Auch Bayreuth bekommt schwulen Oberbürgermeister

Andreas Zippel war mehrfach Schirmherr für den CSD

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Andreas Zippel (SPD)

Jubel in Bayreuth: Der offen schwule SPD-Herausforderer Andreas Zippel schlägt in der Stichwahl deutlich den CSU-Amtsinhaber.

Andreas Zippel war bisher Bayreuths zweiter Bürgermeister und schon mehrfach Schirmherr für den CSD Bayreuth. „Gerade wenn der Ton rauer und die Anfeindungen mehr werden, muss man sich zeigen und für Vielfalt und Toleranz auf die Strasse gehen! Wir zeigen Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Familien, dass queer sein normal ist und immer einen Platz in Bayreuth haben wird“, erklärte er in einem Grusswort.

Nun ist Andreas Zippel also der neue Oberbürgermeister von Bayreuth. In der Stichwahl setzte sich der 34 Jahre alte Jurist deutlich mit 62,8 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Thomas Ebersberger von der CSU durch, der auf 37,2 Prozent kam. Seine Themen im Wahlkampf waren vor allem Mobilität und die Förderung von Sportvereinen und Sportstätten.

In München schaffte Dominik Krause, was vor einigen Wochen noch als undenkbar galt: Er gewann deutlich gegen den lange als nahezu unbesiegbar geltenden Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) - und zieht als erster offen schwuler Mann und als erster Grüner in der Münchner Geschichte als Chef ins Rathaus ein.

Insgesamt lässt die Partei von Ministerpräsident Markus Söder auf der kommunalen Ebene in Bayern Federn. In Augsburg muss die CSU-Oberbürgermeisterin die Segel streichen, in Regensburg reicht es trotz eines deutlichen Vorsprungs im ersten Wahlgang nicht, Schweinfurt geht nach 30 Jahren CSU-Dominanz an die SPD. Und vor allem: Abseits der Städte verlieren die Christsozialen ein gutes Dutzend der bayernweit 71 Landratsposten - vor allem an die Freien Wähler, aber auch an die Grünen.

«Ein ganz massives Warnzeichen» sei das für die CSU, sagt die Politologin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung. «Wenn der CSU auf kommunaler Ebene Vertrauen verloren geht, muss das Markus Söder zu denken geben.» Bisher habe sich die Partei immer auf ihr Wurzelgeflecht in den Kommunen verlassen können.

Eine persönliche Niederlage für Söder bedeute der Wahlausgang nicht, meint Münch - sie sieht aber mögliche Auswirkungen. «Das waren zwar keine Entscheidungen gegen Markus Söder persönlich. Ihm fehlt damit aber der erhoffte Rückenwind für die nächsten Wahlen.»

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