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Regenbogenfahne als «Kampfsymbol einer radikalen Agenda?»

Die Äusserungen eines Kurier-Redakteurs schlagen hohe Wellen

LGBTIQ-Rechte
Symbolbild: AdobeStock

Der Post eines leitenden Kurier-Redakteurs über die Regenbogenfahne als Kampfsymbol hat in Österreich für Wirbel gesorgt. Der Journalist erklärt nun: Die LGBTIQ-Bewegung verfolge eine Agenda, die weit über das berechtigte Anliegen der Nichtdiskriminierung hinausgehe.

Das Facebook-Posting des Kurier-Redakteurs, Rudolf Mitlöhner, über die Regenbogenfahne als Kampfsymbol, nicht aber als Zeichen der Toleranz, hat zu einem massiven internen Protest des Redakteursausschusses geführt, aber auch von queeren Mitarbeiter*innen der Tageszeitung.

Mario Lindner, Mitglied des Nationalrats (MANNSCHAFT berichtete) und Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBTIQ-Organisation SoHo, erklärte via Twitter: Das Hissen der Pride-Fahne zum IDAHOBIT sei «ein Zeichen der Solidarität mit einer Community, die jahrzehntelang verfolgt, diskriminiert und isoliert wurde». Wie notwendig dieses Symbol sei, zeige das Anzünden von Regenbogenflaggen (MANNSCHAFT berichtete), aber auch die Reaktion von Mitlöhner.

«Meingott, Sobotka!», hatte der Vize-Politikchef am IDAHOBIT auf Facebook geschrieben. Gemeint war Österreichs Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: Der hatte die Regenbogenfahne vor dem Haupteingang des Parlamentshissen lassen, ausdrücklich «als Zeichen für Vielfalt».


«Dafür brauchen wir einen christdemokratischen Nationalratspräsidenten», ätzte der Redakteur auf seinem Facebook-Account: Sobotka verstehe offenbar nicht, dass die Regenbogenfahne nicht, wie immer behauptet, ein Zeichen der Toleranz, sondern – im Gegenteil – ein «Kampfsymbol einer radikalen gesellschaftspolitischen Agenda» sei. Die komme, wie vieles von ,links‘, im Gewand harmloser Menschenfreundlichkeit daher. «Solches und Ähnliches nicht zu durchschauen – das sind die wahren Schwächen heutiger bürgerlicher Politik, nicht irgendwelche Chat-Protokolle», so Mitlöhner.

Die Chefredakteurin des Kurier, Martina Salomon, habe Mitlöhner «umgehend nach Bekanntwerden seines Posts ersucht, diesen Eintrag auf seiner privaten Facebookseite zu löschen», erklärt Salomon gegenüber dem Standard. Der Redakteur sei dem auch sofort nachgekommen.

Der Hinweis, den Eintrag zu löschen, begrüssten die queeren Kurier-Redakteur*innen in einem vom Redakteursausschuss intern versandten Appell, erklärten aber, sie wünschten sich künftig ein redaktionsweites Bekenntnis zu einem offenen, liberalen und diversen Arbeitsklima, in denen Homophobie, Rassismus, Sexismus und jede andere Art von Diskriminierung nicht toleriert würden. Salomon erklärte daraufhin in einer internen Stellungnahme, die gesamte Chefredaktion sei selbstverständlich gegen jede Form der Diskriminierung und für Toleranz.


Der Standard bat Mitlöhner über Pfingsten um Stellungnahme. Der Redakteur distanzierte sich darin «ganz klar von jeder Art von Diskriminierung Homosexueller». Er sei aber überzeugt, dass die LGBTIQ Community eine Agenda verfolge, die über das berechtigte Anliegen der Nichtdiskriminierung deutlich hinausgehe. «Das reicht weit in die Gesellschafts- und Familienpolitik hinein, betrifft Fragen der (Sexual-)Pädagogik und natürlich der gesamten Gender-Debatte. Daher sehe ich die Regenbogenfahne, welche für die LGBTQ-Szene steht, eben nicht einfach nur als Symbol von Toleranz und Vielfalt.»

Man könne selbstverständlich deren Ziele teilen, so Mitlöhner. «Aber es muss eben auch möglich sein, daran Kritik zu üben, ohne der ‚Homophobie‘ geziehen zu werden.»


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