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Pedro Almodóvar: «Ich hatte immer nur Antonio im Kopf»

In seinem neuen Film «Leid und Herrlichkeit» («Dolor y gloria») geht es um einen nicht mehr ganz jungen schwulen Regisseur, der auf sein Leben und Werk zurückblickt

Pedro Almodóvar
Antonio Banderas in «Leid und Herrlichkeit» («Dolor y gloria») (Foto: Studio Canal)

Der Protagonist im neuen Film von Pedro Almodóvar (ab 25. Juli in den deutschen Kinos, in der Schweiz lief er schon längst) ist ein alternder schwuler Regisseur, gespielt von Antonio Banderas. In Cannes weihte der Spanier die MANNSCHAFT in seinen Arbeitsprozess ein.

Señor Almodóvar, in Ihrem neuen Film «Leid und Herrlichkeit» («Dolor y gloria») geht es um einen nicht mehr ganz jungen schwulen Regisseur, der auf sein Leben und Werk zurückblickt. Eine autobiografische Geschichte?
Natürlich hat der Film seinen Anfang damit genommen, dass ich über mich selbst nachgedacht und geschrieben habe. Der Protagonist ist jedoch kein exaktes Abbild von mir, sondern reine Fiktion – eine Fantasie, die von mir geschaffen und durch mich geprägt ist. Sobald Fiktion in eine Geschichte Einzug erhält, wird sie auch zur treibenden Kraft. Dann muss man sich von ihr leiten lassen und ihr treu bleiben, nicht der Realität.

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All die Wege, die dieser von Antonio Banderas gespielte Filmemacher einschlägt, bin ich auch irgendwie gegangen. Doch eben nicht zwingend in die gleiche Richtung. Längst nicht alles, was im Film zu sehen ist, ist mir auch widerfahren. Allerdings hätte es mir passieren können.

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Es gibt also Szenen, die tatsächlich direkt Ihren eigenen Erfahrungen entsprechen?
Vielleicht 20 % des Films. Natürlich werde ich nicht verraten, welche das sind (lacht).

Ist es Ihnen schwergefallen, eine derart persönliche Geschichte zu schreiben?
Im Gegenteil: Ich war selten so schnell mit einem Drehbuch fertig. Nur für «Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs» habe ich noch weniger Zeit gebraucht, glaube ich. Wobei sich das schwer berechnen lässt, denn nicht alle Ideen, die letztlich in diesen Film geflossen sind, habe ich gleichzeitig aufgeschrieben.

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Mit welcher Idee nahm «Leid und Herrlichkeit» denn seinen Anfang?
Zunächst schrieb ich über meine Rückenschmerzen: Die Szene, in der der Regisseur zu Therapiezwecken unter Wasser sitzt, war die erste, die fertig war. Allerdings schlummerten auf meinem Computer allerlei Szenen und Geschichten, die ich bereits geschrieben, aber nie verwendet hatte. Zum Beispiel die, in der ein Regisseur Jahre später seinen einstigen Hauptdarsteller konfrontiert. Oder auch der Text mit dem Titel «Erste Begierde», den ich schon vor 20 Jahren geschrieben hatte, über einen Jungen und sein Begehren für einen erwachsenen Mann.

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Ach, und ein Monolog über die Achtzigerjahre existierte ebenfalls bereits. Keine dieser Ideen hatte ich in der Vergangenheit in meine Filme einbauen können. Doch in der Geschichte des Filmemachers mit den Rückenschmerzen kamen sie jetzt plötzlich mit grosser Selbstverständlichkeit und vor allem sehr schnell zusammen.

Mit Antonio Banderas arbeiten Sie bereits seit dem Beginn Ihrer Karriere zusammen. Wäre ein anderer Hauptdarsteller für Sie überhaupt in Frage gekommen?
Nein, ich hatte immer nur Antonio im Kopf. Und mir war es wichtig, dass wir uns vorher zusammensetzen und in Ruhe darüber sprechen, was ich im Sinn hatte. Denn was ich mir von ihm erwartete, war anders als alles, was wir früher zusammen gedreht hatten oder er in den USA je gespielt hatte. Aber schon allein durch die Drehbuchlektüre schien er genau zu wissen, worauf es ankam. So wie in «Leid und Herrlichkeit» hat man Antonio noch nie gesehen. Gerade, weil er mich mit vielem sehr überrascht hat, war diese Regiearbeit für mich die vielleicht einfachste meines Lebens.

Die Rolle der Mutter spielt – in den Rückblenden – Penélope Cruz, eine weitere langjährige Wegbegleiterin.
Penélope in dieser Rolle zu sehen, hat mich enorm bewegt. Nicht nur, weil sie natürlich meine eigene Mutter gut kannte, sondern weil sie auch selbst für mich wie ein Teil meiner Familie ist. Seit wir vor über 20 Jahren anfingen, zusammenzuarbeiten, stehen wir uns sehr nahe und lieben uns sehr. Auch sie war für mich eigentlich die erste und einzige Wahl. Aufgrund der starken persönlichen und autobiografischen Note des Films war es mir wichtig, von Menschen umgeben zu sein, mit denen ich vertraut bin und die mich einfach sehr gut kennen.

Das ausführliche Interview ist in der Juli/August-Ausgabe der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht es zum Abo für die Schweiz oder für Deutschland.

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