Wiener «Tatort» stellt lesbische Geschichte in den Vordergrund
Wenig Blaulicht, dafür viel Psychologie
Im «Tatort»-Krimi aus Wien rückt die lesbische Kriminalassistentin Meret Schande in den Mittelpunkt. Eines der Rätsel: Warum hat das Opfer Tausende Fotos von sich gemacht?
Von Matthias Röder, dpa
Wer Rennrad fährt, lebt gefährlich. Der 29-jährige Marlon Unger (Felix Oitzinger) ist erst vor ein paar Wochen übel von einem Auto angefahren worden. Diesmal hat er die Tour rund um Wien mit seinen Kumpels von «Dynamo Neubau» heil überstanden. Doch als er vor seiner Wohnung die Post aus dem Briefkasten holt, wird er erstochen. Der gewaltsame Tod des Angestellten einer IT-Firma stellt die Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) vor erhebliche Rätsel.
Der «Tatort» mit dem Titel «Was ist das für eine Welt» (Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste) unter Regie von Evi Romen ist ein Fall für Freunde des eher langsamen und ruhigen Erzähltempos. Und es ist eine Folge, in der die lesbische Assistentin Meret Schande (Christina Scherrer) den bisher prominentesten Auftritt hat.
Bei der Suche nach dem möglichen Motiv für den Mord am angeblich so beliebten Herrn Unger geht Schande weit – und flirtet mit der joint-rauchenden früheren Freundin des Opfers. «Wo hört die Polizei auf und wo fängt der Mensch an?», fragt sie in die Kamera. In vielen Szenen sitzt sie beim Psychiater, um ihre Probleme im Dienst und mit den Kollegen Eisner und Fellner aufzuarbeiten. Erst am Ende wird klar, was der Anlass dieser Sitzungen gewesen ist.
Eine Schlüsselrolle scheint der Job von Unger in der IT-Firma PVS zu spielen. Deren Chef Gernot Schlager, mit viel Nonchalance von Moderator und Kabarettist Dirk Stermann verkörpert, hat den toten Mitarbeiter in bester Erinnerung. Er habe wunderbar in das Konzept des Unternehmens gepasst, das mit seiner Software dazu beiträgt, dass viele Mitarbeiter*innen entlassen werden können.
«No problems, only solutions», sagt Schlager und scheint es sogar ernst zu meinen. Dass Unger möglicherweise auch Feinde gehabt haben könnte, zeigt zunehmend das Verhalten des Kollegen Arnold Cistota (Valentin Postlmayr). Er wäre so etwas wie der Hauptverdächtige, hat aber laut Schande ein wasserdichtes Alibi.
Und dann ist da noch der Vater von Ungers Ex-Freundin. Er gehört zu denjenigen, die als Folge der durch PVS ermöglichten Rationalisierung nach Jahrzehnten seinen Job verloren hat. Weitgehend mittellos wird ihm bewusst, dass sein trauriges Schicksal auf den Lover seiner Tochter zurückgeht.
Das Drehbuch von Thomas Weingartner und Stefan Hafner spart dankenswerterweise Blaulicht und einen klassischen Dialog-Schauplatz fast komplett aus: das Auto. Wenn sich Eisner und Fellner über den Stand der Ermittlungen oder die Qualität ihrer Beziehung unterhalten, tun sie das weitgehend klimagerecht auf der Parkbank, im Büro oder bei einer Zigarette vor dem Dienstgebäude. Eines ihrer Themen: Demenz.
Der später Getötete hat nämlich Tausende von Fotos von sich gemacht, weil er laut Gentest einem hohen Demenz-Risiko ausgesetzt war. «Ich würde dich nicht pflegen. Ich würde es mir nicht zutrauen», sagte Eisner zu Fellner. Aber die hat gar nicht zugehört.
Queere Sichtbarkeit wurde bei den Öffentlich-Rechtlichen zuletzt immer mehr zum Thema. So erzählte der «Polizeiruf 110» aus Rostock jüngst erstmals eine trans Geschichte (MANNSCHAFT berichtete).
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