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Weil er Hass und Ausgrenzung anprangert: Massive Drohungen gegen Hape Kerkeling

26.02.2024, Berlin: Hape Kerkeling, Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher und Autor, bei einem Fototermin im Rahmen eines dpa-Interviews
Hape Kerkeling (Bild: Bild: Britta Pedersen/dpa)

Hape Kerkeling gerät wegen seiner politischer Äusserungen etwa zur AfD ins Visier extremistischer Hasskampagnen und erhält massive Drohungen. Der Staatsschutz ist eingeschaltet.

Hape Kerkeling bezieht immer wieder Stellung gegen Intoleranz, Hass, Ausgrenzung und gegen das Erstarken rechtsextremer Kräfte. Dafür wurde er zuletzt mit dem Eugen-Bolz-Preis geehrt (MANNSCHAFT berichtete).

Dass er sich «auch ungefragt» zu politischen Themen äussere, werde nicht gerne gesehen, erklärt er in einem aktuellen Interview mit dem Playboy in seiner Februar-Ausgabe. Das werde dann problematisch, wenn der Staatsschutz aktiv werden müsse, «weil wieder irgendein Dödel meint, er muss mich persönlich bedrohen».

Dieser Fall sei auch schon eingetreten, so der schwule Comedian und Autor. Details nannte er nicht, Was Kerkeling kritisiert ist, dass das Internet als weitgehend rechtsfreier Raum gelte: «Der Gesetzgeber hat leider noch keine Möglichkeiten geschaffen, das ordnungsgemäß zu unterbinden». Zum Beispiel seien Internet-Plattformen nicht verpflichtet, E-Mail-Adressen von Personen herauszugeben, die andere bedrohen. «Wir sind da noch wie im Wilden Westen. Das sind Zustände, die man dem gesellschaftlichen Zusammenhalt zuliebe dringend verändern müsste.»

Kerkeling sprach bei einer Preisverleihung im Herbst über seine Tätigkeit für die Initiative «Schule ohne Rassismus» und erinnerte an seine eigene Schulzeit, in der er sich erfolgreich für Projektwochen zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus eingesetzt habe. Damals sei ihm der Name Eugen Bolz das erste Mal bei einem Besuch der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee begegnet. Dort war Bolz im Januar 1945 enthauptet worden.

«Ein giftiges Gericht gehört nicht auf die demokratische Speisekarte.»

Hape Kerkeling

Er fühle, so Kerkeling, eine Verantwortung «für unser Land und unsere Demokratie». «Die 80 Jahre unserer Demokratie und die friedliche Wiedervereinigung sind eine einzigartige Erfolgsgeschichte und dieses Fundament gilt es zu bewahren», so Kerkeling. Er warnte davor, die Gefahr, die von der Partei AfD ausgeht, zu unterschätzen, und sprach sich in seiner Rede deutlich für ein Verbot aus. «Ein giftiges Gericht gehört nicht auf die demokratische Speisekarte», so Kerkeling.

Die queerfeindliche Partei untergrabe das Vertrauen in die Demokratie und bedrohe diese in ihren Grundfesten, sagte Kerkeling. Zugleich hielt Kerkeling fest, dass nicht alle AfD-Wähler*innen Verfassungsfeind*innen seien. «Mein Rat ist: Reden Sie miteinander, aber machen sie klar, wo ihre roten Linien sind. Wir können nicht über die Menschenwürde verhandeln und die Menschenrechte in Frage stellen.»

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