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Bessere Unterstützung für Corona-Risikogruppen gefordert

Sexarbeiter*innen und Opioidabhängige seien momentan besonders betroffen

Corona-Risikogruppe
Symbobild: nrd/Unsplash

Von der aktuellen Krisensituation sind Sexarbeitende ganz besonders betroffen, warnt DIE LINKE.queer. Zudem ist die Corona-Pandemie auch für Personen besonders gefährlich, die von legalen und illegalen Substanzen abhängig sind.

Obwohl von der aktuellen Krisensituation Sexarbeitende ganz besonders betroffen sind, würden ihre Bedarfe aber durch die nun aufgelegten Hilfsprogramme so gut wie nicht erfasst. Dies gelte besonders für Sexarbeitende in prekären Lebenssituationen. Darum fordert DIE LINKE.queer u. a. die Bereitstellung von Übernachtungsplätzen und Wohnraum für Sexarbeiter*innen. Denn viele hätten in Bordellen nicht nur gearbeitet, sondern dort auch gewohnt. Sie hätten nun Obdachlosigkeit zu befürchten.

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Ein weiterer Punkt sind Sozialleistungen und Krankenversicherungsschutz. Selbst ein Teil der EU-Bürger*innen sei durch diverse gesetzliche Verschärfungen in den letzten Jahren vom Recht ausgeschlossen worden, Sozialleistungen nach dem SGB II («Hartz IV») zu beziehen. Besonders betroffen sind hier von Menschen aus Südosteuropa, die weniger als 5 Jahre in der Bundesrepublik leben und arbeiten. Weil Sexarbeitende ihrer oftmals selbständig ausgeübten Tätigkeit nicht mehr nachgehen können, gebe es aktuell eine grosse Gruppe nicht-deutscher Sexarbeitender, die nun für mehrere Monate völlig ohne Sozialleistungsanspruch und Krankenversicherungsschutz dasteht. Hier müsse sofort geholfen werden, so DIE LINKE.queer.

Auch solle das «Prostitutionsschutzgesetz» für die Zeit der Corona-Krise ausgesetzt werden. Es dürfe keine ordnungsrechtliche Verfolgung von nun offenbar werdenden Verstössen gegen das Gesetz geben. Weitere Repression würde Hilfesuchende davon abhalten, sich an offizielle Stellen zu wenden.

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Besonders prekär sei die Lebenssituation von Sexarbeitenden, die der Beschaffungsprostitution nachgehen. Notwendig sei hier eine unverzügliche Veränderung der ausschliesslich auf Repression setzenden Drogenpolitik. Es müssten sofort umfassende medizinische Angebote von der Substitution bis hin zur Originalstoffvergabe ermöglicht werden.

Erhöhtes Risiko bei Opioid-Abhängigkeit
In Bezug auf ihre Opioidabhängigkeit leiden Personen häufig an weiteren chronischen Erkrankungen und haben ein bereits geschwächtes Immunsystem. Das Zentrum für Suchtmedizin in Zürich, Arud, warnt, dass bei ihnen die Gefahr eines schweren Verlaufs der Erkrankung nach einer Ansteckung mit dem Corona-Virus gross sei – obwohl sie oftmals jüngeren Altes sind, heisst es in einer Medienmitteilung.

Viele Einrichtungen in der Suchtversorgung reduzierten gegenwärtig ihr Angebot aus Sicherheitsgründen oder stellten es ganz ein. Dadurch gerieten Menschen mit einer Opioidabhängigkeit zusehends unter Druck. Wegen dieser wegfallenden Strukturen erhöht sich für Betroffene das Risiko, dass sie sich mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV anstecken. Zusätzlich verschlechtert sich in der aktuellen Situation auch das Angebot auf dem Schwarzmarkt, was zu erhöhtem Belastungsstress und erheblichen Gesundheitsrisiken führt.

Mit den Beschaffungsaktivitäten gehe auch ein erhöhtes Übertragungsrisiko des Coronavirus einher – sowohl für die Betroffenen als auch für Dritte. Weil sich das Angebot auf dem Schwarzmarkt verschlechtert, ist die Bildung neuer offener Drogenszenen zu befürchten.

Wichtig ist daher, dass Personen, die sich noch nicht oder nicht mehr in einer Behandlung befinden, nun möglichst einfachen und niederschwelligen Zugang zu Behandlungsangeboten erhalten. Trotz den Einschränkungen in der medizinischen Grundversorgung und der Konzentration auf die Pandemiebekämpfung.

Bei der so genannten Opioid-Agonisten-Therapie werden Methadon, Morphin oder Diaphin (Heroin) verschrieben um zu verhindern, dass Betroffene unter Entzugserscheinungen leiden. Dadurch reduziert sich auch die Gefährdung von Dritten. Der Eintritt in so eine Behandlung trägt massgeblich zur Verhinderung der Entwicklung von neuen offenen Drogenszenen bei. Dem muss zur Eindämmung der Pandemie höchste Priorität eingeräumt werden, so Arud.

Zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Suchtmedizin (SSAM) setzt sich die Arud dafür ein, dass jetzt umfassende Massnahmen ergriffen werden, die eine Ausbreitung des Coronavirus in dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppe verhindern. Neben der Aufrechterhaltung der Angebote der Überlebenshilfe und der Schadenminderung stellt ein unkomplizierter Behandlungszugang für Menschen mit einer Opioidabhängigkeit dabei eine wesentliche Voraussetzung dar.

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Weitere Massnahmen sind beispielsweise, Medikamentenmitgaben über einen längeren Zeitraum zu ermöglichen. So müssten Patient*innen so selten wie möglich zum Medikamentenbezug vor Ort kommen. Zudem sollten Medikamente nach Hause geliefert und ärztliche Hausbesuche von isolierten Patient*innen sichergestellt werden. Corona-Tests würden in den Behandlungszentren und Hausarztpraxen als auch bei Hausbesuchen angeboten.

Die Arud hat ihr Behandlungs- und Versorgungsangebot im Verlauf der letzten zwei Wochen bereits entsprechend angepasst. Hier können sich Betroffene über das ausgebaute Angebot informieren. Für weitere Hilfsangebote und die Möglichkeit, diese zu unterstützen, haben wir eine Liste begonnen, die ständig ergänzt wird.

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