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Trump entsendet Richard Grenell abermals als «Botschafter»

Der «offizielle» Besuch Grenells auf dem Balkan, im Auftrag von Ex-Präsident Trump, sorgt für Verwirrung

Richard Grenell
Richard Grenell bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo (Foto: The Pavlovic Today / YouTube / Screenshot)

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag eine E-Mail verschickt, der zufolge er seinen ehemaligen Gehilfen Richard Grenell entsandt habe, um mit den Verantwortlichen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien aussenpolitische Gespräche zu führen.

In der E-Mail heisst es: «Heute hat mein Botschaftsgesandter (‹Envoy Ambassador›) Ric Grenell die Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien besucht, um dieses wichtige Abkommen zu unterstreichen (‹highlight this important agreement›). Die Abkommen, die meine Regierung ausgehandelt hat (‹brokered›), sind von historischer Bedeutung und sollten nicht aufgegeben werden; viele Leben hängen daran (‹many lives are at stake›).»

Grenell ist vielen in Deutschland bekannt als der erste offen schwule US-Botschafter in Berlin, der mit seinen Äusserungen zur politischen Lage und speziell zur AfD wiederholt für Schlagzeilen sorgte. Er setzte sich sehr offensiv für LGBTIQ-Belange ein, wurde jedoch von vielen queeren Organisationen in Deutschland bewusst gemieden wegen seiner «rechten» Ansichten. Als Botschafter in Berlin war er der höchstrangige offen schwule Politiker unter Trump, dessen Regierung wegen ihrer LGBTIQ-Politik wiederum unter Dauerbeschuss stand (MANNSCHAFT berichtete).

«Entschlossene Führungskraft»
Grenell wurde 2019 von Trump als Sonderbeauftragter zu den Friedensverhandlungen zwischen Serbien und dem Kosovo entsandt. Nun sollte er an die «entschlossene Führungskraft» («unwavering leadership») von Trump erinnern, die allein – «langfristig» – Frieden zwischen beide Nationen garantieren könne. Verbunden ist die Trump-E-Mail mit einem Spendenaufruf: «Donate to Save America». Der Journalist David Freedlander hat die entsprechende Nachricht von Trump auf Twitter geteilt, mehrere queere Medien haben daraus zitiert, u. a. veröffentlichte The Advocate zum aktuellen Grenell-Fall einen Artikel.


Während einer Pressekonferenz auf dem Balkan hat Grenell lokalen Journalist*innen mitgeteilt, dass er als Privatperson gekommen sei, weil er so frustriert sei, wie die Biden-Regierung die Wirtschaftsabkommen zwischen Serbien und dem Kosovo behandeln würden. Von dieser Pressekonferenz gibt es ein Video, dass bei YouTube hochgeladen wurde und Grenell genau so zeigt, wie man ihn aus seinen Berliner Tagen kennt: angriffslustig und kraftstrotzend.

YouTube video

Zur Erinnerung: Der Kosovo hatte sich 2008 als unabhängig von Serbien erklärt, während Serbien das nicht anerkennen wollte. Seither haben beide Länder versucht, ihre Beziehungen zueinander zu normalisieren, um der EU beitreten zu können (MANNSCHAFT berichtete).

Nach Heimkehr «Anruf vom FBI»?
Anschliessend besuchte Grenell noch Albanien. Der Präsident des Landes, Ilir Meta, teilte ein Foto vom Treffen auf Twitter. Dazu schrieb er: «Es ist immer eine Freude, (Richard Grenell) in Albanien und in meinem Büro zu haben. Sein Einsatz, die Beziehung und Kollaboration zwischen Albanien und den Vereinigten Staaten weiter zu stärken, wird sehr geschätzt.»


Der Besuch Grenells wirft viele Fragen auf. Denn: Es ist gesetzeswidrig, laut «Logan Act», dass sich eine US-amerikanische Privatperson in bestimmte aussenpolitische Geschäfte einmischt – speziell bei Ländern, mit denen die USA im Streit liegen.

The Advocate fragte deswegen beim Weissen Haus nach, wie die E-Mail Trumps und der Balkan-Besuch Grenells einzuordnen seien. Als Antwort kam: «Jenseits seiner sehr blühenden Fantasie ist Donald Trump nicht mehr der Präsident und hat keine ‹Botschaftsgesandten›, die die Vereinigten Staaten repräsentieren.»

Das LGBTIQ-Portal Queerty.com schreibt, dass Grenell nach seiner Heimkehr nun «einen Anruf vom FBI» erwarten könnte, weil er das Gesetz gebrochen habe.

Auf Twitter beschreibt sich Grenell übrigens als «imperfekter Gefolgsmann Christi», der derzeit in Kalifornien lebe, wo sein Hund «sein Leben bestimme».


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