Gutachter: Bibel deckt Latzel-Äusserungen gegen Homosexuelle
Verurteilt wegen Volksverhetzung
Die Äusserungen des wegen Volksverhetzung in erster Instanz verurteilten evangelischen Pastors Olaf Latzel sind nach Darstellung eines Gutachters von der Sache her bibeltheologisch korrekt.
Die Irritationen über die zugespitzte und scharfe Wortwahl des Geistlichen seien verständlich, die Schriften in der Bibel aber eindeutig. Sie stuften gelebte Homosexualität als Sünde ein, sagte der Universitätsprofessor und katholische Alttestamentler Ludger Schwienhorst-Schönberger am Freitag im Berufungsverfahren am Landgericht Bremen. Allerdings sei Homosexualität in der Bibel nur ein Randthema.
Der evangelische Geistliche Latzel war 2020 vom Amtsgericht Bremen wegen abwertender Äusserungen über Homosexualität und Genderformen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, dagegen hatte er Berufung eingelegt. (MANNSCHAFT berichtete)
Latzel vertrete konservative Positionen, sagte Schwienhorst-Schönberger. Diese stellten aber keinen privaten abwegigen Sonderweg dar, sondern seien auch in theologischen Kreisen, bei Wissenschaftlern und der katholischen Kirche zu finden. Im Mainstream der liberalen, modernen und säkularen Gesellschaft seien solche Positionen aber nicht akzeptabel und plausibel. Er könne aber in den Äusserungen keinen Aufruf zum Handeln gegen Homosexuelle sehen und auch keine Anstachelung zum Hass, sagte der Theologe mit Blick auf ein Eheseminar Latzels im Oktober 2019.
Latzel, der seit Ende 2007 Pastor der St. Martini-Gemeinde in Bremen ist, hatte im ersten Teil des rund zweistündigen Seminars vor 30 Ehepaaren der Gemeinde unter anderem von «Genderdreck», Verbrechern und einer «Homo-Lobby» gesprochen, die teuflisch sei (MANNSCHAFT berichtete). Das Seminar war im März 2020 kurzzeitig als Audiodatei auf Youtube eingestellt worden. Das Amtsgericht Bremen verurteilte ihn im November 2020 wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 90 Euro.
In seinem Verfahren hatte Latzel Anfang Mai beteuert, nicht homophob zu sein. Die Bibel stufe Homosexualität klar als Sünde ein, unterscheide aber zwischen der Sünde und dem Sünder, so der Pastor. «Mein Glaube ist an die Bibel gebunden», sagte der 54-jährige vor dem Landgericht Bremen. Er sei aber zutiefst gegen die Ausgrenzung von Menschen: «Auch Homosexuelle gehören ganz selbstverständlich zu unserer Gemeinde.»
Bei der Bremischen Evangelischen Kirche läuft ein Disziplinarverfahren gegen Latzel, das aber solange ruht, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt (MANNSCHAFT berichtete). Für die Verhandlung sind vier Prozesstage angesetzt. (AZ 51 Ns 225 Js 26577/20)
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