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«Die Evangelische Kirche ist ihnen Liebe schuldig geblieben»

Die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gesteht «schreiendes Unrecht» ein

Friedrich Heinrich Klein
Bischof Christian Stäblein (Foto: EKBO)

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte rehabilitiert die Kirche mit Friedrich Heinrich Klein einen schwulen Pfarrer, der von der NS-Justiz nach §175 verurteilt und anschliessend aus dem Dienst der Kirche entfernt wurde. Dazu fand am Dienstagabend ein Gottesdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Immanuel in Berlin statt.

Im Beschluss der Kirchenleitung der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz von letztem Freitag heisst es: «Der Entzug der Ordinationsrechte von Pfarrer Friedrich Klein am 20. Januar 1943 durch das Konsistorium wird als Unrecht anerkannt und für nichtig erklärt.» (MANNSCHAFT berichtete)

Für die Rehabilitierung hatte sich u. a. der Gesprächskreis Homosexualität der Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin seit Jahren stark gemacht. Lothar Dönitz und Volker Gasser vom Gesprächskreis erklärten, die Kirche habe «aus falschem biblischen Verständnis die Ablehnung homosexuellen Verhaltens über sehr viele Jahre begründet. Und damit auch Argumente zur Ablehnung, Diskriminierung, Ausgrenzung Homosexueller bis zur Strafgesetzgebung geliefert. Nicht vergessen, die Ermordung in den Konzentrationslagern.»

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Aus diesem Anlass der Rehabilitierung predigte Bischof Christian Stäblein bei einem Gedenkgottesdienst am Dienstagabend in der Evangelischen Kirchengemeinde Immanuel in Berlin Prenzlauer Berg. Auf den Tag genau vor 85 Jahren, am 1. September 1935, hatten die Nationalsozialisten § 175 verschärft. Für die Opfer des Paragraphen entsteht derzeit in Darmstadt ein Denkmal (MANNSCHAFT berichtete).

 

Bei dem Gottesdienst nun wurde die Rehabilitierung von Pfarrer Friedrich Klein (1905–1945) öffentlich erklärt. Klein war nach Verurteilung durch die Nazi-Justiz auf Basis des §175 von der damaligen Kirchenleitung aus seinem Dienst als Pfarrer entlassen worden.

«Durch diese Unrechtbehandlung ist viel Leid über Menschen gekommen, die anders lebten und liebten und die auf schreckliche Weise diskriminiert wurden», sagte Bischof Christian Stäblein. «Die heutige Kirchenleitung der EKBO hat dieses Unrecht anerkannt und die Entlassung von Pfarrer Friedrich Klein für nichtig erklärt.» Mit dem Gottesdienst wolle man deutlich machen, dass vielen Menschen – auch im Namen der Kirche – schweres Unrecht widerfahren sei.

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Stäblein verlas die Erklärung vom Freitag und erklärte: «Wir haben als Kirche versagt. Wir sind Menschen Anerkennung, Recht und Liebe schuldig geblieben.» An ihm sei es, das Unrecht zu benennen und dazu stehen. Die Kirche wisse, dass sie Leid und Unrecht nicht ungeschehen machen könne. «Ich bekenne hiermit die Schuld, die wir auf uns geladen haben. Ich hoffe und bitte um Vergebung.»

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Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität zu verurteilen, ist Sünde, erklärte Stäblein. «Die Evangelische Kirche ist Teil eines langen leidvollen Geschichte der Ausgrenzung.» Bis zum kommenden Sommer soll es darum ein Busswort im Hinblick auf die Diskriminierung von queren Menschen geben. Denn, so Stäblein: «Wenn ein Glied am Leid Christi leidet, dann leidet der gesamt Leib.»

1905 in Homburg (Saar) geboren, war Friedrich Heinrich Klein seit 1935 an der Immanuelkirche in Berlin als Pfarrer tätig. Im Dezember 1941 wurde er wegen des Verdachts auf widernatürliche Unzucht‘ mit dem damals 19-jährigen Unteroffizier Karl-Heinz Scheuermann verhaftet. Zunächst aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen, wurde das Urteil jedoch im Herbst 1942 kassiert. Der Fall wurde an das Reichskriegsgericht überwiesen. Dort wurde Klein nach § 175 zu drei Jahren Haft verurteilt.

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Friedrich Heinrich Klein starb vermutlich 1944 im Krieg an der Ostfront. Nachdem die Nazis ihn zunächst im Gefängnis in Torgau eingesperrt hatten, war ihm im Juli die Möglichkeit der ,Bewährung im Fronteinsatz‘ angeboten worden. Von seiner Personalakte fehlt jedoch bis heute jede Spur. Auch sein genauer Todestag ist nicht bekannt.

Zum Schluss des einstündigen Gottesdienstes wurde in der Kirche für die «bunte Vielfalt» gebetet. Man gedachte auch der LGBTIQ-Menschen in Polen, Russland und Tschetschenien (MANNSCHAFT berichtete) – «in Staaten voller Homophobie».

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