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Nach Vorführung von «Der Kreis»: Brandanschlag auf das älteste Kino in Kiew

Vorletzte Nacht ist das Kino Zhovten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach einem Brandanschlag vollständig niedergebrannt. Dies keine 24 Stunden nachdem in dem historischen Kinosaal im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Molodist der Schweizer Film «Der Kreis» gezeigt wurde. Nun wird abgeklärt, ob der Brandanschlag einen homophoben Hintergrund hat.

Darsteller Ernst Ostertag, Röbi Rapp und Produzent Ivan Madeo im Kino Zhovten.
Darsteller Ernst Ostertag, Röbi Rapp und Produzent Ivan Madeo im Kino Zhovten.
Am Montagabend im Kino «Zhovten» in Kiew: Im Rahmen des Sunny Bunny Wettbewerbs von Molodist, dem grössten und wichtigsten Filmfestival in der Ukraine, wird der Schweizer Film «Der Kreis» (Regie: Stefan Haupt) gezeigt, der an der Berlinale den Teddy Award gewonnen hat und von der Eidgenossenschaft als offizieller Schweizer Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt wird. Bevor die Lichter im historischen Kinosaal ausgehen, betreten Ivan Madeo (zusammen mit Urs Frey Produzent des Films «Der Kreis»), die beiden Zeitzeugen Ernst Ostertag und Röbi Rapp sowie der Hauptdarsteller Matthias Hungerbühler die Bühne. Madeo spricht in seiner Begrüssungsrede über das Recht auf Liebe, dass diese, ganz egal welche Ausrichtung sie habe, in keinem Land der Welt kriminalisiert werden dürfe. Die Geschichte des «Kreis» zeige, wie wichtig es sei, sich für sein Menschenrecht auf Liebe einzusetzen. Im Kinosaal herrscht gespannte Stille. Madeo: «Ich wusste, ich betrat damit unsicheres Gelände, aber ich wollte den Zuschauern Hoffnung mit auf den Weg geben, ganz besonders hier, in Kiew.»

Die Leute haben die Botschaft dankbar angenommen. Nach der Filmvorführung werden die Gäste aus der Schweiz mit Erlebnisberichten von schwulen und lesbischen Kinobesuchern konfrontiert, die traurig stimmen: Viele fragen Röbi Rapp und Ernst Ostertag um Rat und erzählen, die Ukraine sei heute genau an dem Punkt, an dem die Schweiz in der Zeit des «Kreis» war. Die Polizei führe Razzien und Hausdurchsuchungen durch, es würden willkürliche Verhaftungen vorgenommen und für viele Homosexuellen sei der Gefängnisaufenthalt schon fast Teil des «normalen» Lebenslaufs.

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Brandsatz in vollen Kinosaal geworfen
Keine 24 Stunden später: Im Kino Zhovten wird der französische Film «Les Nuits d’été» (Regie: Mario Fanfani) gezeigt, auch er, wie «Der Kreis», mit einem LGBT-Inhalt: Ein Notar, der glücklich mit einer Frau verheiratet ist und diese aufrichtig liebt, hadert mit seinem Hang zur Travestie! Der Film geht der Frage nach, wie lange ein Mensch eine solche Belastung mit sich herumtragen kann, ohne daran zu zerbrechen. Plötzlich wirft ein Unbekannter einen Brandsatz in den Zuschauerraum, Feuer bricht aus. Die Zuschauer verlassen das Kino fluchtartig, wie durch ein Wunder wird niemand ernsthaft verletzt. Die Feuerwehr ist zwar rasch zur Stelle, kann aber nicht mehr viel ausrichten: Das älteste Kino von Kiew brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Das zerstörte Kino Zhovten.
Das zerstörte Kino Zhovten.
Noch steht das Motiv des Täters nicht fest, aber die Vermutung liegt nahe, dass der Brandanschlag einen homophoben Hintergrund hat. Schon früher gab es immer wieder Demonstrationen und Drohungen, wenn im Kino Zhovten Filme zu LGBT-Themen gezeigt wurden. Eine andere Quelle spricht von wohlhabenden Kiewer Geschäftsleuten, die anstelle des alten Kinos ein riesiges Shopping-Center bauen wollten. Kiews Bürgermeister, der ehemalige Boxchampion Vitali Klitschko, traf kurz nach Mitternacht beim Brandort ein und versicherte den Anwesenden, er werde sich dafür einsetzen, dass das kulturell bedeutende «Zhovten» wieder aufgebaut werde.

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Festivaldirektor Andryi Khalpakhchi versichert seinerseits, dass das Molodist International Film Festival trotz allem wie geplant bis am Sonntag, 2. November, zu Ende geht. Der Film «Der Kreis» läuft derzeit in der Schweiz und in Deutschland in den Kinos.

Text: Medienmitteilung von Contrast Film, der Produktionsfirma des «Kreis»
Fotos: zvg

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