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Hilary Swank: Heute sollte ein trans Mensch die Rolle spielen

Mit dem Transgender-Drama «Boys Don’t Cry» gelang Swank der Wechsel ins ernste Fach

Hilary Swank
Hilary Swank in Boys don't cry (Foto: Fox Searchlight Pictures)

20 Jahre ist es her: Mit dem Transgender-Drama «Boys Don’t Cry» gelang Hilary Swank der Wechsel ins ernste Fach, erster Oscar inklusive.

Der Leopard Club Award, der kürzlich wieder beim Filmfestival in Locarno verliehen wurde, geht nicht selten an Schauspieler*innen, die bereits eine Karriere von vielen Jahrzehnten hinter sich haben. In diesem Jahr allerdings wurde Hilary Swank ausgezeichnet, die gerade einmal 45 Jahre alt ist und eigentlich noch ein paar Jahrzehnte von Lebenswerk-Ehrungen entfernt ist. Wobei die Amerikanerin beruflich natürlich schon einiges erlebt hat. In den Neunziger Jahren ging es los mit Rollen in «Karate Kid IV – Die nächste Generation» oder TV-Serien wie «Unser lautes Heim», bevor ihr 1999 mit dem Transgender-Drama «Boys Don’t Cry» (kam im Oktober 1999 in die US-Kinos) der Wechsel ins ernste Fach gelang, erster Oscar inklusive.

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Miss Swank, Ihr Durchbruch als Schauspielerin kam nicht von heute auf morgen. Würden Sie über manche Fernsehrolle, die Sie in den Neunziger Jahren spielten, heute gerne das Mäntelchen des Schweigens decken?
Ach, für mich waren diese ersten neun Jahre meiner Karriere einfach eine tolle Lernerfahrung. Alle diese TV-Arbeiten gaben mir das Rüstzeug für die grossartigen Gelegenheiten, die sich dann später boten. Man sagt doch oft: Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. In meinem Arbeitsleben waren diese Fernsehrollen definitiv meine Vorbereitung.

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1997 übernahmen Sie eine Hauptrolle in der achten Staffel der Serie «Beverly Hills, 90210», doch nach 16 Folgen wurden Sie gefeuert. Im Rückblick ein Segen, oder?
Na ja, damals hätte ich nichts dagegen gehabt, noch eine weitere Staffel dabei zu sein (lacht). Aber Spass beiseite: das war natürlich ein riesiger Segen. Und mir bis heute eine Lehre, dass man von jedem Rückschlag etwas lernen kann und er sich womöglich sogar in etwas Positives verwandeln kann. Wie gesagt, ich war nicht happy darüber, dass man mich rausschrieb aus der Serie. Zumal die zu dem Zeitpunkt ja nicht einmal mehr ein grosser Hit war. Ich dachte damals: wenn ich nicht einmal gut genug bin für eine Serie, die kaum mehr jemand guckt, dann habe ich wohl in diesem Job nichts verloren. Aber dann habe ich mich natürlich zusammengerissen – und ein paar Monate später sprach ich für eine Rolle vor, die nicht nur meine Karriere, sondern mein ganzes Leben verändern sollte.

«Sie standen Schlange, um mich zu umarmen»

Das war damals der Film «Boys Don’t Cry», in dem Sie – basierend auf einem wahren Fall – einen jungen Mann namens Brandon Teena spielten, der einst als Mädchen zur Welt gekommen war und aufgrund seiner Transsexualität vergewaltigt und ermordet wurde. Was bedeutet er Ihnen heute?
Bis heute sprechen mich Menschen auf den Film an und bedanken sich bei mir. Nicht mehr so häufig wie früher, aber doch immer mal wieder erzählt mir jemand, dass „Boys Don’t Cry» sein oder ihr Leben gerettet habe. Oder zumindest die Möglichkeit, sich darüber mitzuteilen, wer sie oder er im Innersten wirklich ist. Das bedeutet mir unglaublich viel. Ich hätte mir nie erträumt, als Schauspielerin einmal in der Lage zu sein, Menschen auf eine derart tiefgehende Weise zu berühren. Man hofft es vielleicht, aber zu erleben, dass das wirklich passiert, ist einzigartig.

War Ihnen auf Anhieb klar, wie wegweisend die Thematik des Films 1999 noch war?
Damals wurde über Trans-Menschen kaum gesprochen. Vergleicht man es mit der heutigen Gesellschaft, muss man ja sagen, dass es damals noch nicht einmal das ausreichende und korrekte Vokabular gab, um angemessen die Thematik zu erfassen. Damals war alles noch streng unterteilt in hetero und homo, mehr gab es nicht. Die schwul-lesbische Szene wollte mit der Trans-Community nicht wirklich etwas zu tun haben, von Inklusion war keine Rede. All das hat sich zum Glück geändert, auch wenn natürlich immer noch ein weiter Weg vor uns liegt.

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Und Sie haben mit «Boys Don’t Cry» zu diesen Veränderungen mit beigetragen?
Der Film stand jedenfalls mit am Anfang einer dringend nötigen Konversation. Gerade aus der Trans-Community haben sich häufig Menschen dafür bedankt, dass ich diese Rolle gespielt habe, gerade auch weil ich eine heterosexuelle Frau bin. Denn sie meinten, dass der Film anderenfalls mit Sicherheit nicht von so vielen unterschiedlichen Menschen gesehen und akzeptiert worden wäre. So wurde Brandon Teenas Geschichte zu einer, die jenseits von Geschlecht und Gender etwas über das Lieben und geliebt werden erzählte.

Es braucht mehr queere Sichtbarkeit – in Text und Bild!

Würden Sie denken, dass heute ein Trans-Mann Ihre Rolle spielen würde?
Wir befinden uns heute an einem vollkommen anderen Zeitpunkt der gesellschaftlichen Debatte, und ich würde mir wünschen, dass heute ein transidenter Mensch die Rolle spielen würde. Damals wäre das vermutlich nicht möglich gewesen, aber heute ist es wunderbar zu sehen, dass es immer mehr Möglichkeiten für die Trans-Community gibt, vor und hinter der Kamera ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Rollen zu spielen, die komplexer, stärker und fern von typisch weiblichen Klischees sind, wurde anschliessend ein wenig zu Ihrem Markenzeichen …
Irgendwie habe ich, gar nicht unbedingt bewusst, sehr früh beschlossen, dass ich keine Rollen spielen möchte, die mich als Frau objektivieren. Nur gut aussehen zu müssen oder das Anhängsel am Arm eines Mannes zu spielen, das war mir einfach zu langweilig.

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