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Hommage an J.K. Rowling: Wird am 19. Dezember «TERFmas» gefeiert?

Kurz vor Weihnachten könnte künftig der «Gender Critical Coming Out Day» zelebriert werden, in Erinnerung an Rowlings berüchtigten Tweet

J.K. Rowling
Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling (Foto: Debra Hurford Brown / Tbp2018 / Wiki Commons)

Die Diskussion um J.K. Rowling schlägt unter Aktivist*innen weiter hohe Pro- und Kontra- Wellen. Nun planen einige, die von Nachrichtenportalen wie LGBTQNations als «TERFS» bezeichnet werden («Trans exclusionary radical feminists»), für den 19. Dezember einen neuen queeren «Feiertag»: in Erinnerung an jenen Tag, an dem Rowling ihre Position zu trans Frauen erstmals öffentlich machte.

Der neue Feiertag solle «Gender Critical Coming Out Day» heissen und bewusst ins Umfeld der Weihnachtsfeiertage gerückt werden. Manche sprächen deshalb auch von «TERFmas», heisst es.

Die Organisator*innen des «Gender Critical Coming Out Day» haben eine eigene Website eingerichtet, wo sie erklären, was man genau am 19. Dezember tun könnte bzw. sollte, um den Tag feierlich zu begehen. Zuallererst solle man sich fragen, wo man selbst stehe und wie bereit man sei, die eigene «Sicherheit» zu gefährden mit dem, was man öffentlich sage. Denn: Bekanntlich können Äusserungen zu trans Themen zu sehr heftigen Gegenreaktionen führen, besonders in sozialen Medien, aber teils auch darüber hinaus. (MANNSCHAFT berichtete übers Phänomen Cancel Culture.)

Deswegen rät die Website, es seien nicht zwangsläufig «grosse Ankündigungen» nötig, vielmehr könnten auch «subtile Signale» anderen zeigen, dass man ihre Ansichten teile. Und dass es eine Mehrheit für diese anderen Ansichten gäbe.


Hastag «I Stand With Reality»
Um das zu verdeutlichen, solle man am 19.12. auf Social Media etwas posten mit den Hashtags #GenderCriticalComingOutDay und #IStandWithReality. Und zwar unter dem realen Namen und mit einem realen Profilbild.

Die «Realität», um die es gehe, ist laut LGBTQNations «die Vorstellung, dass Gender ausschliesslich determiniert wird über die Geschlechtsmerkmale, die man bei der Geburt aufweist».

Ferner solle man in seinen Profiltexten auf Social Media Sätze reinschreiben wie: «My pronouns are based on my biology» («Meine Pronomen richten sich nach meiner Biologie»). Oder: «Du entscheidest, welche Pronomina du für mich benutzen möchtest.»


Angesichts der Nähe zu den Weihnachtsfeiertagen solle man Freunde und Familienmitglieder fragen, ob sie schon mal etwas von der «Gender Critical»-Debatte mitbekommen hätten. Falls nicht, sei ein entsprechendes Weihnachtsgeschenk zur Aufklärung passend, um die Lage besser zu verstehen.

Der Mann hinter der Aktion
Die Aktivist*innengruppe LGBwiththeT glaubt, dass «TERFmas» auf einer Idee von Graham Lineham basiere. Dieser habe das inzwischen auch bestätigt, heisst es in einem Tweet.

Gemeint ist wahrscheinlich Graham Linehan, desser Twitter-Account im Sommer 2020 dauerhaft geschlossen wurde nach Kommentaren zur trans Thematik. Linehan ist in der englischsprachigen Welt bekannt als Schöpfer der populären TV-Serie «Father Ted». Der Tweet, der zur Schliessung seines Accounts führte, lautete einem Bericht des Guardian zufolge: «men aren’t women tho». Es sei eine Antwort auf einen Post des Women’s Institute gewesen, die ihren trans Mitglieder*innen einen «happy Pride» gewünscht hätten.

Linehan soll den 19. Dezember gewählt haben, weil das just der Tag vor zwei Jahren war, an dem J.K. Rowlings Tweet erschien, in dem sie Maya Forstater unterstützte (MANNSCHAFT berichtete).

Forstater war eine britische Beamtin, die ihren Job verloren hatte wegen ihrer Haltung zu Fragen rund ums biologische Geschlecht und welche Auswirkungen dieses auf den bürokratischen Prozess einer offiziellen Geschlechtsangleichung haben soll. Sie gewann später ihren Prozess gegen ihren Arbeitgeber, worüber u. a. die BBC berichtete. (MANNSCHAFT sprach mit dem Geschlechterforscher Till Randolf Amelung über die Kontroverse in Grossbritannien.)

Diskussion über den 19. Dezember hinaus
Seit diesem ersten I-Stand-With-Maya-Tweet gilt Rowling vielen innerhalb der LGBTIQ-Szene als «transphob». Auch etliche Mainstream-Medien haben diese Charakterisierung für ihre Berichterstattung und entsprechende Überschriften benutzt. Das führte zu teils radikalen Aktionen wie Bücherverbrennungen, bei denen Harry-Potter-Bände in Flammen aufgingen. (Zu der Debatte äusserte sich auch trans Mann und Pornostar Buck Angel kritisch, MANNSCHAFT berichtete.)

«Don’t stop there!» Das rät die neue Webseite zum Schluss. Man müsse der Welt zeigen, dass es eine sichtbare grosse Gruppen von Menschen gäbe, die nicht die radikalen trans Ideale teilen, um die öffentlich so intensiv gestritten wird und für die sich viele LGBTIQ-Aktivist*innen einsetzen. Deshalb könne die Gender-Critical-Debatte nicht auf einen einzelnen «Feiertag» beschränkt bleiben, sondern man müsse die Diskussion fortführen – und sich deutlich äussern («speak up»).

Die Organisator*innen versprechen, dass auf den 19.12. im Jahr 2022 eine Serie von «Gender Critical Days of Action» folgen werde. (MANNSCHAFT berichtete über 40 Jahre Transsexuellengesetz in Deutschland.)



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