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«Warum kriegt Armistead Maupin all die schwulen Männer?»

US-Bestsellerautor Davis Sedaris über schwule und lesbische Fans sowie über Nichtwähler

David Sedaris
David Sedaris als Gast in THE TONIGHT SHOW STARRING JIMMY FALLON (Foto: NBC/Screenshot)

David Sedaris war gerade mit seinem neuen Buch «Calypso» auf Lesetour in der Schweiz und in Deutschland. Wir sprachen mit ihm über die Eheöffnung, seine schwul-lesbischen Fans und die anstehenden Kongresswahlen.

Mr. Sedaris, Sie schreiben in «Calypso» über die Eheöffnung in den USA, der eine unbestrittene Vorteil von Schwulen und Lesben sei immer gewesen, dass wir Leute nicht dazu zwangen, unsere Hochzeitsfeiern auszusitzen. Finden Ihre schwulen Leser diesen Part lustig oder hat sich da mal jemand beschwert?
Nein. Es ist doch so: Selbst wenn du total homophob bist, musst du doch zugeben: Das gute an Homosexuellen ist: Sie zwingen dich nicht zu ihrer Hochzeit zu gehen. Übrigens ist es so: Wenn ich im Theater lese vor, sagen wir, 2000 Leuten, dann sitzen da vielleicht 20 schwule Zuschauer, aber 300 Lesben!

Worauf führen Sie das zurück?
Vermutlich weil ich nicht über Sex schreibe. Ich war mal bei einer Lesung von Armistead Maupin («Tales of the City») in London, und da waren eine Menge schwuler Männer, und ich dachte: Warum kriegt er all die schwulen Männer? Ich glaube, es liegt am Sex. Und ich glaube auch, Schwule mögen richtig böse Frauen … Es ist aber wirklich so, dass immer alle glauben, ich hätte eine riesige schwule Fangemeinde. Tatsächlich glaube ich, dass Schwule in ihrem Adressbuch etliche schwule böse Männer haben, die so lustig sind wie ich oder lustiger. Die finden mich vielleicht nicht so lustig, weil sie schon lustige Freunde haben. Während lesbische Frauen … (er fängt an zu kichern) lesbische Frauen und Heteros haben vielleicht nicht so viele lustige Freunde. (lacht sehr laut).

David Sedaris
Kriss Rudolph (re) traf David Sedaris in Berlin (Foto: privat)

In den USA stehen Wahlen zum Kongress an, nun leben Sie aber in England …
Aber ich habe schon gewählt! Ich habe Briefwahl gemacht. Ich habe mich aber umgemeldet. Früher lebte ich in New York, aber New York ist ein demokratisches Bundesland, es braucht meine Stimme nicht. Ich habe ja ein Strandhaus in North Carolina, und dort habe ich jetzt mein Wohnsitz. [North Carolina ist Teil des Bible Belts und hat eine starke konservativ-republikanische Wählerschaft, Anm d Red]. Ich war total nervös, dass ich meine Stimme auch wirklich rechtzeitig abgebe. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, wenn meine Stimme verloren geht, auch bei der Wahl vorher. Ich habe kein Verständnis für Menschen, die nicht wählen.

Mehr lesen: So unterhaltsam ist das neue Buch von David Sedaris!

Sie wählen demokratisch und haben für Clintons Kampagne Geld gespendet. Und dann schrieb man Ihnen: Danke, aber wir hätten gern mehr!
Und all die vielen Anrufe von den Kampagnenleuten: Hey, könnten Sie noch mehr geben? Ich meine, ich habe 1000 Dollar gespendet. Die wissen doch gar nicht, wie viel Geld ich habe!

Spenden Sie trotzdem wieder?
Ja. Ich habe den Demokraten in North Carolina Geld gespendet, und das geht leider nicht, ohne sich mit einer Mailadresse zu registrieren. Ich gebe das Geld jetzt immer einer meiner Schwestern, damit sie es spendet. Und jetzt kriegt sie all die lästigen Anrufe. (lacht).

Das vollständige Interview erscheint in der deutschen November-Ausgabe der MANNSCHAFT. Hier geht’s zum Abo (Deutschland) – und hier auch (Schweiz).

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