Senegal verschärft Strafen für Homosexualität massiv – Sorge um HIV-Prävention
Im Senegal drohen für gleichgeschlechtliche Beziehungen künftig bis zu zehn Jahre Haft. Kritiker befürchten Auswirkungen auf die Prävention von Krankheiten wie HIV.
Das Parlament im Senegal hat eine Verschärfung der Strafgesetze gegen homosexuelle Beziehungen beschlossen. Die Nationalversammlung verabschiedete am Mittwochabend mit 135 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen einen Gesetzentwurf der Regierung, der deutlich längere Haftstrafen und höhere Geldstrafen für sogenannte «widernatürliche Handlungen» vorsieht. Für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen drohen künftig fünf bis zehn Jahre Gefängnis statt bislang ein bis fünf Jahre.
Auch die «Förderung» oder Finanzierung solcher Handlungen etwa durch Organisationen oder Medien kann in dem westafrikanischen Küstenstaat künftig bestraft werden. Kritiker warnen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen oder Programme zur HIV-Prävention bei Risikogruppen dadurch beeinträchtigt werden könnten. Das Gesetz muss noch vom Präsidenten unterzeichnet werden.
Fälle heizen Debatte über Homosexualität an Homo- und Bisexualität ist im überwiegend muslimischen Senegal stark tabuisiert. In Umfragen sprechen sich immer wieder mehr als 90 Prozent der Befragten gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen aus (MANNSCHAFT berichtete).
Das Thema gewann durch mehrere Ermittlungen jüngst erneut an öffentlicher Brisanz. Anfang Februar nahmen Sicherheitskräfte ein Dutzend teils prominenter Männer wegen angeblicher homosexueller Beziehungen fest. Kurz darauf meldete die Polizei die Zerschlagung eines internationalen Netzwerks für Kindesmissbrauch in Dakar. In Teilen der Öffentlichkeit und in sozialen Medien wurden beide Fälle häufig miteinander vermischt.
Kriminalisierung von Homosexualität besonders in Afrika verbreitet Der westafrikanische Küstenstaat mit gut 18 Millionen Einwohner*innen gilt als eine der stabilsten Demokratien des Kontinents. Präsident Bassirou Diomaye Faye und Premierminister Ousmane Sonko waren vor zwei Jahren mit grosser Mehrheit an die Macht gekommen und hatten einen politischen Neuanfang mit wirtschaftlichen Reformen versprochen. Inzwischen wächst der Druck auf die Regierung, unter anderem wegen hoher Staatsverschuldung und Studentenprotesten, bei denen ein Student ums Leben kam.
Weltweit kriminalisieren rund 65 Länder gleichgeschlechtliche Beziehungen, mehr als die Hälfte davon liegen in Afrika. In vielen afrikanischen Staaten wird die Anerkennung der Menschenrechte von LGBTIQ als schädlicher Import aus dem Westen dargestellt. Die entsprechenden Strafgesetze gehen jedoch häufig auf die Kolonialzeit zurück.
Die Debatte über LGBTIQ-Rechte sorgt im konservativen Senegal seit Jahren für Spannungen. Einige Gruppen stellen pro-LGBTIQ-Engagement als ausländische Einmischung dar, schreibt die BBC. Religiöse Organisationen haben derweil in den vergangenen Jahren wiederholt demonstriert und härtere Strafen gefordert (MANNSCHAFT berichtete).
Auch in anderen afrikanischen Staaten wurden in den vergangenen Jahren vergleichbare Sanktionen gegen die LGBTIQ-Community eingeführt. Im September des vergangenen Jahres billigte das Übergangsparlament von Burkina Faso ein Gesetz zum Verbot homosexueller Handlungen und folgte damit dem Nachbarland Mali im Jahr 2024. Bereits 2023 verabschiedete Uganda eines der weltweit schärfsten Anti-Homosexualitätsgesetze: Bestimmte gleichgeschlechtliche Handlungen können dort sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
Zwei Frauen in Uganda wegen Kuss in der Öffentlichkeit verhaftet – ihnen droht lebenslange Haft. Nachbar*innen hatten die Polizei alarmiert und klagten über «praktiziete» Homosexualität (MANNSCHAFT berichtete).