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Stonewall Riots: New Yorker Polizeichef entschuldigt sich

Das Verhalten der Polizei im Jahr 1969 war falsch, erklärte jetzt James O’Neill

World Pride
Bild: I Love NY

Die Stonewall Riots im Jahr 1969 waren ein Wendepunkt im Kampf der LGBTIQ-Community um die Gleichberechtigung. Nun hat sich der New Yorker Polizeichef für das Vorgehen der Einsatzkräfte vor 50 Jahren entschuldigt.

Begonnen hatte es mit einer Razzia, einer von vielen. Morgens um 1.20 Uhr war die Party an jenem 28. Juni 1969 zu Ende. Die Polizei stürmte das Stonewall Inn. Und diese Razzia markiert den Beginn jenes Aufstandes, der bis heute als Geburtsstunde der modernen queeren Menschenrechtsbewegung gilt.

Schwulenbewegung in der BRD – ganz anders als Stonewall

Eine Handvoll Polizisten knöpfte sich damals das Stonewall Inn vor, ein beliebter Treffpunkt für Schwule und Drag Queens, betrieben von der Mafia – natürlich nicht aus Nächstenliebe . Diese Razzia brachte das Fass zum Überlaufen, erinnert sich Stonewall-Barkeeper Tree Sequoia.

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«Wir hörten noch die Drag Queen Gypsy rufen – fasst mich nicht an, mein Mann ist auch ein Bulle. Wir konnten schliesslich nach draussen flüchten», wird der heute 80 Jahre alte Sequioa von der Tagesschau zitiert. «Da waren dann 25, 30 Leute. 50. 100. 150. Und dann fingen wir an, Steine und Flaschen zu werfen und Polizeiwagen zu schütteln. Und wir brachen das Schloss an einem Gefangenentransporter auf und alle kamen heraus.»

MANNSCHAFT sprach für die aktuelle Pride-Ausgabe mit dem Augenzeugen Robert Bryan. Anfangs sei die Stimmung gelassen, sogar fröhlich gewesen, erinnert er sich. Aggressiv wurde die Stimmung erst später. «Die Polizei ging eine maskuline Lesbe sehr grob ab. Sie wehrte sich und rief uns zu: Was steht ihr da einfach rum? Tut etwas! Kämpft! Helft mir!»

Stonewall Riots
Robert Bryan heute (Foto: privat)

Ganz plötzlich habe sich die Stimmung geändert, so Bryan. «Ich erinnere mich, dass ich angefangen habe, Steine in die Hand zu nehmen, mit denen eigentlich die Flächen rund um die Bäume auf dem Bürgersteig begrenzt waren. Die Leute begannen mit allem zu werfen, was sie in die Finger kriegen konnten. Dann zog sich die Polizei in die Bar zurück.»

Ganz New York gedenkt der Stonewall Riots
Die damaligen Krawalle gelten als Wendepunkt für den Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung für Mitglieder der LGBTIQ-Community. New York feiert diese Ereignisse einen ganzen Monat lang mit dem World Pride, der ganze Bundesstaat macht mit. Bei einer Pressekonferenz wollte der New Yorker Polizeichef James O’Neill die Sicherheitsmassnahmen vorstellen, mit denen die Polizei die Feiern schützen würde.

Die Pride-Ausgabe der MANNSCHAFT ist da!

Doch der Polizeichef überraschte bei dem Sicherheitsbriefing mit einer Erklärung. «Ich glaube es wäre unverantwortlich für mich, nur über den World-Pride-Monat zu reden. Nicht aber über die Ereignisse im Stonewall Inn im Juni 1969», so O’Neill.

«Was die New Yorker Polizei damals getan hat, war falsch, schlicht und einfach. Die Massnahmen und die Gesetze waren diskriminierend und unterdrückend. Dafür entschuldige ich mich.»

Noch vor zwei Jahren hatte O’Neill eine solche Entschuldigung abgelehnt. Nun war der Druck auf die Behörden offenbar zu gross geworden.

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