in

«Liebe ist halal» – Mehr Akzeptanz für queere Muslim*innen

In Berlin startet eine neue Kampagne

Seyran Ates, geschäftsführende Gesellschafterin der Ibn Rushd-Goethe Moschee, steht bei der Vorstellung einer Akzeptanzkampagne für queere Muslim*innen vor einem Plakat (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Immer wieder werden queere Muslim*innen von ihren Familien verstossen oder gar getötet, wenn sie sich outen. Nun wirbt eine neue Kampagne für mehr Akzeptanz: «Liebe ist halal – Liebe ist erlaubt.»

Am Dienstag hat die Ibn Rushd-Goethe Moschee mit ihrer Anlaufstelle Islam & Diversity (AID) eine Akzeptanzkampagne für queere Muslim*innen gestartet. Plakate mit insgesamt fünf verschiedenen Motiven werden ab sofort in Berlin verbreitet. Ihre Botschaft: «Liebe ist halal – Liebe ist erlaubt.»

Die Kampagne richtet sich gegen die gerade innerhalb muslimischer Gemeinschaften vorherrschende Auffassung, sexuelle Vielfalt sei im Islam verboten. Die vom Bundesfamilienministerium geförderte Anlaufstelle Islam & Diversity (AID) hält dagegen: Muslimisch und queer – das lasse sich sehr wohl miteinander vereinbaren. Angeboten werden in der AID unter anderem seelsorgerische Beratung, ein Schutzraum sowie verschiedene Plattformen für einen regelmässigen Austausch.

«Wir können uns keinen Gott vorstellen, der sich gegen die Liebe von zwei Menschen stellt», erklärt Seyran Ateş, die Gründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee und deren geschäftsführende Gesellschafterin. Und doch werden queere Muslime und Musliminnen immer wieder von ihrer Familie ausgestoßen oder gar getötet. Die Imamin und Frauenrechtlerin erwähnte am Dienstag auch den jungen Iraner Alireza Fazeli-Monfared, dessen grausames Schicksal kürzlich bekannt wurde: Der 20-jährige wurde Anfang Mai in seiner Heimat von einem Halbbruder und zwei Cousins enthauptet, weil er schwul war (MANNSCHAFT berichtete).


«Dies ist nur eine Geschichte von vielen Dramen, die sich in Familien abspielen», erklärt Ateş. Diese Kampagne sei auch für all die Menschen, die ihre Stimme nicht erheben können, etwa aus Angst. Man trage das Anliegen von Millionen von Muslim*innen in die Öffentlichkeit. Es handle sich nicht um eine Angelegenheit von Einzelpersonn. «Es betrifft nicht irgendwelche perversen Phanstasien von einer kleinen Gruppe von Musliminnen und Muslimen; es sind Millionen von Menschen, Einzelschicksale und ihre Lebensrealität.»

In den muslimischen Communitys sehe sie noch grossen Handlungsbedarf, auch wenn hier schon  grosse Veränderungen stattfänden. «Der Islam braucht eine sexuelle Revolution – und er wird sie bekommen», sagt Ateş.

Liebe ist halal
Seyran Ateş (r), mit den Models Tugay (l) und Kweengypsy (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Die Wall GmbH stellt zur Verbreitung der Kampagne über 750 Flächen im City Light Poster-Format sowie digitale Werbeflächen im gesamten Berliner Stadtgebiet zur Verfügung. Die Models sind bi, trans, lesbisch oder schwul, so wie Tugay Saraç, der Koordinator der AID.


«Als schwuler Muslim erlebt man viel Gegenwind. Nach meinem Coming-out wollten viele meiner muslimischen Freunde mit mir nichts mehr zu tun haben. Viele machen solche Erfahrungen, bekommen von Freunden und der Familie erschreckende Sätze zu hören.» Er habe sich in seiner Jugend einen Ort gewünscht, an dem ich mich mit anderen austauschen kann..

Kweengypsy, der in Berlin als Dragqueen auftritt, ging es ähnlich. Er kommt aus einer konservativen Familie. «Meine Mutter sagte schon früh zu mir: ‚Wenn du schwul wirst, bringe ich mich um!‘“ Unzählige Morddrohungen und Beleidigungen hat Gypsy immer wieder erlebt, darum ist er dankbar, dass er diese Kampagne als Botschafter vertreten darf. «Wow, was für ein Geschenk».


Hassrede

Verhetzende Beleidigung soll Straftat werden

Schwulenbewegung

50 Jahre neue Schwulenbewegung: Wo ist sie hingekommen?