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So engagiere ich mich für LGBTIQ-Rechte und Sichtbarkeit

Was kann man als einzelner tun, damit die Situation 2019 für queere Menschen nicht schlechter wird?

LGBTIQ-Rechte
Christoph Michl, Sigrid Grajek, Steffen Paar (v.l.n.r., Fotos: privat, Jörn Hartmann, Denis Mörgenthaler)

Wie die Politik LGBTIQ-Rechte ausgestaltet oder sie im Zweifel einschränkt – das ist das eine. Aber was kann man als einzelner tun, um mitzuhelfen, dass die Situation 2019 für queere Menschen zumindest nicht schlechter wird? Das fragten wir einen Aktivisten aus Stuttgart, eine Kabarettistin aus Berlin und einen Pastor aus Schleswig-Holstein.

Christoph Michl, Geschäftsführer Stuttgart CSD:

Täglich befreien sich irgendwo auf der Welt LGBTIQ von den Fesseln der Unterdrückung, ebenso wie andernorts Freiheiten in Gefahr sind. Deutschland oder die USA sind Beispiele dafür. Wichtiger wird es also, die Schatten, die auf den Regenbogen der Vielfalt fallen, wahrzunehmen, zu benennen und zu vertreiben. Und gleichzeitig dürfen wir beherzt jubilieren, wenn wir Erfolge errungen haben, wenn der Regenbogen also besonders hell leuchtet. Beides wird 2019 passieren.

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Mehr Mut, mehr Kooperation
Ich möchte behilflich sein, LGBTIQ zum noch engeren Schulterschluss zu bewegen. Im 50. Jahr von Stonewall will ich dafür werben, die gemeinsamen Stärken in der Community deutlicher zu würdigen: unser starkes ehrenamtliches Fundament, unsere breite Basis an Vereinen und Initiativen, unsere schutzbietenden Orte und Räume sowie die speziellen Anlässe der Begegnung. All das fällt nicht vom Himmel, macht uns aber widerstandsfähiger. Darauf gilt es, sich in Zeiten des Gegenwinds zu besinnen. Dabei wünsche ich mir noch mehr Mut zum Engagement, zur Kooperation. Denn übergreifende Allianzen, inner- wie ausserhalb der Regenbogen-Gemeinschaft, sind für mich das entscheidende Element in 2019 und darüber hinaus.

UMFRAGE: Brauchen wir eine neue Regenbogenflagge?

Sigrid Grajek, Kabarettistin und Schauspielerin aus Berlin:

Für LGBTIQ-Rechte und queere Sichtbarkeit erwarte ich eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung. Es mag auf der «gesetzlichen Seite» in Deutschland so scheinen, als würden wir die Ziele erreichen können. Aber wir hören täglich die Stimmen, die sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle richten. Wir erleben gewalttätige Übergriffe und das allgemeine Sinken der Hemmschwelle, was Beleidigungen etc. angeht. Wir sind nicht auf der sicheren Seite.

International können wir auch nicht hoffnungsvoll sein: Ungarn schafft die Gender Studies ab, Taiwan spricht sich gegen die Eheöffnung aus, die Situation für LGBTIQ in Afrika, den arabischen Ländern und Russland ist desaströs. Persönliche Sichtbarkeit und Solidarität bleiben für mich die Schlüssel für Verbesserungen.

Steffen Paar, Evangelischer Pastor in Sülfeld (Schleswig-Holstein):

Mit Blick zurück auf die Zeit vor rund 20 Jahren, als ich mich geoutet habe, ist viel Gutes in Sachen LGBTIQ-Rechte passiert. Das macht mich dankbar. Ich hoffe, dass besonders mit Blick auf die Rechte der trans und intergeschlechtlichen Menschen noch mehr geschieht.
Gleichwohl sind Gesetze nur eine Seite.

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Diskriminierung wird meiner Meinung nach nicht nur durch rechtliche Regelungen beseitigt, sondern bedarf einer menschen- und situationssensibleren Haltung. Das Verständnis für einen Menschen und seiner Sexualität, die von der eigenen abweicht, hat es immer noch schwer, selbst in der eigenen Community.

Gerade die Kirche hat in Vergangenheit und Gegenwart viel Schuld auf sich geladen

Ich bin Pastor einer evangelischen Kirchengemeinde auf dem Land nördlich von Hamburg. Ich treffe Menschen, die sich nicht trauen, sich als schwul zu outen oder sich nur im Verborgenen erlauben, ihre eigentliche geschlechtliche Identität zu leben. Hier setzt das ein, was ich tun kann: Immer wieder thematisieren, auf eigene Worte achten, und denen ins Wort fallen, die wissentlich oder unabsichtlich diskriminieren. Gerade die Kirche hat in Vergangenheit und Gegenwart viel Schuld auf sich geladen. Darum stehe ich freudig vorne und erzähle mit meinem Predigen und Tun vom menschenfreundlichen Gott, dessen Gesicht hier auf der Erde so bunt ist wie unsere LGBTIQ-Community. Vielleicht kann ich so helfend begleiten, dass Menschen sich selber lieben lernen, egal, was Gesetze und andere sagen.

Weitere Stimmen zum Thema findest du in der Januar/Februar-Ausgabe der MANNSCHAFT. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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