Schluss mit Behandlung von Menschen mit HIV in Johannesburg

Wie LGBTIQ nun Zugang zu nötigen Dienstleistungen erhalten, ist offen

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Symbolbild (Bild: Thandile Zwelibanzi / dpa)

Die USA haben Hilfsgelder für HIV-Infizierte in Afrika eingefroren. Nun musste eine Klinik für Queers in Johannesburg schliessen.

Medizinisches Personal im Zwangsurlaub, HIV-Infizierte in Panik: Obwohl manche Behandlungsprogramme fortgesetzt werden, ist das Einfrieren der US-Hilfsgelder für HIV-Infizierte in Afrika dramatisch.

Die «Engage»-HIV-Klinik in Johannesburg musste Ende März nun schliessen. Grund ist die eingeforene US-Entwicklungshilfe, berichtet das Portal Africa News unter Berufung auf AP-Informationen.

Die von USAID und Pepfar finanzierte Organisation hat in der Vergangenheit der LGBTIQ-Community STI-Tests und eine umfassende HIV-Behandlung geboten. Damit ist nun Schluss. Es ist offen, wie die Mitglieder der Community Zugang zu den dringend benötigten Dienstleistungen und Behandlungen erhalten sollen.

Engage wolle sein Vermögen versteigern, um möglichst viel Geld zurückzuerhalten und die 70 nun arbeitslosen Mitarbeitender*innen zu bezahlen, hiess es. Joseph Adams, Projektmanager des OUT LGBT Wellbeing-Programms, sagte, die Mitarbeiter*innen seien schon im Januar unbezahlt beurlaubt worden, als die Trump-Regierung die gesamte Pepfar-Finanzierung einstellte.

«Wir haben Kliniker, Laien, Verwaltungsmitarbeiter usw., die täglich hierher kommen. Das ist ihr Lebensunterhalt, aber es ist auch das, wonach sie letztendlich streben», so Adams. «Ihnen mitzuteilen, dass sie keinen Job mehr haben … das ist schwer.»

Die Entscheidung der Trump-Regierung ist in den USA juristisch unter Beschuss. Ob die Gelder auch auf längere Sicht tatsächlich gekürzt werden oder ganz wegfallen, ist derzeit offen.

Auch im queerfeindlichen Uganda gibt es Hunderttausende Patient*innen mit HIV/Aids. Vor allem im südlichen und östlichen Afrika ist die Krankheit weit verbreitet. Doch während in den 90er Jahren eine HIV-Diagnose einem Todesurteil gleichkam, konnten bisher auch in afrikanischen Ländern Patienten, die die notwendigen ARV-Medikamente erhalten, mit der Krankheit leben (MANNSCHAFT berichtete).

Angst und Verzweiflung sind gross. «Sowohl unter den Verantwortlichen als auch unter den Patienten herrschen Angst und Panik», sagt Nelson Musoba, Direktor der staatlichen Ugandischen Aids-Kommission (UAC) der dpa. «Es besteht Sorge, dass die antiretroviralen Medikamente ausgehen. Jede Unterbrechung kann zu Problemen führen.»

UAC-Direktor Musoba befürchtet, dass durch ausbleibende US-Hilfsmittel die Erfolgsgeschichte des ostafrikanischen Landes bei der Bekämpfung von HIV und Aids gefährdet ist. In den 1990er Jahren lag die Infektionsrate in Uganda bei 30 Prozent, dank eines ehrgeizigen Programms beträgt sie jetzt nur noch 5 Prozent. Und während 2010 noch 53'000 Menschen in Uganda an der tödlichen Immunschwächekrankheit und ihren Folgen starben, waren es 2023 «nur» noch 20'000. Fast 1,5 Millionen Menschen in Uganda leben mit dem Virus und etwa 1,3 Millionen erhalten ARV-Medikamente.

Auch Aids-Forschung bedroht Auch im Bereich der HIV- und Aids-Forschung drohen Rückschläge. Denn Südafrika – wo nach Angaben von UNAIDS 8,45 Millionen der knapp 40 Millionen HIV-positiven Menschen weltweit leben – spielt eine entscheidende Rolle im Bereich dieser Forschung, betont Ntobeko Ntusi, der Präsident des Südafrikanischen Rats für Medizinische Forschung (SAMRC). Aktuell sei Südafrika der grösste Empfänger von Fördermitteln der Nationalen Gesundheitsinstitute NIH ausserhalb der USA.

Trinidad und Tobago verbieten Homosexualität erneut. Das aus den zwei Inseln bestehende karibische Land nahe Venezuela dreht die Zeit zurück (MANNSCHAFT berichtete).

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