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Strafanzeige gegen Birgit Kelle nach Text über «angebliche Transkinder»

Polemisch wettert die erzkonservative Publizistin gegen die «Trans-Lobby»

Foto: Screenshot/Demo für alle

Birgit Kelle organisierte einst in Baden-Württemberg die Demo für alle gegen den LGBTIQ-inklusiven Bildungsplan und veröffentlicht immer wieder in rechtspopulistischen und AfD-nahen Medien. Nun wurde wegen eines Gastkommentars in der NZZ Strafanzeige wegen Volksverhetzung eingereicht.

Die Zahl «angeblicher Transkinder» explodiere auf der ganzen Welt, schreibt Birgit Kelle, die gerne mit Übertreibungen und Polemik arbeitet. Deutsche Kliniken etwa in München oder Hamburg verzeichneten eine Verfünffachung der Zahlen. Nun habe man im vergangenen Jahr in Deutschland die adäquate medizinische Behandlung dieser Kinder kriminalisiert. Ärzt*innen, die den Wunsch nach einer Geschlechtsanpassung vor allem bei Kindern auf Ernsthaftigkeit hinterfrage, stünden nun mit einem Bein auf der Anklagebank, so die katholische Bestseller-Autorin mit CDU-Mitgliedsausweis.

In ihrem NZZ-Gastkommentar vom 28. Januar 2021 wettert Kelle gegen die «weltweiten Trans-Lobby-Gruppen» mit ihrer «Pippi-Langstrumpf-Ideologie»: «Jeder soll sein, wie er möchte, und niemand soll ihn davon abhalten», sei deren Ziel. Sollte sie sich diese Trans-Lobby durchsetzen, so könne sich jede*r paaren und lieben, «egal mit wem und wie vielen, und wenn ihm unwohl wird, ändert er eigenmächtig seinen geschlechtlichen und damit auch emotionalen Zustand, um sich in Endlosschleife neuem Glück zuzuwenden», so Kelle.


Für Kelle stellt die Behandlung von trans Jugendlichen mit Pubertätsblockern eine «Körperverletzung» dar – die Entscheidung hierüber dürfe man Minderjährigen nicht allein überlassen. Das Verbot sogenannter Konversionstherapien nennt sie die «Kriminalisierung einer adäquaten therapeutischen Begleitung».

Am Ende ihres Textes finden sich zustimmende Kommentare wie dieser auf der NZZ-Seite: «So schmerzhaft es im Einzelfall auch sein mag, Unsicherheit bezüglich des eigenen Geschlechts und der eigenen Identität ist in den allermeisten Fällen nur eine vorübergehende Phase. Das wächst sich sozusagen aus und am Ende dieses Prozesses steht ein ganz normaler Mensch.» Erwachsene müssten den Mut und die Kraft haben, dies «verwirrten Jugendlichen» zu sagen, auch wenn sie es nicht hören wollen, meint der Verfasser des Kommentars.

Der Gastkommentar von Birgit Kelle hat die Feministin und taz-Autorin Sibel Schick jetzt dazu veranlasst, Strafanzeige wegen Volksverhetzung und eine Beschwerde beim Presserat gegen die NZZ einzureichen. Kelles Text sei eine «Verschwörungserzählung», die Diskriminierungen relativiere und Menschen pathologisiere. Indirekt bezeichnete sie Kelle als Faschistin.


Sie werde nicht warten, bis der Faschismus übernimmt und später erzählen, sie habe gedacht, wenn sie Faschist*innen lang genug ignoriere, dann verschwänden sie von alleine.

Schick weiter: «Ich kann allen, die die Ressourcen haben, ans Herz legen anzuzeigen und sich beim Presserat zu beschweren. Der Text ist eine Verschwörungserzählung, relativiert jegliche Diskriminierungen, pathologisiert Menschen, fordert ihre Bevormundung und macht Rechtsverletzungen unsichtbar.»

Birgit Kelle wettert immer wieder gegen Eheöffnung, Bildungspläne, die sie als «sexuelle Indoktrinierung der Schulkinder» diffamiert, gegen den «Genderwahn» und gegen LGBTIQ-Rechte und ist gern gesehene Rednerin bei Demo-für-alle-Veranstaltungen. Ihr antifeministisches Buch «Dann mach doch die Bluse zu» ist im AfD-Fanshop erhältlich.


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