraft trat, sieht harte Strafen vor, darunter lebenslange Haft für gleichgeschlechtliche Beziehungen sowie die Todesstrafe für «schwere Homosexualität». Darunter fallen Fälle von HIV-Übertragung, Beziehungen mit Minderjährigen, Menschen mit Behinderungen oder älteren Personen sowie Situationen, in denen eine Person unter dem Einfluss von Drogen steht (MANNSCHAFT berichtete).

Das Gesetz verbietet zudem die «Förderung von Homosexualität» und bedroht Aktivist*innen und Organisationen, die LGBTIQ-Rechte unterstützen, mit bis zu 20 Jahren Gefängnis.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes wurden in Uganda Hunderte Menschenrechtsverletzungen gegen LGBTIQ dokumentiert, darunter Verhaftungen, Zwangsräumungen, erzwungene Analuntersuchungen, Folter und Diskriminierung. Im Januar 2026 schloss die Regierung mindestens sieben Menschenrechts-NGOs, darunter Chapter Four Uganda, die sich für die Rechte von LGBTIQ einsetzt.

Der ugandische Menschenrechtsaktivist Frank Mugisha schreibt auf X: «Dies unterstreicht die düstere Realität, mit der wir vor Ort unter dem Anti-Homosexuality Act konfrontiert sind.» Weiter erklärte er: «Wir beobachten eine gezielte Verschärfung des Vorgehens, die über Verhaftungen hinausgeht; sie hat einen gefährlichen Kreislauf aus Erpressung und Einschüchterung befeuert. Selbst Kriminelle nutzen dieses Gesetz inzwischen als Waffe gegen die LGBTIQ-Community, weil sie wissen, dass ihre Opfer zu verängstigt sind, um Schutz zu suchen.» Mugishas Aussagen spiegeln die weitverbreiteten Befürchtungen einer zunehmenden Verfolgung wider.

Wenn Eltern ihre queeren Kinder anzeigen müssen: Ghana steht vor der Umsetzung eines radikalen Gesetzes (MANNSCHAFT berichtete).

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