«United by Queerness»: Grosse ESC-Ausstellung in Wien eröffnet

Während der Eurovision-Wochen ist das Zentrum Qwien eine Begegnungsstätte für queere Fans

QWien von aussen
QWien von aussen (Bild: Gregor Hofbauer)

Wien steht im Frühjahr 2026 ganz im Zeichen des ESC. Zur Einstimmung hat jetzt Qwien – das Zentrum für queere Kultur und Geschichte – eine grosse ESC-Ausstellung eröffnet.

Qwien ist das grösste queere Kulturzentrum in Österreich mit Ausstellungsräumen, einer Bibliothek, einem Archiv und einem Forschungszentrum. Die sehenswerte Schau zeigt, dass der ESC weit mehr als ein musikalischer Wettbewerb ist. Der ESC «ist ein kulturelles Ritual, ein transnationales Medienereignis und ein Resonanzraum für Identitäten», wie die Verantwortlichen von Qwien betonen. Ergänzt wird die Ausstellung mit queeren Stadtführungen zum ESC 2026. Dabei werden Themen wie «Conchita Wurst und der Life Ball», «Udo Jürgens und die Hofburg» sowie die «Erfindung» der Homosexualität in Wien behandelt.

Die Ausstellung mit dem Titel «United by Queerness» ist vom 19. Februar bis zum 24. Mai zu sehen. Die gezeigten Objekte sowie Video- und Hörstationen machen deutlich, dass der ESC für viele Menschen in der LGBTIQ*-Community ein wichtiger Ort queerer Sichtbarkeit ist. Der Wettbewerb spiegelt aber auch nationale Selbstinszenierungen und politische Brüche. Diese Spannungsfelder zwischen Vielfalt und Nationalismus, Inklusion und Ausgrenzung werden in der Ausstellung ebenfalls thematisiert.

Poster zur Ausstellung «United by Queerness»
Poster zur Ausstellung «United by Queerness» (Bild: WienTourismus/ Julius Hirtzberger)

Die ESC-Schau gliedert sich räumlich in drei Bereiche: Wohnzimmer, Arena und Stage. Im ersten Bereich mit dem Titel Wohnzimmer geht es um den privaten Raum der Zuseher*innen und Fans. Hier wird eine gemütliche Lounge-Atmosphäre mit Video- und Hörstationen geschaffen. Während der ESC-Wochen soll dieser Bereich im queeren Zentrum Qwien eine Begegnungsstätte für queere Fans sein.

Der zweite Bereich der Ausstellung mit dem Titel «Arena» zeigt, dass der ESC auch ein Ort der queeren Community ist. In diesem Bereich geht es darum, wie die verschiedenen Austragungsorte queere Sichtbarkeit unterstützen. So wurden beispielsweise in Wien beim ESC im Jahr 2015 die sogenannten Ampelpärchen eingeführt. Diese speziellen Fussgängerampeln zeigen sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Paare. Damit setzte die Stadt Wien ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

Ursprünglich sollte es sich um ein befristetes Projekt handeln. Doch nach den positiven Reaktionen und der weltweiten Medienberichterstattung beschloss die Stadt Wien, die Ampelpärchen dauerhaft zu behalten. Heute gibt es ähnliche Initiativen in anderen Städten.

Der dritte Bereich der ESC-Ausstellung mit dem Titel «Stage» thematisiert die Bühne der Künstler*innen. Dazu gehören beispielsweise Jean-Claude Pascals geheime Liebe 1961, der grossartige Auftritt von Dana International im Jahr 1998 bis zu Conchita Wursts Triumph 2014.

Im Rahmen der ESC-Ausstellung wird auch eine Online-Umfrage von Max Bauer über die ESC-Fangemeinde vorgestellt. An dieser haben im Dezember 2025 und im Jänner 2026 über 800 in Österreich lebende Personen, die sich für den ESC interessieren, teilgenommen. Die Erhebung knüpft an eine fast identische Befragung aus dem Jahr 2014 an.

Ausgewertet wurden bei der jetzigen Umfrage die Angaben jener 750 Personen, die ein mittleres bis sehr grosses Interesse am ESC angegeben haben. Die Community der Fans ist altersmässig breit verteilt – von sehr jungen Fans bis zu einer grossen Gruppe (20 Prozent) von Personen, die älter als 50 sind. 57 Prozent der Teilnehmer*innen waren Frauen. 43 Prozent Männer. Drei Befragte haben bei der Frage nach dem Geschlecht «anders» gewählt.

Die Umfrage zeigt, dass die deklarierte ESC-Fangemeinde vor allem von heterosexuellen Frauen und queeren Männern geprägt ist, wie Max Bauer schreibt. Von den Befragten waren 44 Prozent heterosexuelle Frauen, 28 Prozent schwule und bisexuelle Männer, 13 Prozent heterosexuelle Männer und sieben Prozent lesbische und bisexuelle Frauen. Acht Prozent der Befragten wollten zur sexuellen Orientierung keine Angabe machen.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass die Befragten dem ESC jetzt deutlich positivere Eigenschaften zuschreiben als noch 2014. Laut Max Bauer erleben die Befragten den ESC heute als bunter (88 Prozent, plus 13 Prozentpunkte), unterhaltsamer (77 Prozent), vielseitiger (68 Prozent) und verbindender (54 Prozent).

Auch Zuschreibungen wie queer (57 Prozent, plus 23 Prozentpunkte) und politisch (36 Prozent) werden heute von den Befragten häufiger gewählt als noch 2014. Im Gegensatz dazu spielen negative Begriffe wie langweilig, unbedeutend oder altmodisch (je ein Prozent) sowie sexistisch und lächerlich (je zwei Prozent) kaum eine Rolle.

Weitere Informationen wie Öffnungszeiten, Tickets usw. finden sich hier.

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