Erstmals in der Schweiz: Eigenes Alterswohnen für LGBTIQ
Das Projekt Espenhof setzt ein Zeichen gegen Ausgrenzung und soll Vorbildfunktion haben
In Zürich ist am Donnerstag der Grundstein für die erste queer-freundliche Altersinstitution der Schweiz gelegt worden. Im sogenannten Espenhof sollen 26 Wohnungen speziell für LGBTIQ zur Verfügung stehen.
Wie das Nachrichtenportal swissinfo.ch berichtet, entsteht der Espenhof in Zürich-Albisrieden und wird von allen Beteiligten als «Herzensprojekt» bezeichnet.
Auf dem Areal befanden sich bisher 84 Alterswohnungen, neu werden es nach Ende der aktuellen Bauarbeiten 138 sein. Ein Teil davon ist gezielt queeren Personen vorbehalten. Vergleichbare Projekte gibt es bereits in Ländern wie Spanien oder England.
«Willkommen sind alle, sofern sie Lesben, Schwule und andere queere Menschen akzeptieren», so Andy Leemann in einem Interview. Er übernimmt ab Februar die Leitung der Gesundheitszentren für das Alter. Interessierte würden von Beginn an darüber informiert, dass im Espenhof ein respektvolles und tolerantes Zusammenleben zentral sei. Bereits in ersten Gesprächen werde das Projekt offen erläutert.
Barbara Bosshard, Präsidentin des Vereins Queer Altern, macht auf bestehende Probleme aufmerksam: «Viele Menschen aus unserer Community trauen sich nicht, in Altersinstitutionen offen zu leben.» Eine Umfrage aus dem Jahr 2017 unter 27 Zürcher Einrichtungen habe gezeigt, dass lediglich zwei queere Personen offen zu ihrer queeren Identität standen. Für Bosshard ist dies ein Hinweis, dass sich viele im Alter wieder verstecken müssten – ähnlich wie vor ihrem Coming-out. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Angst vor Intoleranz durch andere Bewohner*innen (MANNSCHAFT berichtete).
Der Verein Queer Altern will sich aktiv in das neue Projekt einbringen und zum Gelingen beitragen. Bosshard hofft, dass der Espenhof eine Signalwirkung entfaltet. «Wir sehen das Projekt als einen Stein, der ins Wasser fällt und Wellen auslöst», sagte sie bei der Grundsteinlegung.
Diese wurde mit einer Regenbogenfahne gefeiert. In ihrer Rede bezeichnete Bosshard sie als Symbol für Schmerz, Freude und Stolz. Die Fahne wurde zusammen mit weiteren Gegenständen in eine Zeitkapsel gelegt, die im Neubau einbetoniert wird.
Bereits seit 2018 steht der Verein Queer Altern im Austausch mit Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP). «Mit unserer Altersstrategie wollen wir die Vielfalt der Gesellschaft abbilden», sagte Hauri anlässlich der Feierstunde. Das Projekt eigne sich ausdrücklich zur Nachahmung.
Das neue Zentrum werde insgesamt 138 Wohnungen sowie eine Pflegewohngruppe umfassen, heisst es. Ein ganzes Wohnhaus sei nur für LGBTIQ-Personen reserviert. Der Bezug sei ab Frühling 2028 geplant.
Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich betreibt derzeit 36 Siedlungen mit über 2000 preisgünstigen Wohnungen. Bis 2035 sollen zusätzlich rund 1000 Alterswohnungen entstehen.
Schutzraum statt Schweigen: Wien eröffnet queere WG für ältere Menschen. Protest kommt - natürlich - von der FPÖ, die das Projekt «unanständig» nennt (MANNSCHAFT berichtete).