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Warum zeigt RTL2 den Kuss zweier Jungs auf YouTube verpixelt?

Die Sendung «Mein Sohn kann NICHT schwul sein! – Hilf Mir!» wurde nachträglich zensiert

RTL2
Foto: Screenshot RTL2/TVNow

Seit drei Tagen steht die RTL2-Sendung «Mein Sohn kann NICHT schwul sein! – Hilf Mir!» auf YouTube. Zwei Jungs küssen sich, doch richtig gezeigt wird der Kuss nicht. Ein MANNSCHAFT-Leser machte uns darauf aufmerksam.

Es handelt sich um eine Folge aus der Scripted-Reality-Soap, die seit 2013 bei RTL2 ausgestrahlt wird. Mehr als 470 Episoden seien mittlerweile produziert worden, heisst es auf der Seite von TVNow (dem Video-on-Demand-Angebot der RTL-Mediengruppe) – das ist der Sender, auf dem auch die schwule Kuppelshow «Prince Charming» zunächst bezahlpflichtig lief und aus der wilde Knutsch-Szenen völlig ungepixelt bei YouTube zu sehen sind.

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In «Mein Sohn kann NICHT schwul sein! – Hilf Mir!» nun würden alterstypische Probleme von Jugendlichen thematisiert und unter Einbeziehung von Psycholog*innen, Finanzberater*innen und Rechtsanwält*innen Auswege aufgezeigt.

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In einer der Folgen hadert die von einer Laienschauspielerin mit fragwürdigem Talent dargestellte Mutter mit der Homosexualität ihres Sohnes. Warum es «verständlich» sein soll, wie die eingeblendete «Expertin» meint, dass die Mutter «eigene Erwartungen» an den Sohn (und damit an seine Sexualität) hat, sei dahingestellt.

Warum aber wird der Kuss der Jungen in der Nahaufnahme verpixelt? Das wird von  etlichen User*innen bei YouTube thematisiert: «Heteroküsse wurden nie zensiert, ganz unangenehme Aktion von Hilf Mir», schreibt User LangweiligxD135.

Wir haben bei RTL2 nachgefragt. In der Ausstrahlung der TV-Folge sei die betreffende Szene ursprünglich nicht gepixelt gewesen, teilte uns ein Sendersprecher mit. «Bei der nachträglichen Bearbeitung für YouTube handelt es sich lediglich um Massnahmen zur Einhaltung der Richtlinien der Plattform, die durch einen Dienstleister erfolgte.»

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«Die Vorgaben der Plattform setzen mitunter automatisierte Löschungen um, die beim Schnitt im Vorfeld beachtet werden müssen. In der besagten Szene wurde ein intensiver Zungenkuss gezeigt, den der Dienstleister aus diesem Grund verpixelt hat. Da es in dem Video um den Kuss eines homosexuellen Pärchens geht, kann das Verpixeln missverstanden werden. Das bedauern wir.»

Weiter versichert der Sprecher: «RTL2 legt grossen Wert auf soziale Verantwortung, Fairness und Toleranz. Wir distanzieren uns in aller Form von diskriminierenden, beleidigenden oder verurteilenden Äußerungen – sei es Rassismus, Homophobie oder jede andere Form von Diskriminierung. Darüber hinaus versuchen wir unsere hohe Reichweite zu nutzen und die Zuschauer für gesellschaftlich relevante Themen zu sensibilisieren.»

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Beispielsweise nehme man seit Jahren am CSD in Köln mit einem eigenen Wagen teil, auch auf dem Münchner CSD gehe eine Gruppe von RTL2-Mitarbeitern deutlich sichtbar und mit Sender-Branding bei der Parade mit. RTL2 steht für Vielfalt und Toleranz.

Dafür zu sorgen, dass der Kuss bei YouTube ohne Pixel gezeigt wird – das ist für RTL2 dann aber offenbar zu viel Toleranz.

Es ist nicht das erste Mal, dass homosexuelle Inhalte bei YouTube zensiert oder mit einer Warnung für Minderjährige versehen werden. So war Anfang des Jahres bekannt geworden, dass das Video, das lange im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin zu sehen war, nicht mehr frei zugänglich ist(MANNSCHAFT berichtete).

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