Sparkurs trifft queere Community hart – Jetzt sind Spenden gefragt

Regenbogenparade in Wien
(Bild: Adobestock / Archivfoto)

Am 24. Jänner soll auf dem Regenbogenball viel Geld für Projekte wie den CSD gesammelt werden. Denn die Stadt Wien hat die Förderungen für die Vienna Pride in diesem Jahr um fast 50 Prozent gekürzt.

In Wien laufen die Vorbereitungen für den Regenbogenball am 24. Jänner auf Hochtouren. Der Ball ist die grösste queere Veranstaltung in Wien in diesem Winter und ausverkauft. Die wichtigsten Vertreter*innen der queeren Community Österreichs haben ihr Kommen zugesagt. An dem Abend soll nicht nur das Tanzbein geschwungen, sondern auch viel Geld gesammelt werden. Mit den Einnahmen werden Projekte wie der Wiener CSD finanziert. Für die queere Community werden solche Events mit Spendencharakter immer wichtiger, weil die öffentlichen Förderungen für queere Grossprojekte nicht ausreichen.

Besonders schlimm trifft es in diesem Jahr die Wiener Pride mit dem CSD. Die Sparmassnahmen der Stadt Wien führen zu drastischen Kürzungen. «Natürlich sind wir enttäuscht, dass die Stadt Wien bei der Menschenrechtsarbeit sparen muss und die Förderung für die Vienna Pride um fast 50 Prozent auf 350'000 Euro gekürzt wird, gerade da die Vienna Pride für die Stadt ein Vielfaches an Wertschöpfung durch Tourismus und ähnliches wieder einspielt», sagt Katharina Kacerovsky-Strobl, Veranstalterin der Vienna Pride und Geschäftsführerin der Stonewall Gesellschaft. «Bei allem Verständnis für die wirtschaftlichen Herausforderungen: So eine Kürzung darf sich nicht wiederholen. Aber genauso ist klar, dass sie den Kampf für unsere Rechte nicht bremsen wird.»

Auch Ann-Sophie Otte, Obfrau der Hosi Wien, ist frustriert, dass die Stadt «auch im Menschenrechtsbereich Förderungen kürzt". Die Hosi Wien sei sich «der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewusst». Ann-Sophie Otte betont, «dass solche Kürzungen die Ausnahme bleiben müssen, damit die Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen endlich erreicht werden kann».

Wegen der finanziellen Einschränkungen wird der Vienna Pride erstmals mit einem eintägigen Community-Fest im Prater mit dem Pride Run Vienna eröffnet. Das legendäre und populäre Pride Village am Rathausplatz wird nur in abgewandelter Form eintägig am Tag der Regenbogenparade stattfinden. Der Wiener CSD soll am 13. Juni aber ohne Einschränkungen durchgeführt werden.

Die Wiener Grünen kritisieren die massiven Förderkürzungen bei der Vienna Pride scharf: «Die Entscheidung, die Mittel um fast 50 Prozent zu reduzieren, gefährdet nicht nur die Vienna Pride, sondern schwächt auch die Sichtbarkeit der queeren Community», sagt Parteivorsitzender Peter Kraus. Mit den Einsparungen beim Pride Village verliere die queere Community einen wichtigen, sichtbaren Ort. «Gerade eine Stadt wie Wien muss zeigen, dass sie zu ihrer queeren Community steht – in guten wie in herausfordernden Zeiten. Kürzungen, die Sichtbarkeit und Teilhabe untergraben, sind ein politischer Rückschritt», meint Katharina Schöll-Laussermayer, Sprecher*in von den Grünen Andersrum.

Auch weitere queere Institutionen sind vom Sparkurs betroffen - wie das queere Zentrum Qwien – das grösste queere Kulturzentrum in Österreich mit Ausstellungsräumen, einer Bibliothek, einem Archiv und einem Forschungszentrum. «Die Sparmassnahmen der Stadt Wien treffen auch uns und zwingen uns, die Öffnungszeiten von Qwien ab 2026 deutlich einzuschränken», heisst es dort. Im Vorjahr eröffnete die Organisation feierlich ihren neuen Standort. «Die drastischen Budgetkürzungen zwingen uns ebenso, geplante Projekte zu verschieben oder Veranstaltungen ganz abzusagen. Wir können den Betrieb von Qwien aufrechterhalten, um aber weiterhin ein buntes und vielfältiges Programm anbieten zu können, brauchen wir ganz dringend finanzielle Unterstützung», betonen die Verantwortlichen von Qwien. Sie rufen zu privaten Spenden auf.

Auch in der Steiermark wird massiv gespart. Deswegen stand die Antidiskriminierungsstelle Steiermark vor dem Aus. Doch zum Glück gab es hier vor Kurzem eine Entwarnung. Durch das Eingreifen der Stadt Graz und des Sozialministeriums ist die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle bis mindestens Oktober 2027 abgesichert. Das Sozialministerium fördert das Projekt «Fight Hate». Dabei handelt es sich um eine Kooperation der Antidiskriminierungsstelle Steiermark mit dem queeren Verein RosaLila PantherInnen. Ziel ist eine landesweite, community-orientierte Präventionsarbeit gegen Extremismus, Radikalisierung, Hass und Diskriminierung.

Nach 15 Jahren Männer-Strip für Frauen plant Kiezgrösse Olivia Jones auf der Reeperbahn für ihre Bar ein neues Konzept. An den übrigen Standorten gibt es keine Änderungen (MANNSCHAFT berichtete).

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