Nach tödlichen Schüssen in Minneapolis: Über 1,5 Mio Dollar Spenden für Witwe und Kind

08 January 2026, US, Washington: Protesters gather in front of the White House on Thursday night in Washington, DC, to denounce Trump's mass deportation program and the killing of a Minneapolis woman by ICE agents earlier this week.
Protest vor dem Weissen Haus nach den tödlichen Schüssen (Bild: Riley Harty/ZUMA Press Wire/dpa)

Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE tötete in Minneapolis eine Frau. Für deren Witwe und das gemeinsame Kind wurden nun sehr grosszügig Spenden gesammelt.

Bei einem Crowdfunding via GoFundMe für die Ehefrau und den Sohn von Renee Good, um sie «in ihrer schweren Zeit nach dem schmerzlichen Verlust ihrer Frau und Mutter zu unterstützen», wurden innerhalb von nur 24 Stunden 1,5 Millionen Dollar gesammelt.

Am 7. Januar wurde Good von einem Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) tödlich verletzt (MANNSCHAFT berichtete). Good sass in ihrem Auto in der Nähe eines laufenden ICE-Einsatzes, als Beamte sie ansprachen. Als sie wegfahren wollte, feuerte ein Beamter drei Schüsse ab und tötete sie. ICE-Beamte hinderten anschliessend Umstehende, darunter einen Mann, der sich als Arzt ausgab, daran, medizinische Hilfe zu leisten. Aufnahmen von Umstehenden haben viele dazu veranlasst, die Tötung als ungerechtfertigt zu verurteilen.

Ein Augenzeuge sagte gegenüber PBS NewsHour, Good habe offenbar versucht, den Bereich zu verlassen. Er merkte an, dass «definitiv genug Platz gewesen wäre, um vorwärts zu fahren, ohne jemanden zu treffen», und dass er nicht glaubte, dass jemand in Gefahr war. Videoaufnahmen, die von der New York Times analysiert wurden, zeigen ebenfalls, wie Good versucht, wegzufahren.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, schloss sich diesen Bedenken an und sagte: «Nachdem ich das Video selbst gesehen habe, möchte ich allen ganz klar sagen: Das ist Schwachsinn. Hier hat ein Beamter seine Macht rücksichtslos missbraucht, was zum Tod eines Menschen geführt hat.»

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Renee Good (Bild: GoFundMe )

Nach dem Tod von Good zeigt ein weiteres Video das Aufeinandertreffen der Frau und des Beamten, kurz bevor dieser tödliche Schüsse auf sie abgab. Es wurde am Freitag von der Webseite Alpha News veröffentlicht und später vom Heimatschutzministerium und von Vizepräsident JD Vance geteilt. Aus den Angaben in dem weiterverbreiteten Post geht hervor, dass der Filmende der Beamte ist, der auf die Frau schoss.

Zu Beginn des 47 Sekunden langen Clips im Hochformat ist zu hören, wie eine Autotür aufgeht, im Hintergrund: Sirenengeheul gemischt mit Gehupe, Motorengeräusch, Pfiffen aus Trillerpfeifen und Stimmengewirr. Aus Perspektive des Beamten sieht man, wie er um den mitten auf der Straße stehenden Honda der Frau herumgeht, er kommt von der Beifahrerseite. Die 37-Jährige schaut gerade aus dem Fahrerfenster in die entgegengesetzte Richtung auf die Strasse. Der Beamte geht weiter, der Wagen setzt langsam zurück. Die Frau hält ihren linken Arm aus dem Fenster und schaut den Beamten an, der näher kommt. «It's fine, Dude. I'm not mad», sagt sie, auf Deutsch etwa: «Ist schon gut, Mann. Ich bin nicht sauer.»

Der Mann geht weiter um das Auto herum, in den Fenstern und im Lack spiegelt er sich: das Handy in der linken Hand, das Gesicht halb verdeckt. Eine andere Frau, die zunächst nicht im Bild ist, fordert ihn auf, sein Gesicht zu zeigen. Als er beim Nummernschild ankommt, sagt sie: «Ist schon okay, wir wechseln unsere Nummernschilder nicht jeden Morgen, nur damit du es weisst.»

Dann ist die Frau mit Mütze, Sonnenbrille und orangefarbener Trillerpfeife um den Hals zu sehen, sie hält ebenfalls ein Handy in der Hand. «Es wird dasselbe Nummernschild sein, wenn du später kommst, um mit uns zu sprechen.» Und dann: «Ist in Ordnung. US-Bürger. Verdammter ehemaliger Veteran.» Auf wen sie sich damit bezieht, ist unklar - im Englischen haben diese Substantive kein Geschlecht, es ist also auch offen, ob sie sich auf einen Mann oder eine Frau bezieht.

Der Filmende, der auf die Ansprache nicht reagiert, geht weiter, wieder auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs, die Frau mit der Sonnenbrille zwischen ihm und dem stehenden Honda. «Du willst dich mit uns anlegen? Ich sag dir, hol dir was zu essen, grosser Junge. Los», sagt die Frau, die US-Medien als die Partnerin der 37-Jährigen identifiziert haben.

Im Hintergrund geht ein weiterer Beamter auf die Fahrerseite des Autos zu. Eine Männerstimme sagt: «Raus aus dem Auto. Komm raus aus dem verdammten Auto.» Die Frau mit der Sonnenbrille dreht sich vom Filmenden weg zur Beifahrertür und nimmt den Griff in die Hand, die Tür bleibt aber zu. Der filmende Beamte geht an der Frontseite des Hondas entlang, der sich in Bewegung setzt. Zunächst rückwärts, die Räder des Fahrzeugs so gedreht, dass er nach hinten links fährt.

Dann dreht die Fahrerin das Lenkrad in die entgegengesetzte Richtung, wechselt in den Vorwärtsgang, das Auto fährt los. Plötzlich brüllt ein Mann - aufgrund der Lautstärke offensichtlich der Beamte - etwas wie «Whohoo», im Hintergrund wird auch geschrien. Abrupt zeigt die Kamera in den Himmel, Knallgeräusche sind zu hören, wieder ein Schrei. Kurz danach sagt ein Mann: «Fucking bitch» (Deutsch: verdammte Schlampe). Die Kamera hat sich inzwischen wieder auf die Strasse gerichtet, zu sehen ist, wie das Auto sich von der Szene entfernt, bis ein Aufprall zu hören ist.

Was das Video nicht zeigt Auf dem Video ist nicht zu sehen, wo genau der Beamte steht, als das Auto nach vorne rechts fährt. Auch geht daraus nicht hervor, ob der Honda ihn berührt. Das Heimatschutzministerium und der Vizepräsident führen das Video dennoch als Beleg dafür an, dass der Beamte auf die Fahrerin schoss, weil er in Gefahr war und sich selbst verteidigen musste. Die New York Times, die andere Videos zur Rekonstruktion des Vorfalls ausgewertet hat, verweist darauf, dass der Beamte auf anderen Aufnahmen links neben dem Wagen zu sehen ist, der nach rechts abdreht - also von ihm weg -, als er schiesst.

Joe Hollendoner, CEO des Los Angeles LGBT Center, erklärte in einer Reaktion auf den Vorfall: «Die tödliche Schiesserei auf Renee Good – eine LGBTIQ-Bürgerin der USA, die in Minneapolis von ihrem Recht Gebrauch machte, gegen die Aktivitäten der Einwanderungsbehörde ICE zu protestieren – ist ein entsetzlicher und sinnloser Verlust eines Menschenlebens. Renees Tod legt die gefährliche Realität einer Behörde offen, die weiterhin ungestraft agiert, angeheizt von einer Trump-Regierung, die Gewalt, Grausamkeit und die Aushöhlung grundlegender Menschenrechte normalisiert hat.»

Donald Trump und sein Vize JD Vance haben die Kritik an tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf die Frau als «absurd» bezeichnet. «Dieser Mann hat nur seine Arbeit gemacht. Sie hat versucht, ihn daran zu hindern», sagte Vance auf X in der Debatte darüber, ob die Schüsse des Beamten gerechtfertigt waren oder nicht.

Der Vizepräsident warf der Frau dabei unter anderem vor, die Arbeit der Strafverfolgung behindert zu haben. Der Beamte habe ferner die Schüsse nicht abgegeben, um die Frau bei der Flucht zu hindern. Stattdessen habe er «in Notwehr» gehandelt. Lokale Behörden widersprechen dieser Darstellung. Vance bezeichnete den Vorfall als «Tragödie». Die erschossene Frau nannte er ein «Opfer linker Ideologie». (mit dpa)

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