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«The Dissapointments»: Webserie übers Leben schwuler Männer über 50

Autor und Schauspieler Rich Burns hat eine tragikomische YouTube-Serie kreiert über die Herausforderungen des Älterwerdens

The Dissapointments
Rich Burns (r.) und Trevor LaPaglia in der Webserie «The Dissapointments» (Foto: Instagram / @thedissapointmentstv)

Wie sieht schwules Leben bei Männern über 50 aus? Mit welchen Problemen schlagen sie sich rum, wie ist ihr Verhältnis zu Jüngeren? Was ist mit Sex und Freundschaften, Jobs und Rente? Diese Fragen behandelt die neue YouTube-Serie «The Dissapointments» von Rich Burns auf humorvolle Weise.

Der Schauspieler Rich Burns ist selbst ein attraktiver Muscle Daddy mit weissen Haaren und Bart. Der als Hauptdarsteller in seiner eigenen Serie sagt: «Wenn du über 50 bist, dann bist du in Hollywood nicht mehr vermittelbar.» Vermutlich war das im realen Leben für Burns der Anstoss, wie sein Alter Ego in der Serie für sich selbst eine Rolle zu kreieren – in «The Dissapoinments» spielt Burns den Drehbuchautor Ray Russo, der an einer neuen «bahnbrechenden» Serie schreibt, von der er sich Erfolg verspricht und damit auch Einkünfte. Denn aktuell muss er sich von seinem 34-jährigen Lover Dwight finanziell aushalten lassen, der im Gegensatz zum älteren «Romantiker und Träumer» sein Leben perfekt organisiert und beruflich ideal geordnet hat.

Im Kern geht die neue Serie mit jeweils 10-minütigen Folgen um die Beziehung zwischen Ray Russo und dem jungen Immobilienmakler Dwight, aber auch um Rays Gruppe von besten Freunden, die genauso alt sind wie er und die sich mit ähnlichen Problemen rumschlagen müssen – ohne so Pin-up-mässig auszusehen wie Burns. (MANNSCHAFT berichtete auch über 10 Serien mit queeren Frauen.)

YouTube video

Die Webserie ist schon länger in Planung, erste Ankündigungen gab es bereits 2018. Nun ist sie im November an den Start gegangen. Aktuell sind drei Folgen online abrufbar. Jeden Montag sollen zwei weitere Folgen neu hinzukommen, heisst es auf dem YouTube-Kanal. Zusätzlich gibt es einen kurzen Trailer, der verschiedene weitere Entwicklungen der Handlung andeutet.


Deillusioniert vom Leben?
«Ich sass mit ein paar Freunden beim Abendessen, dabei unterhielten wir uns über einen Freund, ein schwuler Produzent, der Depressionen hatte und mit Geldproblemen kämpfen musste, aber auch mit Karriererückschlägen», erzählt Burns in einem Interview. «Dieser Produzent hatte sich kurz davor tragischerweise das Leben genommen. Wir hatten auch andere Freunde, die das getan hatten. Alle innerhalb eines einzigen Jahres. Sie waren in ihren späten 40ern und frühen 50ern, alle waren desillusioniert darüber, wie sich ihr Leben entwickelt hatte.» (MANNSCHAFT berichtete über die besondere Häufung von Depression und Burnout bei Queers.)

Gleichzeitig habe es Personen in Burns Umfeld gegeben, die darüber staunten, wie Träume, die sie als Kinder gehabt hatten, einfach nicht wahrgeworden seien. «Sie brauchten neue Träume, neue Karriereperspektiven, ein neues Leben», so Burns. «Und deshalb haben sie in ihren 40ern die Dinge aufgemischt und sich selbst neu erfunden. Dadurch haben sie Freude und Erfolg gefunden, als direkte Folge dieses Neuanfangs.»

Beide Optionen – Selbstmord und Neustart – seien «sehr unterschiedliche Antworten auf das gleiche Dilemma», meint Burns. Und das sei der Moment gewesen, wo die Idee zu «The Dissapointments» geboren worden sei.


Venice Beach als Schauplatz
Neben Burns spielen in der Serie Gedde Watanabe, James Campbell und Trevor LaPaglia als jugendlicher Superhunk mit. Regie führt, abwechselnd mit Burns, Steve Cubine.

Gedde Watanabe (l.) und James Campbell als beste Freunde von Ray in «The Dissapointments» (Foto: YouTube / The Disappointments – A Webseries)

Man sieht die Charaktere in Venice Beach sowie in Los Angeles, wo sie mit teils haarsträubend komischen Alltagssituationen klarkommen müssen. Besonders unterhaltsam sind dabei die Zusammenstösse der älteren Herren mit Vertreter*innen einer jungen Queer Community. Und auch der Fakt, dass Ray Russo sich von einem deutlich jüngeren Mann aushalten lässt – in Umkehrung der typischen Sugar-Daddy-Situation – sorgt für böse Kommentare in seinem Fitnessstudio und zwingt ihn darüber nachzudenken, ob das eigentlich so schlimm sei.

Kurz: Es werden viele Fragen behandelt, die einem als 50-Plusser bekannt vorkommen werden. Aber es geschieht in dieser Tragikomödie immer so, dass man dabei eine lebensbejahende Botschaft mitnehmen kann. Und neben den unendlich vielen Coming-out-Teenagergeschichten, die es vor allem bei Netflix aktuell gibt, ist es erfrischend, einmal eine andere Altersgruppe in solch einem Serienformat repräsentiert zu sehen. Auch wenn Burns‘ Schauspielkünste sich anfühlen wie ein Sportstudio-Workout … wenigstens pulsieren die Muskeln in jeder einzelnen Einstellung! (MANNSCHAFT berichtete über sehenswerte Serien mit LGBTIQ-Charakteren bei Netflix und Amazon Prime.)

 

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