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Dresden soll nach homofeindlichem Anschlag Gedenkort erhalten

Dazu finden bereits Gespräche zwischen dem CSD Dresden und dem Rathaus statt

Dresden
Foto: CSD Dresden

Bei dem Angriff am 4. Oktober hatte der Täter in Dresden auf zwei schwule Touristen eingestochen, einer der Männer starb kurz darauf. Am Tatort soll ein Erinnerungsort entstehen.

Nach einem Treffen im Rathaus, u. a. mit Protokollchefin Silvia Schneider, am Freitagnachmittag zeigte sich Ronald Zenker zuversichtlich. «Ich habe ein sehr gutes Gefühl», so der Vorstandssprecher des Vereins Christopher Street Day Dresden gegenüber MANNSCHAFT. Geplant sei ein Gedenkort und/oder eine Gedenktafel. Eingeweiht werden könnte dieser Erinnerungsort im nächsten Jahr an drei möglichen Terminen, so Zenker – am IDAHOBIT im Mai, zum Dresdner CSD oder zum Jahrestag des Anschlags, am 4. Oktober. Auch die Landesregierung soll nach Vorstellungen des CSD Dresden in die Pläne einbezogen werden.

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Der Verein hat am 1. November am Tatort eine Mahnwache veranstaltet. Rund 300 Menschen hatten mit einer Schweigeminute dem Opfer der Messerattacke gedacht.

Bei dem Angriff am Abend des 4. Oktober hatte der mutmassliche Täter unvermittelt auf die beiden Touristen (55 und 53 Jahre alt) eingestochen, ein schwules Paar aus Nordrhein-Westfalen (MANNSCHAFT berichtete). Der polizeibekannte islamistische Extremist soll mehrere Küchenmesser bei sich getragen haben.


Einer der beiden verpartnerten Männer, Thomas L., erlitt tödliche Verletzungen und starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Das zweite Opfer der Tat überlebte den Anschlag schwer verletzt. Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte aus einer radikal-islamistischen Gesinnung heraus gehandelt.

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Die FDP-Fraktion der Stadt hat vergangene Woche erklärt, man befürworte das Anliegen des CSD Dresden, dass die Stadt eine angemessene Form des Gedenkens an den am 4. Oktober ermordeten Thomas L. findet und werde einen entsprechenden Antrag im Stadtrat stellen.

«Was am 4. Oktober im Herzen unserer Stadt geschehen ist, darf nicht totgeschwiegen werden. Für die Vielfalt der Lebensentwürfe einzustehen, bedeutet eben nicht nur, an schönen Tagen die Regenbogenfahnen zu hissen, sondern auch hinzusehen und aufzustehen, wenn Homophobie und religiöser Extremismus in unserer Stadt Menschenleben fordern. Wir danken deshalb dem CSD Dresden e.V. für die Ausrichtung der Gedenkveranstaltung Anfang des Monats, die ein klares Signal gesetzt hat.»


Der Gedanke, einen würdevollen Erinnerungsort für die Opfer des Anschlages an der Schlossstraße zu schaffen, liegt auch der FPD sehr am Herzen. «Der von uns erarbeitete Stadtratsantrag beauftragt den Oberbürgermeister, in Abstimmung mit den Hinterbliebenen von Thomas L. ein Konzept für einen solchen Erinnerungsort zu entwickeln, der uns nicht nur an den Anschlag erinnert, sondern auch mahnt, dass die Werte, für die wir einstehen, verteidigt werden müssen», erklärte Holger Hase, der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion.

Mit Dirk Hilbert stellt die Partei den Oberbürgermeister in Dresden. Der FDP-Politiker hatte zwei Wochen nach dem Anschlag in einem Statement erklärt: «Mein Dank gilt der Dresdner Polizei und Staatsanwaltschaft, die schnell und professionell ermittelt haben. Nun muss der Generalbundesanwalt die Ermittlungen fortführen und die Hintergründe restlos aufklären.»

Tatsächlich war von einem möglichen schwulenfeindlichen Motiv zunächst gar nicht die Rede gewesen, wie u. a der LSVD kritisierte. «Statt öffentlicher Empathie und Solidarität wurde jedoch der Hass auf Schwule als mögliches Tatmotiv von Polizei, Staatsanwaltschaft und Ministerien verschwiegen.» Dieses Schweigen bagatellisiere Gewalt gegen LGBTIQ, mache sie unsichtbar und wiederholte so ein zentrales Muster von Homo- und Transfeindlichkeit, so LSVD-Sprecher Markus Ulrich gegenüber der taz. Dieser Einschätzung schlossen sich jetzt auch die Grünen an (MANNSCHAFT berichtete).


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