In Haft wegen «Allah ist lesbisch»-Shirt: Aktivistin droht Amputation

Ibtissame Lachgar
Für dieses T-Shirt sitzt Ibtissame «Betty» Lachgar im Gefängnis. (Bild: X/Ibtissame Lachgar )

Die marokkanische Aktivistin Ibtissame «Betty» Lachgar, die wegen eines T-Shirts mit der Aufschrift «Allah ist lesbisch» zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, könnte nach Angaben ihrer Familie einen Arm verlieren. Ihre Gesundheit habe sich im Gefängnis stark verschlechtert, berichten mehrere Medien.

Lachgar sitzt im Gefängnis von Salé bei Rabat in Marokko ein. Dort soll sie sich nach Angaben ihrer Anwält*innen einen Ellbogenbruch zugezogen haben. Die Verletzung sei bislang nicht ausreichend behandelt worden. Ohne spezialisierte medizinische Versorgung könnte eine Amputation nötig werden.

Die 50-Jährige ist Krebsüberlebende und trägt eine Prothese zwischen linker Schulter und Ellbogen. Laut ihrer Anwältin Ghizlane Mamounti habe sich diese Prothese inzwischen vollständig gelöst. Trotz der schweren Verletzung erhalte Lachgar lediglich Schmerzmittel. Familie und Verteidigung fordern deshalb ihre sofortige Freilassung. Die Haftbedingungen seien für eine Person mit ihrer gesundheitlichen Situation «unmenschlich und erniedrigend», erklärte Mamounti.

Nach Angaben der Organisation Avaaz habe Lachgar die vergangenen Monate in einer kalten Zelle mit kaputtem Fenster verbracht und auf dem Boden ohne Matratze geschlafen. Eine internationale Petition für ihre Freilassung hat demnach rund 380'000 Unterschriften gesammelt.

Lachgar war im vergangenen September zu 30 Monaten Haft verurteilt worden (MANNSCHAFT berichtete). Anlass war ein Facebook-Foto, auf dem sie ein T-Shirt mit der Aufschrift «Allah ist lesbisch» trägt. Behörden werteten den Beitrag als Beleidigung des Islam.

Nach marokkanischem Recht können Beleidigungen des Islam, der Monarchie oder der territorialen Integrität des Landes mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und hohen Geldstrafen geahndet werden. Lachgars Anwält*innen argumentieren jedoch, die Verurteilung widerspreche der marokkanischen Verfassung von 2011 sowie internationalen Abkommen zum Schutz der Meinungsfreiheit.

Die Psychologin ist Mitgründerin der Bewegung «Alternative Movement for Individual Freedoms», die sich für persönliche Freiheitsrechte einsetzt, etwa für das Recht auf Abtreibung oder gleichgeschlechtliche Ehe.

Das Foto mit dem umstrittenen T-Shirt hatte Lachgar bereits 2022 veröffentlicht. Nach eigenen Angaben wollte sie damit Solidarität mit zwei LGBTIQ-Aktivistinnen im Iran zeigen, denen damals die Todesstrafe drohte.

Auch international wächst der Druck auf die Behörden in Rabat. Im Februar setzte die UNO eine Arbeitsgruppe ein, die den Fall prüfen soll. Menschenrechtsorganisationen warnen, der Umgang mit Lachgar sei ein weiterer Rückschlag für die Meinungsfreiheit in Marokko.

Mehr: Angeklagt wegen Pécs Pride: Weiteres Verfahren gestoppt (MANNSCHAFT berichtete)

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