Gay Travel Index 2026: Polen sorgt für die grösste Überraschung
Der jährlich aktualisierte Index nimmt 217 Länder und Regionen unter die Lupe
Pünktlich zum Start der ITB in Berlin ist der neue Spartacus Gay Travel Index erschienen und bewertet erneut Länder weltweit als LGBTIQ-Reiseziele. Diesmal gibt es zwei grössere Überraschungen im Ranking.
Der Index beurteilt Länder und Regionen danach, wie sicher, rechtlich geschützt und gesellschaftlich akzeptiert LGBTIQ-Reisende sind. Insgesamt werden 217 Länder und Regionen berücksichtigt. Laut Pressemitteilung würden die Bewertungskriterien «laufend verfeinert», um der Sichtbarkeit eines breiteren Spektrums der queeren Community gerecht zu werden. So würden die Rechte von intergeschlechtlichen Menschen beziehungsweise eine dritte Geschlechtsoption ebenso bewertet wie der «begrüssenswerte Fakt», dass Konversionsverfahren in immer mehr Ländern verboten werden.
Weiter heisst es: «Die Rubrik ‹Gay-Marketing› unterstreicht die wachsende Bedeutung eines zielgruppengerechten Tourismus für queere Reisende.» Und: «Der Spartacus Gay Travel Index versucht, einen Ausgleich zwischen den Rechten der lokalen LGBTIQ-Community und den Ansprüchen queerer Urlauber herzustellen.»
Bei der Erstellung des Index wurden verschiedene Quellen wie equaldex.com, ilga.org, transrespect.org sowie frei zugängliche Portale von NGOs wie Human Rights Watch und Regierungsorganisationen herangezogen. Präsentiert wird der Index von Booking.com und dessen Initiative Travel Proud.
And the winners are… Angeführt wird der Index 2026 von Island, gefolgt von Malta und Spanien auf Rang 2 sowie Belgien, Kanada, Deutschland und Portugal auf Rang 4.
Die Schweiz schafft es auf Platz 8, zusammen mit Neuseeland und Norwegen. Österreich folgt auf Platz 15, zusammen mit Kolumbien, Kuba, Dänemark, Färöer Inseln, Finnland, Französisch-Polynesien, Griechenland, Grönland, Luxemburg, Niederlande, Neukaledonien und Schweden (ebenfalls alles auf Platz 15).
Grösster Aufsteiger in diesem Jahr ist allerdings Polen: Das Land konnte aufgrund politischer Veränderungen (MANNSCHAFT berichtete) von Platz 118 auf Platz 59 vorrücken. Das ist eine wahrhaft bemerkenswerte Entwicklung. In der Pressemitteilung werden hier insbesondere verbesserte Rechte für trans Menschen hervorgehoben.
Nepal kletterte derweil dank neuer Self-ID-Regelungen für trans Personen und wachsender LGBTIQ-Akzeptanz um 21 Plätze auf Rang 32.
Verschlechtert haben sich hingegen Länder wie Irak, Südsudan und Turkmenistan. Verstärkte staatliche Repressionen und zunehmende Gewalt gegen queere Menschen führten dort zu einem Abstieg auf die hinteren Ränge. Am Ende der Liste finden sich Afghanistan, Tschetschenien, Saudi-Arabien, Iran und Jemen.
Auffällig ist, dass die gesellschaftliche Akzeptanz («Locals Hostile») selbst in liberalen Vorreiterstaaten wie Kanada, Australien oder Dänemark unter Druck geraten sei, heisst es, und diese dadurch im Ranking Punkte verloren hätten – «auch weil die Spitzengruppe immer dichter beieinander liegt». Ein zentrales Muster 2026 sei damit die «Diskrepanz zwischen stabilen oder verbesserten Gesetzen und einem rauer werdenden gesellschaftlichen Klima», heisst es weiter.
Tiefe Spaltung in den USA Ein besonderer Fokus bei der Länderauswertung liegt diesmal auf den USA, die auch als Anzeigenkunden eine zentrale Rolle für «Gay Travel» und anzeigenfinanzierte Magazine wie den Spartacus Traveler spielen.
«Das Land zeigt sich tief gespalten», liest man nun, ohne dabei sonderlich überrascht zu sein. «Liberale Bundesstaaten wie Delaware, Rhode Island und Michigan bauen Antidiskriminierungsschutz und rechtliche Gleichstellung weiter aus und verbessern sich im Ranking deutlich; Delaware schafft etwa die sogenannte ‚Gay/Trans Panic Defense‘ ab.» Gleichzeitig würden konservative Staaten wie Idaho ihre Gesetzgebung erheblich verschärfen: «Zensurmassnahmen, Einschränkungen medizinischer Versorgung für trans Personen sowie die Blockade oder Abschaffung einer dritten Geschlechtsoption prägen dort die Entwicklung.»
Für Reisende bedeutet das: Zwischen einem «Safe State» und einem feindseligen Umfeld kann lediglich eine Bundesstaatsgrenze liegen. Während New York State, Kalifornien und Nevada die Liste der LGBTIQ-freundlichsten US-Bundesstaaten anführen, bildet Tennessee das Schlusslicht.
Der komplette Spartacus Gay Travel Index 2026 ist als Download verfügbar. Zwei interaktive Karten laden zusätzlich zum anschaulichen Vergleich der Werte mit den Vorjahren ein.
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