Hass auf Schwule: Rechtes Folternetzwerk sorgt für Entsetzen

Es gab 15 Festnahmen

Graz: Generalmajor Joachim Huber (links), stellv. Landespolizeidirektor, und Brigadier Michael Lohnegger vom Landeskriminalamt Steiermark bei einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Hausdurchsuchungen in Österreich
Generalmajor Joachim Huber (links), stellv. Landespolizeidirektor, und Brigadier Michael Lohnegger vom LKA Steiermark (Bild: dpa)

Ein landesweites rechtsextremes Netzwerk soll Schwule terrorisiert und erniedrigt haben. Die Verdächtigen sind zwischen 14 und 26 Jahre alt.

Neben elf Österreichern wurden ein Deutscher, ein Kroate, ein Rumäne und ein Slowake festgenommen. Die Polizei gab keine näheren Informationen zu ihnen bekannt.

Bei Razzien mit 400 Beamt*innen in sieben Bundesländern gab es insgesamt 15 Festnahmen. Drei der Hausdurchsuchungen hätten laut ORF in Wien stattgefunden.

Die homosexuellen Opfer des Netzwerks sollen zum Teil mit Mord bedroht worden sein.

Ein Sprecher der steirischen Polizei erklärte am Freitagvormittag, dass es sich um «schwerste Straftaten» im Bereich Hasskriminalität handle, begangen aufgrund der sexuellen Orientierung der Betroffenen .

Die Täter hätten seit dem vergangenen Jahr Fake-Accounts in Sozialen Medien erstellt, um potenzielle Opfer zu Treffen zu locken. Dort tauchten dann bis zu acht maskierte Täter auf, die den Männern Verletzungen zugefügt hätten, auch zu einem versuchten Mord sei es gekommen. Ausserdem seien die Opfer erniedrigt und dabei gefilmt worden, die Videos wurden in private Chatgruppen hochgeladen. Man gehe noch von weiteren Opfern aus. Die Polizei bittet diese, sich zu melden.

Die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien äussert sich entsetzt über den bekanntgewordenen Fall des homophoben Hassnetzwerks.

«Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, transgender, intergeschlechtliche und queere Menschen waren Hass und Gewalt immer schon ein Teil der Lebensrealität», sagt Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI.

«Im Regierungsprogramm ist ein Nationaler Aktionsplan gegen Hasskriminalität geplant. Der muss jetzt dringend Priorität bekommen.»

Ann-Sophie Otte, HOSI Wien

«Aber dass es ein österreichweites Netzwerk mit Verbindungen bis in die Slowakei gibt, nur mit dem Zweck, unschuldigen Menschen Gewalt anzutun, ist eine neue Stufe des Hasses. Sowas ist kein Einzelfall mehr.» Deshalb sei die Politik gefordert: «Im neuen Regierungsprogramm ist ein Nationaler Aktionsplan gegen Hasskriminalität geplant. Der muss jetzt dringend Priorität bekommen: Wir brauchen mehr Daten, gezielte Aufklärungsarbeit und Präventionsmassnahmen, und natürlich stärkeren Opferschutz und gut geschulte öffentliche Bedienstete, von der Polizei über Schulen bis hin zum Gesundheitswesen.»

Ann-Sophie Otte erklärt: «Wer gegen LGBTIQ-Menschen hetzt, schafft den Nährboden für Hassverbrechen.»

Diese Formen der Gewalt seien nichts Neues: In Russland, wo genau mit dieser Propaganda LGBTIQ-Menschen ihre demokratischen Rechte genommen wurden, gab es genau solche Hassverbrechen, wie nun von der österreichischen Polizei berichtet.

«LGBTIQ-Menschen wissen, dass solche Propaganda zu Hass und dieser zu Taten führt. Auch deswegen waren wir gestern zu hunderten gegen das ungarische Pride-Verbot demonstrieren, das wie in Russland mit dem Vorwand des Kinderschutzes begründet wurde», so Otte (MANNSCHAFT berichtete).

Der LGBTIQ-Sprecher der SPÖ, Mario Lindner, erklärte via X: «Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss, so einen Angriff durchgestanden zu haben. Den Mut und die Kraft jener Betroffenen, die diese feigen Verbrechen angezeigt haben, sind für mich unbeschreiblich!» So etwas dürfe nie wieder passieren. Lindner appellierte an Betroffene, sich bei der Polizei oder einer queeren Beratungsstelle zu melden.

David Stögmüller (Grüne) warnt in seiner Reaktion, Selbstjustiz werde zu einer «klaren Gefahr für queere Menschen in Österreich».

«Die Informationen rund um die Razzien in der Steiermark schockieren mich zutiefst. Sie zeigen einmal mehr, dass die Lage für queere Personen auch in Österreich immer bedrohlicher wird», so der LGBTIQ-Sprecher seiner Partei.

«Immer mehr Menschen aus der rechten und rechtsextremen Szene fühlen sich durch die wachsende Salonfähigkeit von Hass, Homophobie und Transfeindlichkeit ermutigt, ihre menschenverachtende Vorstellung von ‚Gerechtigkeit‘ selbst in die Tat umzusetzen.» (mit dpa)

Der irische Olympiateilnehmer von Tokio, Jack Woolley, ist verlobt: Seit über 3 Jahren ist er mit Dave zusammen (MANNSCHAFT berichtete).

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