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IDAHOBIT: 305 Handys klingeln in Bern gegen den Hass

Mit einer Aktion auf dem Bundesplatz fordern LOS, Pink Cross und TGNS Politik und Gesellschaft zum Handeln auf

IDAHOBIT Schweiz 2024
Weckruf für Politik und Gesellschaft: Die 305 Mobiltelefone vor dem Bundeshaus. (Bild: David und Kathrin)

305 Smartphones auf dem Bundesplatz in Bern symbolisieren die 305 gemeldeten LGBTIQ-feindlichen Vorfälle im Jahr 2023. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.

Weckruf zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) auf dem Bundesplatz in Bern. Die Meldungen von LGBTIQ-feindlichen Hate Crimes haben einen neuen Höchststand erreicht: Von 134 im Jahr 2022 haben sie sich auf 305 Meldungen im Jahr 2023 mehr als verdoppelt. Ein Drittel der Meldungen stammte von bisexuellen und schwulen Männern (105). Für binäre und nicht binäre trans Personen ist die Situation noch drastischer: Sie machten 40% Prozent aller Meldungen aus.

Anis Kaiser, Leitung Advocacy von Transgender Network Switzerland (TGNS), zeigt sich besorgt: «Die negative Stimmung, die durch transfeindliche Medienbeiträge und politische Vorstösse geschürt wird, hat reale Folgen. So erfahren wir in den letzten Monaten viel stärker offene Anfeindungen und Gewalt – selbst am helllichten Tag auf offener Strasse. Diesem Hass müssen wir uns als Zivilgesellschaft entschieden entgegenstellen!»

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305 gleichzeitig abgehende Mobiltelefone: Die Aktion erforderte viel ehrenamtliche Arbeit. (Bild: David und Kathrin)

Mit der Aktion «305 Stimmen gegen den Hass» hat die LGBTIQ-Helpline am IDAHOBIT am 17. Mai auf dem Bundesplatz auf die «untragbare Situation» aufmerksam gemacht: Zeitgleich klingelten 305 Telefone, stellvertretend für die 305 Meldungen, die im Jahr 2023 bei der Helpline eingegangen sind. Ein Beispiel dafür war der Angriff auf Dragqueen ins Zürich im Februar 2023 (MANNSCHAFT berichtete).


Milo Käser, Projektleiter der LGBTIQ-Helpline, erläutert: «Hinter jedem Telefon und jeder Meldung steht ein Mensch, der im letzten Jahr ein LGBTIQ-feindliches Hate Crime erleben musste. Mit dieser Aktion wollen wir die Politik und Gesellschaft aufrütteln: Es braucht unbedingt Massnahmen gegen die Diskriminierung und Angriffe gegenüber LGBTIQ-Personen.» Neben der Meldestelle betreibt die LGBTIQ-Helpline ein Peer-Beratungsangebot, wodurch die Betroffenen von Hate Crimes direkt Unterstützung erhalten können. Ein Drittel nutzte dieses Angebot.


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Obwohl die LGBTIQ-Dachverbände seit einigen Jahren vor einer Zunahme von Angriffen warnen und politische Massnahmen fordern, blieb die Politik gemäss Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) untätig. Sie fordert: «Es braucht nun endlich Massnahmen von Bund, Kantonen und Städten. Konkret fordern wir breite Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen in der Gesellschaft, Ausbildungen bei Strafverfolgungsbehörden und Opferhilfestellen sowie einen wirksamen Schutz vor Diskriminierung für trans Personen.»


Zudem fehlt es an finanziellen Mitteln für Beratungs- und Unterstützungsangebote für betroffene LGBTIQ-Personen, wie Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross, erläutert: «Fast alle Angebote der LGBTQ-Dachverbände sind prekär finanziert über private Spenden und Stiftungsbeiträge – auch die LGBTIQ-Helpline. Der Staat hingegen zieht sich aus seiner Verantwortung und lässt Betroffene und Ratsuchende im Regen stehen. Das muss sich nun endlich ändern!»

Auch in Deutschland gab es einen Anstieg der Meldungen, die Zahlen werden am 21. Mai erwartet (MANNSCHAFT berichtete).

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