Wie queer ist ... Tori Amos?

Sie spielte schon mit 13 Jahren in einer Schwulenbar

Sängerin Tori Amos
Sängerin Tori Amos (Bild: Penn Turin / dpa)

Die 1963 geborene Sängerin Myra Ellen Amos, die als Tori Amos berühmt wurde, hat viele queere Songs geschrieben – und sich seit Beginn ihrer Karriere immer für LGBTIQ-Rechte eingesetzt.

Hier neun Beispiele, warum die Klavier spielende Künstlerin unbedingt in die queere Hall of Fame gehört: von ihren ersten Auftritten in Gay Bars bin hin zur ihren queersten Songtexten.

#1 Gegen den Klassik-Strom

Tori Amos war schon als Kind ein Sonderling. Mit nur vier Jahre lernte sie Klavier spielen und nur ein Jahr später bekam sie ein Stipendium des renommierten Peabody Instituts. Sie war damals die jüngste Schülerin dieser Musik-Uni, die ein Teil der John Hopkins Universität in Baltimore ist. In ihren Memoiren schrieb sie, dass sie es hasste, Musik vom Blatt spielen zu müssen und begann, sich für Rock- und Popmusik zu interessieren.

Ihr Stipendium wurde schliesslich beendet, als sie elf Jahre alt war. Die Begründung fiel knapp aus, aber klingt beinahe wie eine Verheissung: «Musikalischer Ungehorsam». 46 Jahre später bat die John Hopkins Universität sie trotzdem um eine Rede für die Abschlussklasse 2020 – sie nahm die indirekte Entschuldigung an. 

#2 Das grosse erste Album

Sie hatte zu dem Zeitpunkt schon viel Erfahrung in Reden vor Studierenden. Ihre erste Rede vor einer Abschlussklasse hielt sie 1995 an der UCLA, drei Jahre nachdem ihr Debut-Album «Little Earthquakes» erschienen war. In den zwölf Songs darauf erkannten sich viele queere Menschen wieder. Sie selbst verglich in der Uni-Rede das Erscheinen des Albums als eine Art «aus dem Ei schlüpfen», ähnlich einem Coming-out.

«Ich stand da also (sie gackert wie ein Küken) und fragte mich: Ok, was habe ich noch alles mir nicht getraut in all den Jahren.» Genau davon handeln die beiden bekanntesten Lieder vom Album: «Crucify» und «Silent All These Years». Sie erzählen wie viele ihrer frühen Lieder von Unterdrückung, Religion, Selbsthass und wie man diese Dinge hinter sich lässt. Im Zentrum ihrer Musik steht von Anfang an das Klavier. 

#3 «Getauft in der Schwulenbar» 

Mit nur 13 Jahren sass sie in einer Gay Bar und spielte Klavier für ein paar Dollar Trinkgeld. Sie wird oft an diese Zeit in ihrem Leben zurückdenken und sich wundern, dass ausgerechnet ihr Vater, ein Methodisten-Pfarrer, sie dorthin begleitete. Er passte auf sie auf und sie wird ihm später viele Lieder widmen. Jahre später schreibt sie in ihren Memoiren, dass sie in dieser Zeit «in der Kneipe getauft wurde».

«Es waren schwule Männer, die mich unter ihre Fittiche nahmen und mir beibrachten, wie man überlebt in der Welt.» Es war auch die Zeit der Aids-Krise und für sie war das manchmal sogar «eine zu grosse Dosis Realität», schreibt sie. «Sie waren wie Gute Feen, die mir versuchten beizubringen, wie viel Gutes ein einziger Tropfen Wohlwollen erzeugen kann.» 

#4 Tori als Lebensretterin

Wer einmal auf Konzerten von Tori Amos war, weiss, dass ihre Fanbase zu einem grossen Teil aus queeren Menschen besteht. Auch ihre Memoiren «Resistance» gibt es viele Referenzen zur Queeren Community. Manche, wie der Ressortleiter der Huffington Post Noah Michelson, gehen sogar so weit und sagen: «Tori Amos hat mein Leben gerettet». In dem Text beschreibt er, dass ihre Lieder ihn zu einer Zeit erreichten, wo er als Teenager regelmässig gehänselt wegen seines unmännlichen Verhaltens wurde.

Später auf Tori-Amos-Konzerten traf er andere Fans, denen ihre Songs ähnlich nahe ging. Besonders der A-Capella-Song «Me and a Gun» machte viele betroffen, der Song beschreibt eine Vergewaltigung, die die Sängerin selbst durchgemacht hat. Weil Noah Michelson sie mehrfach als Journalist interviewen konnte, eröffnete er ihr kurz, wie «lebensrettend» ihre Musik für ihn war. Ihre Antwort war knapp: «Du hast dein Leben selbst gerettet.» 

#5 «Ich bin die Homo-Fee»

Inzwischen hat Tori Amos 17 Studioalben herausgebracht und zusätzlich viele andere Künstler*innen gecovert, oft Männer wie Kurt Cobain, Robert Plant oder Mick Jagger. Dabei sind auch immer wieder sehr queere Lieder wie «Real Men» von Joe Jackson, der darin gegen toxischer Männlichkeit ansingt. Aber auch ihre selbst geschriebenen Lieder enthalten immer wieder Verbeugungen in Richtung der LGBTIQ-Community. Darunter «Raspberry Swirl», «Blood Roses», «Taxi Ride» und «Riot Proof». Über letzteren Song sagte sie in einem Interview: «Ich bin wie die Zahnfee oder die Homo-Fee, die dieses Lied unter den Kissen aller homophonen Menschen hinterlässt.»

#6 Auftritt in Russland

In einem Konzert im Juli in Moskau spielte sie für ein Publikum von Ukrainern und Russen, erzählt sie. Es war der Sommer 2014, die Invasion der Halbinsel Krim hatte gerade stattgefunden und im Tag nach ihrem Konzert, sollte Präsident Putin auf genau dieser Bühne stehen. Einige Mitarbeiter des Sicherheitsdienst hatten sie gewarnt, aber sie spielte trotzdem das Lied der damals verbotenen Band t.A.T.u. «Not Gonna Get Us», das zu einer lesbischen Hymne wurde. Ihre lesbische Tourmanagerin habe das sehr gefreut, erzählt sie später. Tori damals wörtlich: «Ich spiele nicht für eine Regierung, ich spiele für Menschen.» 

#7 In ihrer Erziehung

Das Lied «Promise» vom 2014-er Album «Unrepented Geraldines» hat sie mit ihrer Tochter Tash aufgenommen. Darin singen sie: «Promise not to judge / To judge who you love». Sie hat im Zuge dessen auch mit ihr darüber gesprochen, wie sie als Mutter mit dem Outing ihrer Tochter umgehen würde.

#8 Direkte Ansprache an die Fans

Sie hat sich immer direct an die Fans gewandt, dass sie ihr ihre eigenen Geschichten zuschicken, damit sie diese in ihre Songs einbauen kann. In einem Interview 2021 zu ihrem Album «Ocean to Ocean» wandte sie sich direkt an ihre «trans and non-binary fans»: «Bitte schickt mir weiterhin Eure Briefe! Ich muss noch viel lernen, damit ich weiter wachsen kann!»

#9 Die Frau hinter «Frozen»

Im Februar ist ihr Album «Tori and the Muses» erschienen, zusammen mit einem gleichnamigen Kinderbuch. Darin erzählt sie, wie die Musen in ihre Leben kamen. Sie selbst allerdings war auch eine Muse, nämlich für den Disney-Song «Let it Go» aus dem Film «Frozen». Die Co-Autorin des Songs Kristen Anderson-Lopez sagte, dass sie beim Schreiben Tori Amos im Kopf hatte. Und wer genau hinhört, kann sich das sehr gut vorstellen. Eigentlich ist es ein Tori-Song.

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