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Rentner gesteht 10 Farb-Anschläge auf Homosexuellen-Mahnmal

Sein Motiv lässt aufhorchen

Fotos: Kriss Rudolph/Polizei Berlin

Die Farb-Anschläge auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen beschäftigen demnächst die Berliner Justiz Gericht. Vorab hat sich der ehemalige Streetworker zu den Attacken bekannt.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Berliner Tiergarten wurde im Sommer 2019 wiederholt mit Farbe beschmiert (MANNSCHAFT berichtete); zudem hatte jemand die Buchstaben HIV in die Steinplatte vor dem Sichtfenster des Denkmals eingebrannt. Auch die Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer, die an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung erinnern, wurden beschädigt (MANNSCHAFT berichtete).

Nun kommen die Farb-Attacken vor Gericht. Als der Staatsschutz Fotos des Täters veröffentlichte, stellte sich Wolfgang V. (69). Doch vor Prozessbeginn hat er sich gegenüber der B.Z. geäussert. Er habe nicht aus Schwulenfeindlichkeit gehandelt, so der Rentner. Vielmehr habe er auf das Schicksal minderjähriger Flüchtlinge aufmerksam machen wollen. Denn viele von ihnen würden bei uns von ihren Eltern auf den Strich geschickt. «Hier verbrennen Seelen», so der 69-Jährige. Junge Heranwachsende würden aus Armut von alten Freiern zum Sex gegen Geld ausgebeutet.

Der ehemalige Streetworker kämpfe seit Jahren für den Schutz afghanischer Geflüchteter und Jungen aus Rumänien. Die Prositution führe oft in die Drogensucht, meist werde billiges Crystal Meth konsumiert. Tatort des sexuellen Missbrauchs und des Drogenkonsums sei eine Klappe am Grossen Tiergarten.


Der Renter sagt, er fühle sich als Bürger nicht ernst genommen. Er wisse von vielen Flüchtlinge, dass sie das lange Warten auf einen Asylbescheid zermürbe. Auch deswegen würden sie kriminell und gingen auf den Strich.

Wolfgang V. soll im Rahmen des bevorstehenden Prozesses psychiatrisch untersucht werden. Das empört seinen Pflichtverteidiger Mirko Röder: «Auch eine freie Meinungsäusserung im weitesten Sinne kann nicht zur Psychiatrisierung des Beschuldigten führen.» Man lebe hier nicht in der Sowjetunion, so Röder.

In Wien beginnt derweil die Suche nach einem Denkmal für homosexuelle NS-Opfer von Neuem: Marc Quinn hatte mit seinem Entwurf 2020 den künstlerischen Wettbewerb gewonnen und diesen nun zurückgezogen (MANNSCHAFT berichtete).




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