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Investieren in LGBTIQ-Firmen ist gefragter denn je

«Warum nur in weisse Männer investieren?»

Gaingels
Bild: Annie Spratt/unsplash

Investor*innen legen ihr Geld vermehrt in LGBTIQ-inklusive Firmen an. Das US-amerikanische Investor*innen-Netzwerk Gaingels verzeichnete eine knapp zehnfache Zunahme in den vergangenen zwei Jahren.

Aktien kaufen, in Firmen investieren, Geld scheffeln. Beim Anlegen ging es in der Vergangenheit meistens vor allem um eins: den grossen Profit. Dies ändert sich je länger wie mehr. Heute kommen für Anleger*innen nicht nur sozial nachhaltige und klimaschonende Anlagen in Frage, sondern auch das Investieren in LGBTIQ-inklusiven Unternehmen.

Gaingels, ein US-amerikanisches Netzwerk von rund 700 Investor*innen, hat sich die Förderung von LGBTIQ-inklusiven Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Nach eigenen Angaben hat sich das Investitionsvolumen knapp verzehnfacht: von 5 Millionen US-Dollar in 2018 auf 48 Millionen in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres.

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Gemäss Lorenzo Thione, Geschäftsführer von Gaingels, spiele neben einer hohen wirtschaftlichen Rentabilität der Einfluss in Geschäft und Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. «Indem man Menschen finanziell stärkt, die sich für Gleichstellungsanliegen einsetzen, kann man das Leben von LGBTIQ-Person verbessern», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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Zu den Investor*innen bei Gaingels zählt unter anderem Michele Bettencourt. Nachdem sie sich als trans Frau geoutet und ihren Rücktritt als CEO eines milliardenschweren IT-Konzerns bekanntgegeben hatte, rechnete sie nicht damit, je wieder als prominente Führungskraft eines Grossunternehmens arbeiten zu können. Das war vor zwei Jahren. Heute lebt und arbeitet Bettencourt offen als Frau und ist Verwaltungspräsidentin eines neu gegründeten Tech-Konzerns.

«Ich habe keine Angst, mein Geheimnis zu verstecken», sagt Bettencourt gegenüber Reuters. «Ich trug mein rotes Dior-Kleid für ein Zoom-Meeting – es ist so befreiend, mich selbst sein zu dürfen und sich nicht darüber zu sorgen.»

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Bettencourt interessiert sich vor allem für Start-ups, die von Frauen oder von Minderheiten geführt werden. «Sagen wir, es gibt zwei gleichwertige Investitionsmöglichkeiten – eine von LGBTIQ-Personen geführte und eine nicht: Ich würde mich für erstere entscheiden», sagt sie. «Angesichts der Palette von Anlagemöglichkeiten, warum soll man nur in weisse Männer investieren?»

In US-amerikanischen Unternehmen massgeblich zum Wandel beigetragen haben LGBTIQ-Organisationen wie Human Rights Campaign, die seit 2002 US-amerikanische Unternehmen auf ihre LGBTIQ-Freundlichkeit prüft. Zu diesem Zweck erstellt sie jährlich den sogenannten «Corporate Equality Index». Dieser bewertet die untersuchten Firmen gemäss einem bestimmten Kriterienkatalog und kürt jedes Jahr diejenigen Arbeitgeber, die für LGBTIQ-Personen am attraktivsten sind. Erzielten im Gründungsjahr gerade mal 13 Firmen mit 100% die Bestnote, waren es dieses Jahr deren 686.

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2019 veröffentlichte die Uhlala Group in Deutschland erstmals den «DAX 30 LGBT+ Diversity Index». In diesem wurde allerdings auch geschummelt, wie kurz darauf bekannt wurde (MANNSCHAFT berichtete).

In der Schweiz wurde im Frühjahr 2019 erstmals das Swiss LGBTI-Label verliehen (MANNSCHAFT berichtete). Die Credit Suisse AG, die Zürcher Kantonalbank und fünf weitere Preisträger beweisen den Initiator*innen zufolge, dass sie eine Kultur der Offenheit, Inklusion und Wertschätzung gegenüber ihren LGBTIQ-Mitarbeitenden leben.

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