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Teddy Award geht an lesbisches Drama «All Shall Be Well»

Am Freitagabend fand die Preisverleihungsgala in der Berliner Volksbühne statt

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Maggie Li Lin Lin (l.) und Patra Au Ga Man in «All Shall Be Well» (Foto: Berlinale 2024 / Films Boutique)

Der Teddy Award wird seit 38 Jahren im Rahmen der Berlinale verliehen. Eine internationale Jury sichtet Filme mit queerem Kontext aus allen Sektionen der Filmfestspiele und nominiert in jeder Kategorie drei Filme.

Es geht dabei um Filme, «die Themen zur gesellschaftlichen Vielfalt kommunizieren und einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten».


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Zur Teddy-Jury gehörten dieses Jahr die Filmfestival-Organisator*­innen Cerise Howard (Australien), Diego Armando Aparicio (Zypern), Kami Sid (Pakistan) und Luís Fernando Moura (Brasilien), ausserdem die Autorin Vic Carmen Sonne (Dänemark).


Lesbisches Paar in Hongkong
Als besten Spielfilm würdigten sie «All Shall Be Well» des Hongkonger Regisseurs Ray Yeung. Im Zentrum des Films steht ein gut situiertes lesbisches Paar Mitte 60. Sie heissen Pat (gespielt von Maggie Li Lin Lin) und Angie (Patra Au Ga Man) und leben seit 30 Jahren gemeinsam in Pats Eigentumswohnung in Hongkong.

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«All Shall Be Well»-Regisseur Ray Yeung (Foto: Berlinale 2024)

Das Umfeld des Paares – auch die Familien – akzeptiert die Beziehung, scheint es. Jedoch kommt es zu Konflikten, nachdem Pat unerwartet stirbt und Streit ums Erbe entbrennt.

Filmmaterial aus dem kommunistischen Polen
Der Teddy für den besten Kurzfilm ging an «Grandmamauntsistercat» von Zuza Banasińska. Die polnische Regisseurin erzählt darin – als Collage aus Filmmaterial aus dem kommunistischen Polen – die Geschichte einer matriarchalen Familie.


Mit dem Teddy der Jury wurde das Ensemble des Films «Crossing» des schwedischen Regisseurs Levan Akin ausgezeichnet. Er handelt von der pensionierten georgischen Lehrerin Lia, die ihre queere Nichte Tekla in Istanbul sucht und dort auf Evrim trifft. Diese ist Anwältin und kämpft für trans Rechte. «Jede Figur dieses Ensembles, ob Haupt- oder Nebenfigur, wird mit unglaublicher Tiefe behandelt, ohne vorgefasste Meinungen und filmische Stereotypen zu bedienen», so die Begründung der Jury.

Als bester Dokumentarfilm wurde «Teaches of Peaches» von Judy Landkammer und Philipp Fussenegger ausgezeichnet. Er handelt von der als Peaches auftretende kanadische Electroclash- und Punk-Sängerin Merrill Nisker («Fuck the Pain Away») und zeigt mit privatem Archivmaterial die Transformation der heute 57-Jährigen zur international gefeierten Künstlerin (MANNSCHAFT berichtete).

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Peaches (Foto; Cordula Kablitz-Post, avanti media fiction)

Lothar Lambert geehrt
En Special Teddy Award ging an den Berliner Kult-Regisseur 79-jährigen Lothar Lambert. Seit den 1970ern sei er «näher an Menschen, die in keine gesellschaftlichen Schablonen passen», wird die Jury in einer Mitteilung zitiert.

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Jury-Mitglieder Diego Armando Aparicio (l) und Cerise Howard (Foto: Britta Pedersen/dpa)

Laut Medienberichten soll es zu Beginn der Gala in der Volksbühne zum Eklat gekommen sein, als die Jury ein Statement in Solidarität mit Palästina verlas. Als Reaktion hätten einige Gäste aus Protest den Saal verlassen, heisst es, es habe Buhrufe gegeben, andere spendeten wiederum stehende Ovationen.

Zum auch in der LGBTIQ-Szene tobenden Konflikt zwischen Israel und Palästina bzw. der Hamas (MANNSCHAFT berichtete) erscheint im März eine Sammlung kritischer Essays beim Querverlag unter dem Titel «Siebter Oktober Dreiundzwanzig: Antizionismus und Identitäspolitik». Herausgeber ist der Historiker Vojin Saša Vukadinović. (mit dpa)

Im «First Dates Hotel» sind wieder zwei queere Kandidaten am Start (MANNSCHAFT berichtete).


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