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Lesbisch, feministisch, queer – Wien auf 178 Seiten

Viel Sichtbarkeit vom Dyke March bis zur Regenbogenfamilie

lesbisch
Foto: Screenshot/Frauenservice, WASt

Die Wiener Lesbengruppe als Arbeitsgruppe in der HOSI feiert derzeit ihren 40. Geburtstag. Passend zum Jubiläum ist dieses Jahr «Mein lesbisches, queeres Wien» erschienen, das Nachfolgewerk des 2015 erschienenen Sammelbandes «Mein lesbisches Wien».

Das «Mein lesbisches, queeres Wien» beinhaltet wissenschaftliche, historische und zeitgeschichtliche Beiträge, die kurz und bündig gut zusammengefasst in geschlechtergerechter Sprache geschrieben und mit ausführlichen literarischen Quellenangaben und Hyperlinks zum queeren, lesbischen, feministischen Netzwerk versehen sind.

Die Vizebürgermeister*innen der Stadt, Kathrin Gaál und Christoph Wiederkehr, erklären es in ihrem Vorwort zu ihrem «wichtigen Anliegen die vielfältigen lesbischen und queeren Lebensrealitäten in Wien im Blick zu haben und ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen». Dazu gehöre auch das Sichtbarmachen, um aktuelle Diskurse, Lebensgestaltungen, aber auch Herausforderungen in den Fokus zu rücken.

Die neun verschiedenen Themen sind von feministischen Autor*innen zwischen bunten regenbogenfarbigen Trennblättern verfasst und kategorisiert: So beinhaltet das lila-eingefärbte Kapitel die Geschichte der Frauen- und Lesbenbewegung, die Spurensuche nach den Lesben(orten) in Wien, sowie die von 1852 bis 2002 aufgelistete Chronologie der Homosexualität im österreichischen Recht, was auch für Nichtjurist*innen verständlich zu lesen ist.


Im Kapitel Solidarität liest frau zum Beispiel über die lesbische Sichtbarkeit des ersten Dyke March im Jahr 1981 bis zum bisher letzten im Jahr 2019 im Rahmen der Europride, aber auch über die HOSI-Wien-Frauen*Lesbengruppe, die gerade ihr 40-jähriges Bestehen feiert (MANNSCHAFT berichtete).

Lebenswerte Umgebung für Regenbogenfamilien
Appel, die Jugendreferentin der HOSI-Wien und in der dritten Welle der Frauenbewegung geboren, schreibt, auf die notwendige Vielfalt von FLINT*-Personen sei besonders Rücksicht zu nehmen, genauso wie visiBi*lity Austria über das Leben der bisexuellen Menschen als grosse, inhomogene Gruppe in Wien schreibt. Die Herausgeber*innen des Buches machen auch lesbische Erfahrungsberichte von umkämpften Räumen, Lesben im Wechsel zwischen Rollator und Motorrad und lesbische Wohnmöglichkeiten im Queerbau Seestadt, um alternative Wohnbauprojekte zu präsentieren, im Kapitel Alltags- und Lebensräume sichtbar. In diesem Kapitel schreibt Flunger, die Leiterin des Regenbogenfamilienzentrums in Wien, wie sehr die Stadt Wien für Regenbogenfamilien eine lebenswerte Umgebung bietet. Dennoch gibt es hier noch Diskriminierungen zum Beispiel bei der Geburt des Kindes eines lesbischen Paares. Jedoch habe auch feministische Öffentlichkeit mit Blogs, Mikroblogs und Podcasts an Sichtbarkeit gewonnen. Zum Beispiel wird im Buch auch das Projekt FrauenFunk des Frauenservice der Stadt Wien erwähnt, wo die Journalistin Handlos mit fünfzig Frauen über fünfzig spricht, wie sie zu Feministinnen geworden sind.

Pirklbauer schreibt im Kapitel Arbeitsmarkt über die Situation der Arbeitsplätze von angestellten Lesben und queeren Menschen sowie deren Coming-out am Arbeitsplatz in Wien. Jedoch die Queer Business Women engagieren sich seit dem Jahr 2005 für Sichtbarkeit lesbischer Unternehmer*innen und unterstützen die Frauen*Lesben in ihrem Selbstverständnis, schreiben sie. Aber auch Gewaltschutz, Gesundheit, sowie transkribierte Interviews mit lesbisch, queeren Frauen in Wien, sind lesenswerte Beiträge in diesem Buch.


Das Buch zeigt eine grosse Vielfalt und macht Veränderungen im lesbischen queeren Wien sichtbar. Gut aufgehoben sind gegen Ende des Buches jedenfalls die verschiedenen Beratungs- und Anlaufstellen im queeren, lesbischen, feministischen Wien, alphabetisch A wie Afro Rainbow Austria bis Z wie Zara, die Beratungsstelle #GegenHassimNetz, aufgelistet. Auch das abgebildete Lesbenpaar, das mit einer Regenbogenfahne liebevoll miteinander verbunden ist, spricht positiv an und macht queere, lesbische Feminist*innen und jene an Lesbengeschichte Interessierte neugierig, dieses Buch zu lesen. Das Buch ist auch als literarisches Nachschlagewerk und für den Geschichtsunterricht für Pädagog*innen und Schüler*innen und Student*innen zu empfehlen. Lesenswert!

Die Publikation «Mein lesbisches, queeres Wien» (178 Seiten) vom Frauenservice Wien (MA 57) in Kooperation mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt) kann man hier runterladen.

Am Mittwoch findet im Rahmen des Lesbenabends im Wiener Gugg eine Podiumsdiskussion zum Thema Lesbische Sichtbarkeit statt. Mit auf dem Podium: Hanna Hacker, Lisa Hermanns, Susanne Hochreiter und HOSI-Obfrau Ann-Sophie Otte. Moderiert wird die Veranstaltung von Barbara Fröhlich.



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