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Optimierung bis zum Geht-nicht-mehr? Mehr Body Positivity!

Beeinflussen und beeinflussen lassen

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Foto: Patrick Mettraux

Facebook hat am Freitag wieder mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt wie schon zu Beginn der Woche (MANNSCHAFT berichtete). Einige Nutzer*innen hatten Probleme, Apps und Dienste des Konzerns zu erreichen, wie Facebook bei Twitter einräumte. Auch Instagram war wieder betroffen. Nach wenigen Stunden war die Störung wieder behoben. Mal auf den ewigen Körperdruck verzichten, findet unser Kommentator* ganz gut.

Facebook ist für die (eher) Alten, Tiktok für die (ganz) Jungen und dazwischen gibt es Instagram. Der Zweck von Facebook war ursprünglich, sich mit seinen Freund*innen zu vernetzen und den Kontakt zu pflegen. Aus dem Portal ist heute eine Krake mit Fakenews und mangel- beziehungsweise zweifelhaften Datenschutz- praktiken sowie vielen Freundschaftsanfragen williger und lüsterner Damen und Herren aus zwielichtigem Milieu (gilt auch für Instagram!) geworden.
Tiktok hingegen ist ein Videoportal für die Lip- pensynchronisation von Musikvideos mit zusätzlichen Funktionen eines sozialen Netzwerkes, erklärt uns Wikipedia. Das muss man nicht verstehen. Und darum geht es hier auch nicht.

Hier geht es um das Dazwischen, um Instagram. Was ursprünglich als Plattform zum Teilen von Fotos und Videos gedacht war, das ist es im Grundsatz auch geblieben. Instagram gehört zwar ebenfalls zu Facebook, auf dieser Plattform ist alles jedoch irgendwie unpersönlicher und ja: darum um einiges oberflächlicher. Nicht umsonst ist aus Instagram ein Tummelplatz für Influencer*innen und solchen, die das gerne wären, geworden. Das muss man mal so richtig sacken lassen: Es gibt eine Plattform für Beeinflusser*innen und Menschen folgen Profilen wildfremder Menschen, um sich beeinflussen zu lassen!

Weltweit 500 Millionen Nutzer*innen schauen täglich bei Instagram vorbei. Kein Wunder – da möchte man sich so gut wie möglich präsentieren. Doch diese Präsentierwut ist ausgeartet. Mittels Photoshop und anderen Apps werden Brüste vergrössert, Ränzlein verkleinert, Bizeps aufgepumpt, Taillen verschlankt, Hälse verlängert oder nichtexistierende Sixpacks mit einem Klick auf den Bauch gezaubert. (Kike Fernandez aus Venezuela dagegen sagt: «Auch ein dicker Körper kann ein sexy Körper sein» – MANNSCHAFT+).


Der Himmel ist auf Instagram blauer, der Teint gebräunter, der Strand und die Zähne weisser und alles ist einfach schöner und optimierter als die Wirklichkeit auf dieser Welt jemals sein könnte.

Die Folge davon ist «kroppspress». Das ist Norwegisch und heisst soviel wie «Körperdruck». Mit einem im letzten Juni beschlossenen Gesetz möch- te das norwegische Parlament die Gesellschaft vor diesem Körperdruck schützen: Ab nächstem Juli muss retuschierte Werbung klar als solche gekennzeichnet werden und zwar dann, wenn an der Körperform, der Grösse oder der Haut der abgebildeten Menschen irgend etwas in irgend einer Form verändert wurde. Zugegebenermassen ist die Umsetzung dieses Gesetzes nicht ganz einfach, denn oft sieht man den Bildern ja nicht an, dass sie retuschiert worden sind.

Kleiner (oder grosser?) Trost für alle, die sich nun zeigen müssen, wie sie wirklich sind: Studien belegen, dass Body-Positivity-Werbekampagnen beim Publikum deutlich besser ankommen als Werbung, die ein unrealistisches Schönheitsideal propagiert. Haben wir das nicht schon immer gewusst? Eigentlich?


Dieser Artikel ist zuerst in der MANNSCHAFT-Herbstausgabe erschienen. Da gibt es noch viel mehr zu entdecken.

*Jeden Samstag veröffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.


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