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Mann schützt schwules Paar vor Angreifern – Hunderte schauen zu

Die beiden Männer sassen nebeneinander am Kai im Hafen von Tel Aviv

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Bootsbesitzer Itzik Avneri eilte dem Paar zu Hilfe. (Bild: Screenshot)

Im Hafen von Tel Aviv attackierten über ein Dutzend Männer ein schwules Paar. Während mehrere hundert Menschen zuschauten, eilte ein Bootsbesitzer dem Paar zu Hilfe. Eine Person wurde verhaftet.

Während dem Islamischen Opferfest vom vergangenen Wochenende kam es am Samstag im Hafen von Jaffa in Tel Aviv zu einer homophoben Attacke auf ein schwules Paar. Unter den Augen hunderter Schaulustiger gingen rund 20 Angreifer auf die beiden Männer los. Nur ein Mann eilte dem Paar zu Hilfe: Bootsbesitzer Itzik Avneri.

«Ich biete im Hafen Bootstouren an, während den Feiertagen kamen viele Muslime zum Hafen, um eine gute Zeit zu haben und eine Bootsfahrt zu machen», sagte er gegenüber der israelischen Zeitschrift Haaretz. «Zwei Männer gingen segeln und sassen danach nebeneinander am Kai. Andere Leute sahen sie und bespuckten sie.»

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Avneri sprach darauf die Gruppe an und fragte sie, weshalb sie auf die beiden Männer gespuckt hatte. «Da wir Araber sind und sie Schwule. Unter den Arabern soll es keine Schwule geben, weil das den Arabern einen schlechten Ruf gibt», bekam er zur Antwort.

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Wie Avneri weiter ausführt, habe das Paar die Belästigungen ignoriert und sei in einem Restaurant am Hafen essen gegangen. Die Angreifer lauerten den Männern auf und griffen sie tätlich an, als sie das Lokal verliessen. Gemäss Avneri soll es sich bei den Angreifern um rund 20 Männer gehandelt haben. Das Paar hatte einen Pfefferspray dabei und konnte so einige Angreifer kurzzeitig abhalten. Wie einer der beiden schwulen Männer gegenüber Haaretz berichtet, habe der Bootsbesitzer danach erneut eingegriffen und die Täter weggestossen.

«Ich nahm die Opfer mit in den nichtöffentlichen Bereich des Hafens, wo die Schiffe andocken, da es dort einen Zaun gibt und ich sie besser beschützen kann», sagte Avneri. Zwei Angreifer liessen sich nicht beirren. Sie sprangen über den Zaun und schlugen und traten erneut auf das Paar ein. «Also warf ich einen ins Wasser. Die Gewalt war nur wegen des Hasses.» Das Paar habe nicht viel geredet. Es habe nur ein «bisschen anders» ausgesehen.

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Im Internet macht ein Video des Angriffs die Runde, das von einem Schaulustigen aufgenommen wurde. «Was man im Video nicht sieht, sind die 500 Personen, die keinen Finger rührten», sagte Avneri.

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Einer der schwulen Männer ergänzt: «Sie wollten mich umbringen. Ich dachte, dass ich sterben würde. Der Hafen war voller Menschen. Niemand half.»

Wie die Behörden mitteilten, verhaftete die Polizei am Montag einen 16-jährigen Israeli, der am Angriff auf die beiden Männer beteiligt gewesen sein sollte. Ihm wird nun schwere Körperverletzung und Hasskriminalität vorgeworfen.

Ofer Cassif, Politiker einer gemeinsamen Liste mehrerer arabischer Parteien in Israel, verurteilte den Angriff. «Der homophobe Angriff im Hafen von Jaffa ist ein schrecklicher Vorfall, den es ernst zu nehmen gilt», sagte er gemäss Haaretz. «Ich erwarte, dass die Angreifer als Täter eines Hassverbrechens zur Verantwortung gezogen werden. Homophobie ist genauso hässlich und gefährlich wie jede andere Form der Diskriminierung.»

Israel gilt in Sachen LGBTIQ-Rechte als insgesamt fortschrittlich: Anfang des Jahres erkämpften sich schwule Väter das Recht auf Leihmutterschaft. Geklagt hatte der LGBTIQ-Aktivist Etai Pinkas-Arad (MANNSCHAFT berichtete). Vor Corona wurde jedes Jahr eine grosse Pride in Tel Aviv gefeiert (MANNSCHAFT berichtete).

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