Nach Schiesserei in Minneapolis – Massive Hetze gegen trans Community
Der Bürgermeister und Menschenrechtsorganisationen warnen vor Schuldzuweisungen
Ein 23-jähriger trans Mann schiesst mit einem Gewehr durch die Glasfenster einer katholischen Kirche in Minneapolis, wo Kinder und Familien den ersten Schultag mit einer Messe feierten. Zwei Kinder sterben, 14 weitere und drei Erwachsene werden verletzt. Jetzt überrollt eine Welle des Hasses die trans Community in den USA.
Der Vorfall ereignete sich am Mittwochmorgen in der Annunciation School im Süden von Minneapolis, US-Bundesstaat Minnesota. Der Mann, der mit mehreren Waffen ausgerüstet die Schüsse abfeuerte, wurde als Robin Westman identifiziert. Der Polizeichef bestätigte, dass die tatverdächtige Person vor ein paar Jahren ihren Namen geändert habe. Sie nahm sich nach seiner Tat auf dem Parkplatz das Leben.
Noch bevor alle Fakten geklärt werden konnten, wurde speziell im Netz massiv Hass gegen trans Menschen geschürt, besonders von konservativen Kräften. Kommentator*innen ebenso wie Politiker*innen konstruierten einen Zusammenhang zwischen Transidentität und Gewalt. So forderte beispielsweise ein Ex-Mitarbeiter von Donald Trumps ehemaligem evangelikalen Vizepräsidenten Mike Pence, Genderdysphorie müsse künftig als psychische Erkrankung eingestuft werden, um den Zugang zu Waffen zu beschränken.
Verbot von geschlechtsangleichenden Behandlungen? Auch die umstrittene und extrem rechte Abgeordnete Marjorie Taylor Greene von den Republikanern – bekannt für ihre verschiedenen Verschwörungstheorien (MANNSCHAFT berichtete) – sprach von einem «medizinisch-industriellen Komplex», der junge Menschen in die Irre führe, sie verlangte als Folge daraus ein Verbot geschlechtsangleichender Behandlungen für Minderjährige.
Der erzkonservative Aktivist Charlie Kirk kritisierte auf X, dass sich Bürgermeister Jacob Frey mehr ums Image der trans Community kümmere als um die katholischen Familien, die ihre Kinder verloren hätten.
Mitgefühl statt Dämonisierung Bürgermeister Frey hatte gesagt: «Ich habe von viel Hass gegen unsere trans Community gehört. Wer diesen Moment nutzt, um trans Menschen oder andere Gruppen zu dämonisieren, hat sein Mitgefühl verloren. Kinder sind gestorben. Es muss um sie gehen.»
Auch die LGBTIQ-Organisation GLAAD warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen. In einem Statement heisst es: «Familien und eine ganze Gemeinde sind geschockt und trauern. Der Fokus muss auf ihnen liegen, nicht auf Spekulationen über den Täter», so ein GLAAD-Sprecher.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) stellte ihrerseits in einem Statement klar: «In einem Moment intensiver nationaler Trauer eine marginalisierte Gruppe zum Sündenbock zu machen, ist falsch und gefährlich.»
Der Pressesprecher von HRC, Brandon Wolf (Überlebender des Massakers im Pulse-Nightclub, MANNSCHAFT berichtete), bezeichnete die Tat als «verheerend und vermeidbar». Er verwies auf fast 60 Schulschiessereien im Jahr 2025 und kritisierte blockierte Reformen im Waffenrecht. «Das wahre Problem ist die Epidemie der Waffengewalt in den USA», sagt Wolf.
Zur Erinnerung: Verschiedene Medien weiesen darauf hin, dass laut Daten des Gun Violence Archive seit 2014 weniger als 0,2 Prozent der Massenschiessereien von trans Personen verübt wurden. Gleichzeitig seien jedoch queere Menschen selbst überproportional häufig Opfer solcher Angriffe.
Hintergründe Warum hat sich der Schütze die katholische Schule in Minneapolis in der ersten Woche nach den Sommerferien ausgesucht, fragen verschiedene Medien? Die Polizei stellte Stunden nach der Tat zunächst keinen direkten Zusammenhang her. Eine Verbindung zwischen dem Schützen oder dessen Familie und der Kirche werde noch geprüft. Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf ein Jahrbuch-Foto von 2017, dass der Verdächtige früher einmal an der Schule gewesen sein soll. Die New York Times berichtete, dass die Mutter des Schützen in der Geschäftsstelle der Kirche gearbeitet haben soll.
Der Sender CNN berichtete ferner unter Berufung auf Polizeiquellen, dass der Schütze bereits Wochen zuvor die Kirche besucht habe. Die Ermittler gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass der Schütze den Plan gehabt haben könnte, bei der Tat in die Kirche einzudringen und von dort aus um sich zu schiessen.
«Einige Türen wurden nach Beginn des Gottesdienstes verschlossen, was Teil des normalen Ablaufs ist», zitiert der Nachrichtensender den örtlichen Polizeichef, Brian O'Hara. Dadurch sei eine noch schlimmere Tragödie verhindert worden. (Mit dpa)
Was, wenn man als schwuler Sohn serbischer Eltern in Basel aufwächst und ADHS als «Bühnenmotor» entdeckt? Für Milan Milanski ist daraus kein Drama, sondern ein Erfolgsrezept geworden (zum MANNSCHAFT-Interview).
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