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Bolsonaro kürzt Förderung für queere Filme und Drehbücher

Das sei herausgeworfenes Geld; staatliche Mittel würden künftig anders verwendet, so der Präsident

Jair Bolsonaro (Bild: Agência Brasil Fotografias / CC BY 2.0)

Brasiliens rechtsnationaler Präsident Jair Bolsonaro hat den nächsten Schlag gegen LGBTIQ verkündet. Diesmal trifft es Kulturschaffende und die nationale Filmförderung.

Brasiliens Präsident erklärte diese Woche, er werde die Förderung von Filmen mit LGBTIQ-Thematik kürzen. Das sei herausgeworfenes Geld; staatliche Mittel würden künftig anders verwendet, kündigte Bolsonaro an, der sich selbst als homophob bezeichnet. Seit Ende Mai ist Homophobie in Brasilien eine Straftat.

 

Minister Osmar Terra, zuständig für Staatsbürgerschaft (davor für soziale und landwirtschaftliche Entwicklung) unterschrieb die Anordnung, wonach laut Reuters die Fördersumme von rund 17.42 Millionen US-Dollar ausgesetzt wird, mit der etwa 80 Filme gefördert werden sollte, darunter auch solche mit LGBTIQ-Thematik. Binnen 12 Monaten soll das Komittee, das die Fördermittel verteilt, neu strukturiert werden.

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Live hatte der Präsident vier Serienprojekte kritisiert, die für die letzte Phase des Wettbewerbs genehmigt und in die Abschnitte zu Geschlechterdiversität und Sexualität aufgenommen wurden. Es waren namentlich «Afronte», «Transversais», «Religare Queer» und «Reverse Sex».

Emerson Maranhão (Foto: Facebook)

Gegenüber der Thomson Reuters Foundation sagte Regisseur Emerson Maranhão, Bolsonaro beschädige 80 Projekte, um seins zu zensieren. Das sei «beängstigend». Er habe Förderung für «Transversais» beantragt, eine 5-teilige Doku über das Leben von trans Menschen in Nordosten von Brasilien. Umgerechnet knapp 100.000 US-Dollar habe er dafür beantragt.

«Ich kann es noch nicht ganz glauben», so der Regisseur. «Das erste Projekt, das er in seiner Ankündigung nannte, war unseres, und das in so einer herablassenden, entwürdigenden Art», so Maranhao gegenüber Reuters.

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Ein User merkte auf Twitter an: Die Ankündigung sei wirkungslos, denn jeder wisse, dass man LGBTIQ-Content ohnehin online bei Streaming-Plattformen finde, aber nicht im Staatsfernsehen.

Seine konservativen Wähler danken es ihm. Bei Facebook lautete ein fast 8000 mal mit Gefällt mir versehener Kommentar: «Danke, Präsident! Die traditionelle brasilianische Familie dankt!».

Im Frühjahr hatte Präsident Bolsonaro gegen schwulen (Sex)Tourismus gewettert. «Wenn Sie hierher kommen wollen und Sex mit einer Frau haben möchten, dann tun Sie das, auf alle Fälle. Aber wir können dieses Land nicht dafür berüchtigt sein lassen, dass es ein schwules Touristenparadies ist. Brasilien kann kein Land in der schwulen Welt sein, für Schwulentourismus. Wir haben Familien», erklärte Bolsanaro.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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