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Ken Follett spricht sich für trans Frauen im Thriller aus

In einem Interview äussert sich der erfolgreiche Autor erstmals dazu, dass es Zeit sei, Platz für trans Charaktere in Mainstream-Publikationen zu machen

Ken Follett
Der britische Bestseller-Autor Ken Follett auf der Buchmesse in Frankfurt (Foto: picture alliance / Arne Dedert / dpa)

Bestseller-Autor Ken Follett («Die Säulen der Erde») ist sicherlich für viele Dinge bekannt – aber nicht für seine Haltung zum Thema Transgender. In einem Interview zu seinem neuen Roman «Never – Die letzte Entscheidung» sprach er jetzt erstmals darüber, dass es Zeit wäre, in Thrillern Raum für trans Charaktere zu schaffen.

Im neuen Buch geht es darum, wie Frauen in verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Positionen versuchen, die Welt vorm Nuklearkrieg zu retten. U. a. gibt’s eine erste weibliche Präsidentin der USA – eine weisse gemässigte Republikanerin, die von einem Trump-Doppelgänger vom rechten Rand bei der Wiederwahl herausgefordert wird. (MANNSCHAFT berichtete über den LGBTIQ-Roman «Royal Blue» von Casey McQuiston, wo erstmals eine weibliche US-Präsidentin mit bisexuellem «First Son» beschrieben wird.)

Follett betont im Gespräch mit dem Audible Magazin Deutschland, dass er es gewesen sei, der 1978 in «Die Nadel» erstmals eine Frau zur Heldin eines traditionellen Thrillers gemacht habe. Auch wenn das heute «alltäglich» wäre, sei es damals neu und revolutionär gewesen. Und ein «besonderer Ken-Follett-Touch», wie der Star-Autor es nennt.

«Die Zeit ist reif»
Auf die Frage, ob es angesichts der intensiven Debatten rund um Transaktivismus innerhalb der englischsprachigen Literarturwelt auch denkbar wäre, als Erster eine trans Frau als Figur in einen seiner Thriller einzubauen, antwortet Follett: «Ich habe noch nie über Trans-Menschen geschrieben, jedenfalls bisher nicht. Das könnte sich aber ändern, wenn die Zeit dafür reif ist.»


Und wann wäre die Zeit reifer als jetzt? «Als Gesellschaft – hier in Grossbritannien, aber auch in anderen europäischen Ländern – müssen wir einige Anpassungen vornehmen», so Follett. «Wir müssen für diese Menschen Platz schaffen. Wir haben immer so getan, als würden sie nicht wirklich existieren. Das muss aufhören.»

«Never – Die letzte Entscheidung»
Der neue Ken-Follett-Roman «Never – Die letzte Entscheidung» (Foto: Lübbe Vlg.)

Auf die Idee, in seinem eigenen Bestseller-Universum Platz zu schaffen und zu zeigen, dass trans Menschen «wirklich existieren», sei er bisher allerdings nicht gekommen. Aber: «Wenn es gut für die Geschichte wäre, würde ich es auch machen.»

«Man muss der Figur ein positives Ende wünschen»
Konkrete Voraussetzungen dafür wären: «Die Figur muss faszinieren, sie muss Sympathieträger sein, man muss mit der Figur mitfühlen und sich ein positives Ende für sie wünschen. Und es muss die Figur ein bisschen anders machen.» (MANNSCHAFT berichtete über die ZDF-Kultursendung «aspekte» zum Thema «Männlich, weiblich, divers – Wer bestimmt unser Geschlecht?»)


Im Laufe des Interviews fällt Follett dann ein, dass er in seinem Roman «Jackdaws» («Die Leopardin») über eine Gruppe von Frauen im besetzen Frankreich während des Zweiten Weltkriegs geschrieben hatte. Und dass eine dieser Frauen «ein biologischer Mann» gewesen sei: «Dieser Charakter war eine wirklich gute Figur im Roman», so Follett. «Auf dieser Basis würde ich das beurteilen. Das heisst, ich würde eine solche Entscheidung (für eine trans Figur, Anm.) aus literarischen Gründen treffen, nicht um eine Schlagzeile zu kreieren.»

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Ob in seinem nächsten Buch, an dem er bereits seit einigen Monaten arbeite, eine entsprechende Figur vorkommen wird, muss man abwarten. Denn natürlich könnten nicht nur US-Präsident*innen weiblich sein. Genauso könnten Geheimagent*innen, Spion*innen, Drogendealer*innen und alle anderen, die sich aktuell in «Never» tummeln, auch trans oder LGBTIQ sein.

«Never» schaffte es in der deutschen Fassung auf Anhieb auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Vielleicht fragen künftig ja weitere Journalist*innen Follett nach trans Figuren oder LGBTIQ-Charakteren und erinnern ihn daran, dass es an der Zeit wäre, für diese Platz zu schaffen – auch und gerade in absoluten Mainstream-Publikationen, die ein Millionenpublikum erreichen und vielfach verfilmt werden. (MANNSCHAFT berichtete über die Netflix-Doku «Disclosure», die die Sichtbarkeit von trans Personen in Hollywoodfilmen behandelt.)


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