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++ 101 x Gewalt gegen LGBTIQ in Bayern ++ Kölner AIDS-Hilfe in Finanznot ++

LGBTIQ News aus Deutschland: kurz, knapp, queer

Hassverbrechen gegen LGBTIQ
Michael Plaß, Leiter des Anti-Gewalt-Projekts (Foto: Mark Kamin)

Für den schnellen Überblick: Unsere LGBTIQ News aus Deutschland ab dem 8. Februar 2021!

++ Bayern: 101 Gewaltfälle gegen LGBTIQ in 2020 ++

Die bayernweite LGBTIQ Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt «Strong!» verzeichnet 101 Gewaltfälle in 2020. Seit etwas über einem Jahr gibt es diese Fachstelle in München (MANNSCHAFT berichtete) – sie ist im Sub e.V. unter dem Namen «Strong!» angesiedelt. Neben der bayernweiten Chat- und Telefonberatung hat es sich die Fachstelle auch zur Aufgabe gemacht, Zahlen zu erheben, um LGBTIQ-feindliche Vorfälle zu dokumentieren. Die Polizei im Freistaat führt darüber keine eigene Statistik und subsumiert diese Art von Straftaten, ebenso wie beispielsweise rassistisch motivierte Taten unter dem Begriff Hassverbrechen oder erfasst sie ohne besondere Kennzeichnung.

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Foto: Strong!

Durch das Fehlen valider Daten zu homo- und transfeindlichen Vorfällen in Bayern könne kein wirkliches Problembewusstsein auf politischer Ebene geschaffen werden, so Michael Plaß, Berater bei «Strong!. «Mit unserer Arbeit versuchen wir dem entgegen zu wirken, auch wenn es noch ein weiter Weg ist. Viele Menschen, die LGBTIQ-feindliche Diskriminierung erfahren, wissen nicht, dass sie diese Vorfälle melden können oder sie nehmen diese als fast schon selbstverständlich hin. 2020 wurden bei uns 101 Fälle gemeldet, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Doch die Dunkelziffer ist erheblich höher und wir arbeiten weiter daran, ein Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen», so Plaß weiter.

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++ Kölner AIDS-Hilfe in Finanznot ++

Der coronabedingte Wegfall von Einnahmen des Beratungs- und Testangebotes, die Mehrausgaben durch Hygiene- und Digitalisierungsmassnahmen, die Mindereinnahmen durch Ausfälle einiger unserer Benefizevents, aber auch die Umstrukturierung von Angeboten ergeben ein Minus von 100.000 Euro allein in 2020. Eine regelmässige, aber nun auch weggebrochene Förderung von 100.000 Euro der MAC Aidsfund-Stiftung aus den USA erschwere das Aufrechterhalten der Angebote und der Zukunftspläne sehr, teilte die Kölner AIDS-Hilfe jetzt mit.

Im Herbst zieht die Aidshilfe Köln in neue, barrierefreie Beratungs- und Geschäftsräume am Heumarkt und schliesst damit das nach eigenen Angaben grösste Bau- und Umzugsvorhaben in der Geschichte des Vereins ab. Für den Umzug, das Mobiliar, die Ausstattung des Regenbogencafés und den Mittagstisch HIVissimo – der dann wiederbelebt werden soll – fehlen der Aidshilfe 300.000 Euro. Hier kann man spenden.

++ Hilfe für trans Sexarbeiter*innen ++

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Foto: Maru Lombardo/Unsplash

Mit dem erneuten Lockdown wurde auch die Sexarbeit wieder verboten. Dies trifft trans Sexarbeiter*innen, die aus dem Ausland in die Hauptstadt gekommen sind, besonders hart. Für diese Gruppe stellt das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) nun kurzfristig 20 Wohnplätze in einer queeren Unterkunft für Geflüchtete zur Verfügung. Betreiber ist die Schwulenberatung Berlin.

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LAF-Präsident Alexander Straßmeir erklärte: «Trans Personen, die prekär leben, sind nicht nur durch die Obdachlosigkeit selbst, sondern auch aufgrund ihrer Identität verschiedensten Diskriminierungen und auch physischen Gefährdungen ausgesetzt. Mit unserer Unterkunft für queere Geflüchtete bieten wir eine offene und sensible Begleitung auch für trans Personen an.» Auf dem Wege der Amtshilfe stelle man darum die 20 Plätze zur Verfügung.

++ Keine TSG-Reform 2021? ++

Das Transsexuellengesetz soll reformiert werden – es besteht seit 40 Jahren (MANNSCHAFT berichtete) und ist in grossen Teilen verfassungswidrig. In der Berliner Zeitung erklärte jetzt der CDU-Abgeordnete Henrichmann, «dass das TSG reformbedürftig ist». Allerdings gebe es weiter Streit zwischen Regierung und Opposition, wie weit die Selbstbestimmung für trans Menschen gehen soll.

Das SPD-geführte Bundesjustizministerium sowie FDP und Grüne haben bereits Entwürfe vorgelegt. Nun habe auch das CSU-geführte Innenministerium einen Entwurf erarbeitet. Der FDP-Sprecher für LGBTI-Politik, Jens Brandenburg, wollte nun von der Bundesregierung wissen, ob eine Reform noch in dieser Legislaturperiode kommt. Antwort: Der politische Meinungsbildungsprozessinnerhalb der Bundesregierung zur Reform des Transsexuellenrechts ist noch nicht abgeschlossen.

++ LeTRa hilft Frauen aus Uganda ++

Demo in München (Foto: Letra)

Mitte Januar wurde Ugandas Präsident Yoweri Museveni zum sechsten Mal in Folge wiedergewählt (MANNSCHAFT berichtete). Hass und Hetze gegen LGBTIQ war auch in diesem Jahr wieder Bestandteil seines Wahlkampfes. In Uganda steht lebenslange Haft auf Homosexualität, Politiker*innen und religiöse Autoritätspersonen unterstützen öffentlich Hetzjagden auf Queers. Diese realen Bedrohungen hindern LGBTIQ auch dabei, an der Wahl teilzunehmen, wie Reuters berichtete.

Die Lesben-Beratungsstelle LeTRa in München unterstützt derzeit mehr als 130 geflüchtete Frauen aus Uganda, die selbst weiterhin Kinder, Familie und Freund*innen in Uganda haben. Am 31. Januar fand dazu eine Demonstration am Odeonsplatz statt.

++ Hallervorden stänkert gegen #ActOut ++

Dieter Hallervorden (Archivbild: Gerald Matzka/dpa-Zentralbild)

Vergangene Woche outeten sich zahlreiche Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans (MANNSCHAFT berichtete). Es folgte ein demonstrativer Schulterschluss der Deutschen Filmakademie (DFA), der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) und dem Bundesverband Schauspiel (BFFS). Es gab auch ablehmende Äusserungen, etwa von Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden: «Niemand sollte mit seiner Besonderheit meinen, es besonders in den publizitären Vordergrund zu rücken. Es gilt einfach: Jedem das Seine!», schrieb er auf Facebook.

Das zeige, so schrieb die Queer Media Society (QMS) in einer Reaktion, «wie weit entfernt wir auch im Jahr 2021 von Geschichtsbewusstsein, Akzeptanz, Inklusion und Teilhabe sind» und wie nötig die Initiative #ActOut sei.

Jan Hutter

«Eine Aktion wie #Actout wäre auch in der Schweiz nötig»

Riccardo Simonetti

Riccardo Simonetti: Wir müssen «aktiv anti-homophob sein»