In Pflegeheimen wird Homosexualität zu selten mitgedacht
Eine Expertin fordert ein Umdenken
Bis heute gibt es keine echte Gleichstellung beim Umgang mit queeren Personen Ein hoch relevantes Thema auch für die Pflege, mit dem sich nun auch die Apotheken Umschau beschäftigt.
Wer älter und lesbisch oder schwul ist, hat oft prägende Erfahrungen gemacht, die häufig bis heute nachwirken.
Homosexualität war in der BRD bis 1969 und in der DDR bis 1968 strafbar. Zeiten, in denen man seine Sexualität verstecken musste. Das ist heute glücklicherweise anders.
«Homosexualität wird in der Breite als normaler angesehen», sagt Ulrich Klocke, Sozialpsychologe an der Humboldt-Universität Berlin und Co-Autor der Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.
Warum Homosexualität im Alter auch bei der Pflege ein relevantes Thema ist, zeigt das Apothekenmagazin mit dem «Senioren Ratgeber».
Sexualität im Alter immer noch Tabuthema Offen mit ihrer Sexualität umzugehen, sei für ältere pflegebedürftige Homosexuelle oft nicht leicht, sagt Cornelia Brandstötter-Gugg, die am Zentrum für Public Health an der Medizinischen Universität Wien im Bereich der Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaft arbeitet.
«Homosexuelle Menschen sind in Pflegeheimen zusätzlich damit konfrontiert sind, dass man dort Heterosexualität als ‹das Normale› ansieht»
Cornelia Brandstötter-Gugg
Schon Sexualität im Alter an sich gelte immer noch als Tabuthema. «Hinzu kommt, dass homosexuelle Menschen zum Beispiel in Pflegeheimen zusätzlich damit konfrontiert sind, dass man dort Heterosexualität als ‹das Normale› ansieht und Homosexualität wenig mitdenkt», so Brandstötter-Gugg.
Das beginnt, wenn einem männlichen Bewohner, über dessen sexuelle Orientierung nichts bekannt ist, beim Tanznachmittag nahegelegt wird, eine weibliche Bewohnerin aufzufordern. Oder wenn eine Frau, die gerne in eine Einrichtung ziehen würde, beim Aufnahmegespräch automatisch gefragt wird, ob sie einen Mann hat.
Sensibilisierte Einrichtungen als sicherer Ort Die Expertin fordert ein Umdenken im deutschen Pflegewesen, um Homosexualität zu normalisieren. Ein entscheidender Schritt sei, Mitarbeitende schon während der Ausbildung zu schulen.
«Besonders wichtig sind der Umgang beim Erstkontakt, der Vertrauensaufbau, sensible Biografie- und Angehörigenarbeit», so Brandstötter-Gugg. Die Frage nach Ehefrau oder Ehemann könne man offen formulieren und fragen: Sind Sie verheiratet? Offenbare ein Bewohner oder eine Bewohnerin die eigene Orientierung, sei es wichtig, dies offen und wertschätzend anzunehmen.
Sensibilisierte Einrichtungen sollten nach aussen zeigen, dass sie ein sicherer Ort für alle Bewohnenden sind. Das gibt Menschen Orientierung, die einen Betreuungsplatz suchen. Diesen rät Brandstötter-Gugg im «Senioren Ratgeber»:
«Achten Sie auch darauf, wie sensibel sich die Mitarbeitenden ausdrücken, wie offen für Vielfalt sich der Ort anfühlt und zeigt.» Manche Einrichtungen sind mit dem Qualitätssiegel «Lebensort Vielfalt» ausgezeichnet. Vergeben wird es von der Schwulenberatung an Einrichtungen, die Menschen jedes Alters, Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung willkommen heissen. Eine Übersicht von Einrichtungen, die für Homosexualität sensibilisiert sind, gibt es online.
Das Apothekenmagazin «Senioren Ratgeber» 8/2025 liegt aktuell in den meisten Apotheken aus. Die Apotheken Umschau hat laut Allensbach-Analyse über 10 Millionen Leser*innen.
Queere Geschichte ist nicht nur eine Erzählung von Leid und Unterdrückung, sondern auch von Liebe und Widerstand. Der 28-jährige Can und der 62-jährige Andreas blicken aus zwei Perspektiven auf eine Geschichte, die noch lange nicht auserzählt ist (MANNSCHAFT-Story).
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